Eschweiler - In der Manege vergisst er alle seine Sorgen

In der Manege vergisst er alle seine Sorgen

Von: Andreas Gabbert
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Die Verwandlung kann beginnen:
Die Verwandlung kann beginnen: Vor seinem Auftritt zieht sich Sascha Bügler in eine ruhige Ecke des Zirkuszeltes zurück und greift zu seinem Schminkkoffer. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Den Schminkkoffer hat Sascha Bügler immer im Gepäck. Kurz vor seinem Auftritt zieht er sich damit in eine ruhige Ecke zurück, und die Verwandlung kann beginnen. Wenn er dann endlich im Licht der Scheinwerfer steht, ist der Clown in seinem Element.

„Wenn man die Manege betritt, sind alle Sorgen vergessen”, sagt der 24-Jährige.

Bügler ist ein „Zirkuskind”, er wurde im Zirkus geboren, wuchs dort auf und zieht heute immer noch von Stadt zu Stadt - wie es bereits sieben Generationen seiner Familie vor ihm getan haben. In einem Haus oder einer Wohnung zu leben, kann er sich nur schwer vorstellen. Ihm würden die Tiere fehlen und die Decke schnell auf den Kopf fallen. Stattdessen wechselt er lieber wöchentlich den Ort. Im Schnitt gastiere der Zirkus in 80 Städten pro Jahr, schätzt der junge Mann.

Er ist der Clown im Zirkus Aladin, der zurzeit gemeinsam mit dem Zirkus Brunselli auf dem Drieschplatz gastiert. Die beiden Unternehmen sind eng miteinander verwandt, die Direktoren sind Geschwister. Da liegt es nahe, wenn man sich in der selben Gegend aufhält, auch gemeinsam aufzutreten. Die Winterpause verbringen sie ohnehin zusammen. „Wir sind halt alle eine große Familie”, sagt Bügler.

Bevor die Familie sich aber etwas Ruhe gönnen darf, stehen noch einige Auftritte an. Bis zur Winterpause muss möglichst viel Geld in die Kasse gespült werden, sonst wird es eng, denn immer weniger Zuschauer kommen zu den Vorstellungen. „Früher haben sich die Kinder auf den Zirkus gefreut, heute sitzen sie wohl lieber vor der Playstation”, lautet Büglers Erklärung. Früher war auch die Winterpause länger. Heute müssen die Artisten noch etwas härter arbeiten, damit sie über die Runden kommen. Neue Anschaffungen müssen zurückstehen, die alten Sachen müssen länger halten und werden so lange repariert, bis es nicht mehr geht.

Der Verdienst der Zirkusleute hängt von der Platzmiete, den laufenden Kosten und natürlich von den Zuschauerzahlen ab. „Wir sind zufrieden, wenn 50 bis 80 Leute pro Vorstellung kommen, aber mehr wäre natürlich auch nicht schlecht”, sagt Bügler. Seine Eltern haben den finanziellen Druck schon vor Jahren gespürt. Am Ende haben sie mit ihren Auftritten nicht mehr genug verdient und mussten draufzahlen. Das bedeutete das Aus des Familienunternehmens. Seitdem ist Sascha Bügler mit dem Zirkus Aladin unterwegs. „Ich bin eben ein Zirkuskind von Kopf bis Fuß”, sagt der Clown, der später in die Fußstapfen seiner Eltern treten und einen Zirkus leiten möchte.

Die Chancen stehen nicht schlecht, immerhin hat seine Schwiegermutter im Zirkus Aladin das Kommando. Bügler hofft, dass irgendwann auch wieder mehr Geld in der Kasse hängen bleibt. Wie er das anstellen will, weiß er aber selber noch nicht so genau. „Wir müssen uns eben etwas einfallen lassen, um die Leute wieder anzulocken.”

Auch wenn an vielen Ecken und Enden gespart werden muss, kommen die Tiere nie zu kurz. „Die stehen immer an erster Stelle”, sagt Bügler. Löwen oder Elefanten sucht man aber vergeblich. Wildtiere gibt es nicht zusehen. „Die gehören in die Natur”, findet Bügler Im Zirkus Aladin und im Zirkus Brunselli gebe es nur Haustiere, erklärt er. Dazu zählen für ihn aber neben den Pferden, Ponys, Hunden, Kaninchen und vielen anderen auch die sechs Lamas und die vier Kamele.

Bügler hat viele Verpflichtungen im Zirkus Aladin. Er ist nicht nur Clown und Feuerspucker, sondern auch an der Dressur der Tiere beteiligt. Beim Auf- und Abbau muss ohnehin jeder mit anpacken, und das Futter für die Tiere muss auch irgendwo beschafft werden. Jede Woche müssen die Zirkusleute auf Neue nach einem Bauern suchen, der bereit ist, ihnen ein paar Ballen Heu und Stroh zu verkaufen. „Wir müssen hier alle an einem Strang ziehen und uns gegenseitig ergänzen, sonst funktioniert das nicht”, sagt Bügler.

Mit 15 Jahren hat er seinen Hauptschulabschluss gemacht und mit 19 Jahren den Realschulabschluss nachgeholt. „Das ist mein Rückhalt, wenn das alles hier mal den Bach runtergehen sollte.”

Wohin es in den nächsten Wochen gehen wird, ob ins Winterlager oder in die nächste Stadt, weiß Bügler noch nicht. „Das hängt vom Wetter ab, wir spielen so lange es irgendwie geht”, sagt der junge Mann. Es sind schlechte Zeiten für Zirkusleute. Manchmal ist dem Clown gar nicht zum Lachen zu Mute. Aber wenn er in der Manege steht, spielen die Sorgen zumindest einen Moment lang keine Rolle mehr.

Vorstellungen des Zirkus in Eschweiler

Der Doppelzirkus Brunselli Aladin gastiert vom 20. bis 30 Oktober auf dem Drieschplatz.

Vorstellungen sind täglich um 15.30 Uhr. Freitags und samstags um 15.30 Uhr und um 19 Uhr. Sonntags gibt es nur eine Vorstellung um 14 Uhr.

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