In Eschweiler fehlen günstige Wohnungen

Von: Patrick Nowicki
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Viele Menschen in Eschweiler verzweifeln bei der Suche nach bezahlbaren Wohnungen. Die Untersuchung der Empirica AG kommt zu dem Schluss, dass jährlich bis zu 120 neue Wohneinheiten nötig sind, um den Bedarf in der Stadt zu decken. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Wer sich in den vergangenen Monaten auf Wohnungssuche begeben hat, der musste sich in Eschweiler auf ein Geduldspiel einlassen. „35 neue Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern pro Jahr sind einfach zu wenig“, sagt Thomas Abraham. Er gehört zur Empirica AG mit Sitz in Berlin, die im Auftrag der Stadt Eschweiler ein „Handlungskonzept Wohnen“ entwickelt hat.

Ein Jahr lang haben sich die Experten hier umgesehen, um sich vom Wohnungsmarkt ein Bild zu machen. Das Ergebnis liegt nun auf dem Tisch: Es fehlen Wohnungen in Eschweiler. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, schätzen die Experten, wenn nicht die Zahl der Neubauten deutlich steigt.

Viele Ergebnisse, die im Zuge der Untersuchungen zutage treten, dürften die Ratsvertreter nicht überraschen: Eschweiler gilt als Wohnstandort für Familien, der Anteil an sehr jungen und sehr alten Menschen ist im Vergleich zur Städteregion und zur Stadt Aachen hoch. 20,9 Prozent der an der Inde lebenden Menschen sind mindestens 65 Jahre als (Stadt Aachen: 18,2 Prozent).

Die Gruppe der bis 18-Jährigen macht 16,8 Prozent aus (13,9). Junge Erwachsene zieht es hingegen in andere Städte, um dort zu studieren oder ihre Ausbildung zu absolvieren. Dies hat ebenso Konsequenzen für die Wohnungsbauplanung wie die nach wie vor hohe Arbeitslosenzahl. Die Zahlen stammen größtenteils aus dem Jahr 2014, sind also für das politische Tagesgeschäft weniger interessant. Für die Auswertung wurden sämtliche Stadtteile Eschweilers gesondert betrachtet.

Allerdings enthält die Expertise auch zahlreiche Prognosen, wie sich die Stadt in den kommenden Jahren entwickelt, und nennt Handlungsempfehlungen für die kommenden Jahre. Vor allem letzteres war der Stadt Eschweiler etwa 25.000 Euro wert, die in die Erstellung des Wohnkonzepts flossen. Der Aufgabenkatalog in dem 96 Seiten umfassenden Werk ist äußerst umfangreich.

Ein Beispiel: Die schwierige finanzielle Lage, in der sich viele Menschen befinden, muss sich auch im Wohnungsmarkt widerspiegeln. Die Experten von Empirica gehen davon aus, dass „geschätzte 40 bis 50 Prozent aller Haushalte in der Stadt Eschweiler Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein“ haben. Es besteht also ein hoher Bedarf günstiger Wohnungen. Nach aktuellen Berechnungen wird fast die Hälfte des geförderten Wohnungsbestands in den kommenden Jahren wegfallen – bis 2030 um 46,9 Prozent.

Diese 960 Wohneinheiten wurden mit öffentlichen Mitteln gefördert und unterliegen einige Jahre einer Mietpreisbindung. Bei der Schaffung von günstigem Wohnraum besteht also massiver Handlungsbedarf. „Die Nachfrage nach preiswerten Wohnungen gibt es in allen Stadtbezirken“, heißt es in der Untersuchung. Deswegen solle man preiswerte Wohnungen nicht nur in der Innenstadt bauen.

Die Mitarbeiter der Empirica AG gehen davon aus, dass die Zahl der Haushalte langfristig abnehmen wird. Die Prognose sieht vor, dass der Bedarf von 127 Wohneinheiten (79 in Ein- und Zweifamilienhäusern/48 in Mehrfamilienhäusern) pro Jahr zwischen 2016 und 2020 auf 85 (44/41) bis 2025 und schließlich auf 59 (45/14) sinkt.

Dennoch kommen die Verfasser der Untersuchung zu dem Schluss: „Bis 2025 sollte Bauland in Umfang von mindestens insgesamt 1000 bis 1200 Wohneinheiten in der Stadt Eschweiler bereitgestellt werden.“ Jährlich seien dies bis zu 120 neue Wohneinheiten pro Jahr. Ein Teil davon kann durch Lückenschluss erfolgen, ein Baulückenkataster wird von der Stadtverwaltung aktuell geschrieben. Diese Flächen reichen laut Empirica jedoch nicht aus.

Der Tatsache, dass der Anteil älterer Menschen in Eschweiler weiter wächst und die Stadt für Familien attraktiv bleiben soll, wird vorgeschlagen, künftig verstärkt Mehrgenerationenquartiere vorzusehen. In Eschweiler soll dies unter anderem auf dem Areal des ehemaligen Indestadions umgesetzt werden. Eschweiler sieht die Expertise auf einem guten Weg: „Die Stadt bietet älteren Menschen ein gutes Infrastruktur- und Versorgungsangebot“, das es weiter auszubauen gelte.

Vertreter von Stadtverwaltung, Politik, aber auch private Investoren sollen nach dem Wunsch von Empirica an einem „Runden Tisch Wohnen“ zusammenkommen, um in Zukunft gemeinsam Maßnahmen zu diskutueren. Erste Konsequenzen für die Entwicklung in der Stadtverwaltung sind bereits vorgesehen. So soll eine Stelle geschaffen werden, die sich unter anderem mit der zukünftigen Wohnungsbauentwicklung beschäftigt.

In seiner heutigen Sitzung wird der Stadtrat entscheiden, ob das Konzept Grundlage für die weiteren Planungen in Eschweiler sein wird. Sie beginnt um 17.30 Uhr.

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