Eschweiler - Inde-Kirmes lockt halb Eschweiler

Inde-Kirmes lockt halb Eschweiler

Von: Irmgard Röhseler
Letzte Aktualisierung:
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Es muss nicht immer das brandneue atemberaubende Fahrgeschäft sein, das die Kirmes für Besucher attraktiv macht. Auch mit Luftballon-Darten kann man eine Menge Spaß bekommen. Foto: I. Röhseler
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Autoscooter-Fahren ist immer ein Erlebnis und wohl seit Jahrzehnten noch immer mit das beliebteste Fahrgeschäft.
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Hans-Otto Grass strahlt: der Autoscooter-Besitzer freut sich über die guten Geschäfte in Eschweiler. „Endlich ist hier nochmal richtig was los!“

Eschweiler. „Die Kirmes ist im Dorf“ hieß es früher, wenn die Schausteller mit ihren Wohnwagen und Zugmaschinen anrückten. Damals hatte das noch etwas Besonderes, wenn es auf dem Dorfplatz glitzerte und flackerte und Karussells, Raupe und Autoscooter ihre Runden drehten. Da war die ganze Familie auf den Beinen und hatte einen Riesenspaß.

Heutzutage die Plätze - und vor allem die Fahrgeschäfte - zu füllen, stellt für die Schausteller eine große Herausforderung dar. Die Menschen hinter dem Ofen hervor zu locken ist gar nicht mehr so einfach, wissen die Schausteller. „Da muss man schon richtig etwas auffahren“, weiß Marion Gehlen vom Schaustellerverband Aachen.

Das Konzept der Indekirmes scheint dieses Mal zu passen. Am Wochenende „brummten“ die Geschäfte auf dem Drieschplatz. Auch Marion Gehlen hatte an ihrem Früchte- und Süßwarenstand (zeitweise) alle Hände voll zu tun. Strahlende Gesichter sah man eigentlich überall: Nicht nur die Schausteller hatten gut Lachen, auch die Besucher freuten sich des Lebens und amüsierten sich sichtlich beim Rummel. Unterwegs war alles: jung und alt.

Während die Älteren sich an der Schießbude oder bei einem kühlen Getränk im dekorativen Biergarten vergnügten, zog es die Jugendlichen mehr zu den „Adrenalinschüben“ wie auf den neuen Voo Doo Jumper, dass die „Vergnügungssüchtigen“ mit langen Armen, an denen frei drehende Gondeln baumeln, mit viel Schwung in die Luft katapultiert. Aber auch beispielsweise Disco Dance, Magic House, Autoscooter und Break Dance hatten Hochkonjunktur. Laut kreischend vergnügten sich die Besucher bei rasanten Fahrten und Gruseltouren.

Eine Glitzer- und Glamourwelt, die seit jeher für ein paar Stunden alle Probleme vergessen lässt. Für die Schausteller allerdings steckt knallharter Alltag dahinter. Sie ziehen (außer im Winter) das ganze Jahr von Stadt zu Stadt, bauen (oft zwei Tage lang) auf, sitzen von morgens bis abends in ihren Kassenhäuschen, locken die Besucher mit markigen Sprüchen an und schauen immer wieder nach dem Rechten – bis zum nächsten Abbau. Die meisten Familien erledigen die vielfältigen Aufgaben alle selbst oder haben nur noch einige wenige Angestellte. Die rosa Zeiten, sich Angestellte leisten zu können, sind vorbei. Das Geschäft ist hart, besonders wenn nicht genug dabei rumkommt.

Umso schöner, wenn das Blatt sich wieder zu wenden scheint und die Menschen die Kirmes wieder attraktiv finden. „Das hatten wir schon seit Jahren nicht mehr. Schauen Sie sich das an“, freut sich Marion Gehlen vom Schaustellerverband am Samstagnachmittag und zeigt auf einen der Kirmes-Eingänge, wo die die Menschen geradezu auf den Platz drängen. „Wir sind sehr zufrieden“, frohlockt sie und lacht mit der Sonne um die Wette. Auch Rolf Lentzen, 2. Vorsitzender des Schaustellerverbandes, Inhaber des schnuckeligen (und gerade gut gefüllten Biergartens), ist bester Laune: „Das ist eine Superkirmes, wie wir sie schon seit Jahren hier in Eschweiler nicht mehr gehabt haben. Super-Wetter und zufriedene Menschen. Ich bin jetzt das sechste Mal in Eschweiler und immer wieder gerne hier.“

Jacky Vandersalm und sein Sohn Jaques sind mit dem imposanten Disco Dance zum dritten Mal in der Indestadt und gerne hier. Die Niederländer sind da, wo es sich lohnt. „In Holland geben die Jugendlichen lieber das Geld für die Handyrechnung als für die Kirmes aus“, meint Jacky Vandersalm. „Wir sind mit unseren Fahrgeschäft eigentlich überall in Deutschland zu finden, bis hin zur österreichischen Grenze.“

Auch Hans-Otto Grass zieht es immer wieder in die Indestadt. Am Samstag hat er kaum Zeit, sich zu unterhalten. Alle 30 Autoscooter sind im Einsatz. „Wir sind das fünfte Mal hier und bis jetzt hat sich das Aufbauen gelohnt. Natürlich ist es generell schwieriger geworden, auch das Wetter macht uns Schaustellern immer mehr zu schaffen. Wir hatten halt schon lange nicht mehr richtig Sommer. An den Preisen kann es nicht liegen, wir haben seit der Euro-Einführung konstant den gleichen Fahrpreis gehalten und hoffen mit Ermäßigungen die Massen zu locken. Zeitweise gibt es hier zehn Chips (normalerweise kostet ein Chip 2 Euro) für zehn Euro. Das lohnt sich doch für Leute, die an mehreren Tagen die Kirmes besuchen.“

Der Dürener Familienbetrieb (in der bereits vierten Generation) ist in von Ostern bis Ende Oktober unterwegs. „Den Januar, Februar und März nutzen wir, um unsere Geschäfte zu pflegen und instand zu setzen!“ Und was geschieht in den Monaten November und Dezember? „Ach ja, da sind wir auf dem Weihnachtsmarkt in Bad Oeynhausen und verkaufen Hot Dogs!“

Die Indekirmes läuft also bestens. Dann scheint ja auch das leidige Thema „Kirmes in der Innenstadt oder auf dem Drieschplatz“ vom Tisch zu sein. „Nein, nein“, winkt Marion Gehlen ab: „Wir würden unsere Geschäfte immer lieber in der Innenstadt aufbauen, da lief es generell immer besser!“

Heute hat man noch Gelegenheit, den bunten Rummel auf dem Drieschplatz zu besuchen. Morgen zieht die Kirmes weiter. Wie sie es seit vielen Generationen tut...

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