Eschweiler - In der Kurzzeitpflege sind die Plätze rar

In der Kurzzeitpflege sind die Plätze rar

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
Ein neues Domizil auf Zeit: Se
Ein neues Domizil auf Zeit: Seniorin Anni C. nimmt die Kurzzeitpflege im Seniorenheim Senotel in Anspruch, weil sich derzeit weder Mann, noch Kinder um die 70-jährige Pflegebedürftige kümmern können. Foto: Gottfroh

Eschweiler. Anni C. sitzt am Tisch in ihrem Zimmer in der Senioreneinrichtung Senotel und blättert in einer Illustrierten. Bei einem Skandalbericht um ein europäisches Königshaus hält sie kurz inne.

Auch wenn die 70-Jährige und die Blaublütigen wenig gemeinsam haben - eins wissen beide Seiten: Wenn es Probleme gibt, dann kommen gleich mehrere auf einmal.

So wie im Fall der Seniorin: Seit langer Zeit sorgte ihr Mann zu Hause für sie, half ihr bei Alltäglichem, kocht und hielt die Wohnung sauber. Doch dann irgendwann spielte die Gesundheit nicht mehr mit. Nach einem Krankenhausaufenthalt stand für ihn eine mehrwöchige Rehamaßnahme an, damit er wieder auf die Beine kommt.

Gerne hätte sich Annis Tochter um ihre Mutter gekümmert - aber dann machte die Gesundheit auch ihr einen Strich durch die Rechnung, sie musste selbst ins Krankenhaus und sich einer OP unterziehen. Damit war auch dieser Plan nicht mehr umsetzbar. Doch die 70-Jährige allein zu Hause zu lassen, das kam nicht in Frage - zu gefährlich. „Ich habe ja ein kaputtes Knie und kann nur mit Rollator laufen”, sagt die Seniorin.

Und so entschied sich die 70-Jährige, bis zur Genesung ihres Mannes in das Seniorenheim Senotel zu ziehen. Kurzzeitpflege nennt sich das. Seit zwei Wochen dauert ihr Aufenthalt in der Einrichtung schon an. „Ich fühle mich wohl hier”, sagt sie. Im hauseigenen Restaurant nimmt sie das Frühstück, Mittag- und Abendessen ein.

Tagsüber bietet sich eine Bandbreite an Freizeit- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Seniorin - vom Kaffeekränzchen mit anderen Bewohnern im blauen Salon über Gymnastik bis hin zu den regelmäßigen Ausflügen, die die Pfleger mit den Senioren unternehmen, etwa in den Zirkus.

Die Kurzzeitpflege bietet dann eine Lösung, wenn pflegende Angehörige aufgrund von Krankheit, einer Krisensituation, nach einem Krankenhausaufenthalt oder wegen eigenen Urlaubsplänen der Pflegenden nicht in der Lage sind, ihre Angehörigen zu betreuen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine Pflegestufe.

„Mit Abschiebung der Senioren hat das absolut nichts zu tun - selbst dann nicht, wenn die Angehörigen in Urlaub fahren”, sagt Klaus Tiede, Leiter der Einrichtung Senotel. „Ich kann vor pflegenden Angehörigen nur meinen Hut ziehen. Das ist ein 24-Stunden-Job, der schlaucht. Und irgendwann muss man die Batterien wieder aufladen”, sagt er.

Und deshalb sind die Kurzzeitpflegeplätze gerade in den Sommermonaten gefragt. Doch leider gibt es kaum genügend Angebote, die der hohen Nachfrage gerecht werden. Wer in der Urlaubszeit pflegebedürftige Angehörige in der Kurzzeitpflege unterbringen möchte, der hat kurzfristig kaum eine Chance.

Bereits zu Jahresbeginn laufen bei den solitären Einrichtungen, die sich auf Kurzzeitpflege spezialisiert haben (siehe Box), die ersten Anfragen für den Sommer ein.

„Wir sind bis September ausgebucht”, sagt Marlene Herpertz, Heimleiterin der Seniorenpflege-Einrichtung Sentas. Dass die Plätze gerade zu Ferienzeiten rar sind, das kann auch Hermann Bechhold, Leiter der Seniorenresidenz Pro Seniore, bestätigen. „Wir bieten zwölf eingestreute Kurzzeitpflegeplätze - und derzeit sind alle voll belegt. Fünf dieser Plätze sind an Senioren vergeben, deren Angehörige in Urlaub sind, andere Senioren kommen gerade aus dem Krankenhaus und müssen noch betreut werden, bevor sie endgültig wieder zu Hause leben können”, sagt er.

Bis in den Oktober hinein seien alle Kurzzeitpflegeplätze ausgebucht. Und auch für Januar und März 2013 gebe es bereits jetzt Buchungen, sagt er. „Trotzdem können wir noch Senioren aufnehmen - allerdings nur in den Schwesterhäusern in Erkelenz, Düsseldorf oder Duisburg. Das ist aber vielen Angehörigen und Senioren oft zu weit von zu Hause entfernt”, sagt er.

„Sehr gut nachgefragt” werden derzeit auch die Plätze in der Kurzzeitpflege im Senioren- und Betreuungszentrum des Kreises Aachen. „Wenn die Zahl der Plätze allein von der Nachfrage abhinge, dann könnten wir gerade in den Ferienzeiten noch viel mehr Senioren aufnehmen. Aber mehr als fünf Plätze stehen bei uns nicht zur Verfügung und wir dürfen auch nicht mehr Patienten aufnehmen, als im Versorgungsvertrag festgelegt ist”, sagt Bernhard Müller, Leiter des Senioren- und Betreuungszentrums. „Auch wir sind bis zum Ende des Jahres ausgebucht”, erklärt er.

Trotzdem, so betonen die Leiter der verschiedenen Einrichtungen, sollten diejenigen Angehörigen, die einen Kurzzeitpflegeplatz suchen, immer in den Einrichtungen anrufen und nachfragen - schließlich könne sich kurzfristig noch etwas ändern.

Bereits im Voraus wie im Reisebüro einen Kurzzeitpflegeplatz für die Angehörigen buchen, das geht nicht in allen Eschweiler Einrichtungen. Das Seniorenheim Senotel etwa, lässt sich auf Buchungen Monate zuvor nicht ein. „Ich muss den Leuten ja eine planerische Sicherheit bieten - und das geht nicht. Wir können nicht Plätze über Monate reservieren, und jemanden, der sich kurzfristig meldet, abweisen, weil das Zimmer in der kommenden Wochen schon belegt sein wird”, sagt Senotel-Leiter Klaus Tiede.

Wer keinen Platz in der stationären Kurzzeitpflege findet, muss den Kopf aber nicht in den Sand stecken. Eine mögliche Alternative für Angehörige, die keinen Platz in der Kurzzeitpflege finden, ist unter Umständen die sogenannte Verhinderungspflege. Hier können die Angehörigen etwa Hilfe durch ambulante Pflegedienste oder auch Nachbarn bei der Pflegeversicherung geltend machen.

„Auch wenn gerade im Sommer viel los ist, sind einige Kapazitäten in der Verhinderungspflege frei. Wenn also kurzfristig ein Angehöriger einen ganzen Tag am Wochenende oder in einer Notsituation verhindert ist, dann können wir noch helfen”, sagt Ursula Schäffer, Leiterin der Caritas-Pflegestation Eschweiler.

Auch wenn es Seniorin Anni C. bei Senotel gut gefällt, freut sie sich doch wieder darauf, in wenigen Wochen zurück in die eigenen vier Wände zu ziehen. Dort ist sie zu Hause, dort warten ihre Tiere und hoffentlich auch ihr Mann auf sie. Bis dahin genießt sie aber noch die neuen Kontakte und die Gymnastikstunden in der Kurzzeitpflege bei Senotel.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert