In einigen Jahren reichen die Plätze wohl nicht mehr aus

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
pflegeausschuss1_
Hilfsbedürftig: In der Region sind immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen. Foto: imago/Niehoff

Eschweiler. Der Titel klingt sperrig, bürokratisch: „Bericht 2009 zur kommunalen Pflegeplanung”. Doch das, was Antje Rüter den Mitgliedern des Sozial- und Seniorenausschusses präsentierte, war ein Blick in die Zukunft Eschweilers und der Region.

Die Menschen werden älter. Ein wachsender Anteil von Senioren steht immer weniger jungen Menschen gegenüber. In den Eifelkommunen schreitet der Alterungsprozess dabei schneller voran als in nördlichen Städteregionskommunen wie Alsdorf und Baesweiler sowie dem Oberzentrum Aachen.

Wie sich dies im Bereich der Pflege bereits jetzt zeigt und welche Auswirkungen die älter werdende Bevölkerung der Städteregion auf das Leben in den Kommunen hat, führte Diplom-Soziologin Rüter den Politikern eindrucksvoll vor Augen.

Schon 2015 wird es in Eschweiler 2200 Pflegebedürftige geben. Berechnungen gehen von 560 Personen aus, die stationär, und 490 Personen, die ambulant gepflegt werden. Weitere 1170 Menschen werden Pflegegeld beziehen.

Dem stehen bereits jetzt 757 vorgehaltene Plätze gegenüber, weitere 35 stationäre Plätze befinden sich im Bau oder in Planung. Dies würde zumindest die stationäre Pflegebedürftigkeit 2015 abdecken. An der Inde gibt es sogar einen Überhang von 231 Plätzen, was gleichbedeutend mit dem Spitzenplatz im stationären Bereich städteregionsweit ist.

„Eschweiler verfügt also über ein gut ausgebautes Angebot”, bilanzierte Rüter. „Bis 2015 reichen die Plätze des vollstationären Pflegearrangements, zumindest rein rechnerisch.”

Gleichzeitig stellte die Expertin der Stabsstelle Kultur, empirische Forschung und Gleichstellung der Städteregion den spezifischen Aussagen generelle Trends gegenüber, die alle gesellschaftlichen Gruppen vor große Herausforderungen stellt.

So lag bereits bei der Erhebung der Zahlen im Jahr 2007 der Anteil der Pflegebedürftigen in der Städteregion bei 3,15 Prozent (17.905 Personen). „Das ist ein sehr hoher Anteil”, sagte Rüter mit Blick auf den landesweiten Schnitt von 2,69 Prozent.

Eine regionale Besonderheit ist auch der mit 73 Prozent ungemein hohe Anteil der Pflegebedürftigen, die zu Hause betreut werden. Dabei versorgen jeden zweiten Pflegefall ausschließlich Angehörige und Freunde. „Das bedeutet, dass es vielfach Belastungsszenarien in diesen Familien gibt”, sagte Rüter.

Insgesamt nimmt die Pflegebedürftigkeit seit Jahren in der Städteregion beziehungsweise in Stadt und Kreis Aachen zu. 1999 waren es 8299 Pflegebedürftige auf dem damaligen Kreisgebiet, acht Jahre später bereits 10.644. Rüter: „Gerade im Zeitraum von 2005 bis 2007 gab es einen enormen Sprung.”

Zusammen mit den Zahlen der Stadt Aachen lag der Wert Ende 2007 bei 17905 pflegebedürftigen Personen. Damit hat die jetzige Städteregion auch im Vergleich mit den 15 bevölkerungsstärksten Städten beziehungsweie Kreisen in NRW einen der höchsten Pflegequotienten.

Modellberechnungen gehen davon aus, dass bis 2030 bis zu 9200 Menschen mehr in der Städteregion pflegebedürftig sein werden. All diese Zahlen, so Rüter, seien vor allem mit Blick auf Pflegeeinrichtungen und deren Ausbau wichtig.

Neben dem vollstationären und ambulanten Bereich gebe es gerade in der Tagespflege derzeit reichlich Bewegung, auch in Eschweiler. „Wenngleich wir in der Region noch weit weg sind von Referenzwerten auf Landesebene.”

Generell gehe es bei allen Bemühungen der Politik und der Einrichtungsträger um die qualitative Weiterentwicklung der Pflege-Infrastruktur. „Der demografische Wandel ist ganz klar der Beschleunigungsfaktor bei der Pflegebedürftigkeit”, resümierte Rüter.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert