In Kinzweiler wird das Warten zum Dauerzustand

Von: Mischa Wyboris
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Wohl nicht nur Schnee von gestern: Wann die Aseag die Bushaltestellen in Kinzweiler, Hehlrath und St. Jöris wieder ansteuern kann, steht noch nicht fest. Das Verkehrsunternehmen plant seine Routen durch und um die weißen Wintermassen ständig neu. Foto: Mischa Wyboris

Eschweiler. Gäbe es eine Weltmeisterschaft im kollektiven Dauerwarten - Kinzweiler wäre wohl Titelaspirant. Wer jenen Stadtteil im Nordwesten Eschweilers seine Heimat nennt, der hat Entbehren gelernt.

Geschäft für den täglichen Bedarf: Fehlanzeige. Flächendeckender Breitband-Anschluss fürs Internet: Fehlanzeige. Für viele der rund 1700 Einwohner bleibt nur der Bus, um außerhalb Kinzweilers das zu bekommen, was längst zur Grundversorgung zählt. Doch ausgerechnet zwischen Weihnachten und Neujahr steht den Bürgern nun eine weitere Geduldsprobe bevor: Seit Heiligabend machen die Busse einen großen Bogen um Kinzweiler, genauso wie um das benachbarte Hehlrath und St. Jöris.

„Unser Hauptproblem sind die wahnsinnigen Schneemassen an den Straßenrändern und fehlende Wendemöglichkeiten”, sagt Aseag-Sprecherin Anne Linden. Mehrmals täglich seien bis zu sechs Autos des Verkehrsunternehmens in der gesamten Städteregion unterwegs, um die Straßenlage in den einzelnen Orten zu erkunden und der Leitstelle per Funk mitzuteilen, wo der Weg wieder frei und wo ein Weiterkommen für die sperrigen Fahrzeuge der roten Flotte unmöglich ist. Auch stehe die Aseag im ständigen Kontakt mit Polizei und Feuerwehr. „Wir sind bemüht, uns immer mehr Streckenabschnitte zurückzuerobern”, sagt Linden.

Stärkere Räumfahrzeuge

Kinzweiler, Hehlrath und St. Jöris gehören - fehlende Nahversorgung hin oder her - nicht zu den Orten, wo die Aseag den Kampf gewonnen hat. Laut Sonderfahrplan der Aseag fährt die Buslinie 28 an der Rue de Wattrelos geradeaus bis zur Mülldeponie und dann gleich weiter Richtung Mariadorf Dreieck. Die Linie EW4 fährt von Eschweiler kommend direkt nach Broichweiden.

Trotz der Tatsache, dass die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler (WBE) am Dienstagmorgen mit stärkeren Räumfahrzeugen versuchten, die Fahrbahn von Schnee und Eis zu befreien, blieben die Haltestellen in Kinzweiler, Hehlrath und St. Jöris verwaist.

Oftmals seien die Ortseingänge aufgrund der Schneeberge am Straßenrand für Busse unpassierbar, aber: „Wir planen permanent neu”, erklärt Linden. „Wir versuchen, unsere Haltestellen so zu erreichen, dass die Busse nicht Gefahr laufen, sich zu begegnen.”

Engpässe, die kennt Kinzweiler nicht nur von den eigenen Straßen, sondern auch von der weltweiten Datenautobahn. Ein Großteil der Bürger ist noch immer nicht aus der DSL-Diaspora befreit worden. Kein Kinzweiler verfügt derzeit über einen DSL-Anschluss mit 2 MBit pro Sekunde.

Anders ausgedrückt: Die Bürger im Nordwesten Eschweilers befinden sich nicht nur in der Eiszeit, sie leben auch in der Steinzeit - weitgehend. Das bekräftigt auch Stadtsprecher Stefan Kaever: „Während die eine Straßenseite endlich schnelles Internet hat, muss sich die andere ihre Bits und Bytes noch mit dem Eimer holen.”

Im Eimer ist damit auch die Geduld der Stadt. Sie hat die Internet-Breitbandversorgung ausgeschrieben. „Nicht zuletzt leiden die betroffenen Stadtteile in ihrer Attraktivität als Wohn- und Gewerbestandort”, heißt es in dem Schreiben der Indestadt. Betroffen sind rund 3880 Einwohner (etwa 1285 in Hehlrath, 885 in St. Jöris und 1710 in Kinzweiler).

Weil den großen Betreibern der Anschluss kleiner Orte ans Breitbandnetz nicht proftiabel erscheint, ist die Indestadt bereit, einen rund zehnprozentigen Eigenanteil der Beihilfeanforderung zu zahlen. Bis 23. Februar 2011 läuft die Frist zur Abgabe eines Angebots, bis Ende des kommenden Jahres soll der Netzausbau abgeschlossen sein.

Sicher scheint indes nur eines: Die Bürger in den drei Ortsteilen werden nicht so lange auf den Bus warten müssen wie auf das flächendeckende Breitband-Internet - oder einen Supermarkt.

Hier gibt´s Auskunft über die Busanbindung

Die Aseag informiert über ihre telefonische Fahrplanauskunft unter 0241/16881 immer wieder über die aktuell angesteuerten Haltestellen sowie die Umwege ihrer Buslinien. Auch im Internet können Fahrgäste auf der Seite www.aseag.de den ständig aktualisierten Sonderfahrplan einsehen.

Die Stadt Eschweiler hat auf der Internetseite www.eschweiler.de die Ausschreibung zur Breitbandversorgung von Kinzweiler, Hehlrath und St. Jöris zum Download bereitgestellt. Bis Ende 2011 soll der Ausbau abgeschlossen sein.

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