Eschweiler - „In der Hitfabrik“: Vom Rüpel-Rapper bis hin zum Chemielehrer 2.0

„In der Hitfabrik“: Vom Rüpel-Rapper bis hin zum Chemielehrer 2.0

Von: kaba
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Allein schon seine Mimik bringt das Publikum zum Lachen: Felix Janosa. Fotos/Collage: Katja Bach

Eschweiler. Es war der Musikproduzent, Ritter-Rost-Komponist und Musiker Felix Janosa, der im Talbahnhof als Musikkabarettist begeisterte. Mit seinem Programm „In der Hitfabrik“ riss er seine Zuschauer mit. Schon nach wenigen Minuten ertönte lautes Lachen und Felix Janosa hatte ebenso viel Spaß wie sein Publikum.

„Zur Einstimmung werde ich Ihnen 99 Megahits aller Zeiten vorspielen. In drei Minuten“, begann Felix Janosa und schaffte es dann tatsächlich, einen Hit nach dem anderen anzustimmen. „Es ist für jeden etwas dabei. Etwas für Freunde der schweren Klassik, der leichten und der ganz leichten Klassik. Etwas für Verliebte, für Leute, die schon einmal Klavierunterricht hatten, für Westernfans und natürlich für Karnevalsbegeisterte und...“, so setzte er in einem fort und endete schließlich nach etwas mehr als drei Minuten mit seinem Intro, für das er bereits tosenden Applaus erntete.

Dann begann er mit seinem eigentlichen Programm und den Geschichten rund ums Musikbusiness. Ursprünglich sei das Programm eine Art Trauerarbeit in Anbetracht der Tatsache gewesen, dass es die handgemachte Musik und die echten Schallplatten so nicht mehr geben werde, wie Janosa es einst kennen- und lieben gelernt hatte, verriet der Musiker. Denn so lustig es klinge, dass man aus fünf Samples, also Liedbruchstücken, einen neuen Hit machen könne, so tue es einem echten Musiker wohl doch in der Seele weh, dass die heutige Musik tatsächlich auf diese Weise am Computer entstehe. Dennoch überwog bei Janosas Darstellungen der Humor und so überraschte es nicht, dass schon bald der ganze Saal aus vollem Herzen lachte. Felix Janosa vermittelte seinem Publikum, wie man es im Musikgeschäft bis ganz nach oben schafft. „Ich musste 50 werden, bevor ich meine erste goldene Schallplatte bekam und warum? Ich habe Musik studiert!“

Um den Sachverhalt zu verdeutlichen, führte er als Beispiel den wohl bekanntesten und auch nicht ärmsten Musikproduzenten Dieter Bohlen an. „Wissen sie, was der studiert hat? Betriebswirtschaftslehre! Und noch eins: Wenn sie groß ins Musikgeschäft einsteigen wollen, müssen sie vollkommen unmusikalisch sein“, verriet Janosa weiter. Um zu zeigen, dass es nicht viel braucht, um zum Beispiel einen guten Schlager zu schreiben, nahm er sein Publikum zur Hilfe. Sie sollen eine „wunderbare Melodie“ mitsingen. Die Eschweiler waren zunächst verhalten, doch Janosa zeigte, dass er sehr überzeugend sein kann: „Diejenigen, die mitgesungen haben, hatten mehr Spaß“, stellte er sachlich fest und schaffte es so, auch die Letzten zum Mitsingen zu bewegen. Und so war es anschließend auch nicht schwer, für den Workshopteil „Schlager schreiben in zehn Minuten“ Zuschauer zu finden, die ihn mit ihrer Kreativität unterstützten. Natürlich hatte Felix Janosa diesen Teil gut vorbereitet und so fehlten beim Lagunen-Schlager, beim Stadlschlager und beim Ballermannschlager immer nur noch einzelne Wörter bis zum fertigen Hit. Ein Spaß für alle Anwesenden, der in der Erkenntnis endete, dass sich auch unter den Eschweilern potenzielle Schlagermillionäre befinden.

Ein Großteil der Aufträge des Aachener Tonstudios, in dem Janosa arbeitet, sind Werbemelodien. Eindrucksvoll präsentierte der Musikkabarettist, was es bedeutet, einen Werbesong zu schreiben und erklärte, dass die Kunden nicht immer einfach seien. Sein Publikum lachte, Tränen kullerten, doch auch hier wurde hintergründig deutlich, dass es für einen Musiker nicht einfach ist, sich der Konsumwelt zu verschreiben.

Um Musik und Konsum ging es auch zu Beginn der zweiten Halbzeit bei einer Reise durch die Musikgeschichte, mit der Janosa verdeutlichte, dass es schon immer ums Geld ging. Doch bevor seine Darbietungen im zweiten Teil des Abends einen etwas ernsteren Ton anschlugen, gab es noch einen Höhepunkt vor der Pause. In Anbetracht der Tatsache, dass der Rapper Bushido für diverse kulturelle Aufgaben Pate stehe, ließ es sich Felix Janosa nicht nehmen, den Gästen zu präsentieren, wie es wohl aussehen könnte, wenn Bushido die Jugend für Literatur begeistern soll. „Ich bin jetzt auch ein richtig geiler Rüpel-Rapper“, warnte Felix Janosa sein Publikum und „performte“ anschließend einen Rap der ganz besonderen Art. Ob Faust oder der Erlkönig, Janosa verarbeitete alles, was in der deutschen Literatur von großer Bedeutung ist, zu einem großartigen Rap, für den er tosenden Beifall bekam. Und nicht nur der Text, sondern auch sein von Bushido inspiriertes Auftreten begeisterte die Zuschauer.

Die zweite Hälfte seines Programms war etwas nachdenklicher. „Es ist wichtig, dass es an so einem Abend, wie bei einer Berg- und Talfahrt, einmal auf und einmal ab geht“, sagte Janosa. Und so begab er sich mit seinem Publikum in melancholischere Gefilde. Mit Balladen, die davon berichten, was wohl Bach oder Mozart in Anbetracht der heutigen musikalischen Lage tun würden (zum Beispiel Selbstmord begehen), oder mit einem Stück, das die Konkurrenz mit China in den Vordergrund stellte, regte er zum Nachdenken an. Und bei all dem war es Janosa wichtig, dass das Publikum spürte, dass sein Programm authentisch ist. „Mein Kabarett hat selten nichts mit mir zu tun“, verriet der Künstler. Auch im zweiten Teil seiner Darbietungen gab es etwas zu lachen. Mit einer wunderbaren Grönemeyer-Interpretation und einem Lied für den Eurovision Song Contest, das Russland schmeicheln sollte, damit Putin den Gashahn nicht abdreht, brachte Felix Janosa sein Publikum wieder zum Lachen.

Bevor Felix Janosa sein Programm beendete, gab es noch ein besonderes Highlight. Weil er von Jacques Offenbachs Can Can so begeistert ist und dieses Lied zu seinem eigenen machen wollte, hat er kurzerhand einen Text hinzugefügt. Und weil ihm kein eigener eingefallen ist, „habe ich einfach ein altes Chemiebuch aufgeschlagen und mir gedacht, dass das Periodensystem genau der richtige Text ist“, berichtete Janosa. Und so jagte er alle 104 Elemente durch den Takt des Cancan und ließ sein Publikum staunen.

Nach diesem Abschluss verließ der Musikkabarettist die Bühne. Minutenlang klatschte das Publikum, bis er noch einmal auftauchte und eine Zugabe gab. Ein großartiger Abend, der „mal purer Klamauk, mal melancholisch“, aber in jedem Fall überraschend und vielfältig war.

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