Eschweiler - In Bolivien steht eine Schule namens Dürwiß

In Bolivien steht eine Schule namens Dürwiß

Von: fe
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Kinder haben das Recht auf ein
Kinder haben das Recht auf eine Familie, auf Gleichbehandlung, Bildung, Freizeit, auf den Schutz vor Gewalt und Grausamkeit, auf gleiche Chancen und eine gewaltfreie Erziehung. Mit Gedichten, Liedern und selbst gestalteten Plakaten machten Grundschulkinder und Kommunionkinder bei der Feier „40 Jahre Bolivienhilfe” auf die Kinderrechte aufmerksam.

Eschweiler. Dürwiß liegt nicht nur im Rheinland. Dürwiß liegt auch in 2000 Metern Höhe. Die Häuser sind aus Lehmziegeln gebaut, aber immerhin gibt es fließendes Wasser. „Internat Dürwiß” - so heißt eine Schule in Villa Serrano im Hochland von Bolivien.

Dass es diese Schule gibt, haben Menschen im rheinischen Dürwiß möglich gemacht. Sie haben den Bau dieser Schule finanziert, sie begleiten und fördern das schulische Leben im fernen Südamerika über inzwischen 40 Jahre. Das wurde am Samstag im Bonifatiusforum neben der Kirche gefeiert: 40 Jahre Bolivienhilfe.

„Wir bauen eine Schule in Bolivien!” beschlossen die Schüler und die Lehrer der Dürwisser Hauptschule vor 40 Jahren. Auslöser war ein Vortrag des Entwicklungshelfers Fritz Georg Kersting. Eindringlich hatte er die Situation der Indio-Kinder in dem Anden-Staates geschildert, hatte von Kinderarbeit, Armut und Analphabetismus berichtet. Bildung sei die notwendigste Voraussetzung, wenn sich etwas zum Besseren wenden soll im Hochland von Bolivien. Sein Appell stieß auf offene Ohren bei Christian Strick, dem Rektor der Hauptschule Dürwiß, und bei den Männern und Frauen der „action 365”, deren Sprecher und Motor Christian Strick war.

Christian Strick - der Name war am Samstag allem Gästen der Jubiläumsfeier gegenwärtig. „Mit heißem Herzen” habe Strick die Bolivienhilfe voran getrieben, habe Kontakte geknüpft, Feste organisiert, Spenden gesammelt. Allein bei einem einzigen Schulfest seien damals 20.000 D-Mark zusammen gekommen. Eine Summe, die ausgereicht habe, um die ersten Gebäude der Schule zu errichten. Gebaut wurde sie von den Menschen in Villa Serrano selber, das Geld aus Dürwiß war sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe. So berichtete es Simon Küpper, der seit dem frühen Tod des beliebten Schulleiters 1993 die „action 365” leitet.

Aus Vier mach Eins

Dieser Gruppe, die seit mehr als 50 Jahren besteht, geht auf den „Pater-Leppich-Kreis” zurück. Der katholische Priester Johannes Leppich hatte als Volksprediger in den 50er und 60er Jahren zu sozialem christlichem Engagement aufgerufen. Von den vier Gruppen, die sich damals im Eschweiler Raum gründeten, besteht heute noch die in Dürwiß. Die jetzt neun Mitglieder treffen sich zweimal monatlich.

Der Einsatz von Christian Strick wird von der Dürwisser „action 365” und von Stricks Familie weiter geführt. Claudia Strick-Mertens und Verena Strick-Wolter begleiteten die Feier musikalisch, Grundschullehrerin Martina Strick-Koslowski war mit ihrer ganzen Schulklasse anwesend; die Kinder gestalteten das Fest mit eindrucksvollen Liedern und Gedichten. Und Eva Strick, die Witwe des Rektors, schilderte die Geschichte der Bolivienhilfe als eindrucksvolles Beispiel dafür, dass „viele kleine Leute in vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun können”, die vieles verändern und Großes bewirken.

Der Ideengeber von damals, Bolivienexperte Fritz Georg Kersting, feierte am Samstag in Dürwiß mit in der Runde der vielen Helfer und freute sich über den großen Erfolg: „Wir hätten nie gedacht, dass dieser Anstoß so erfolgreich war!” Ebenfalls zu Gast war Pfarrer Lothar Brucker. Der katholische Geistliche war viele Jahre lang in der bolivianischen Erzdiözese Sucre tätig und für die Dürwisser Aktion der Ansprechpartner und Verbindungsmann vor Ort.

Wie es in Villa Serrano aussieht, wie die Kinder in dem Internat leben, wie sie gemeinsam Rechnen lernen, Fußball spielen, Bäume pflanzen, das berichteten Inge und Lothar Wißmann, die vor mehreren Jahren nach Bolivien reisten und die Schule besucht haben. Sie zeigten, dass die Hilfe aus Dürwiß ankommt und Früchte trägt. Dass sie tausendfach Früchte trägt,versicherte auch Eva Strick: Das Internat Dürwiß sei Vorbild für viele weitere Internate in dem Land geworden. Simon Küpper zitierte aus Briefen der Intern atsschüler. „Ich verdanke meine Schulbildung dem Internat Dürwiß”, schrieb etwa Adam Estena, der es zum Abgeordneten eines Departements in Bolivien brachte.

„Lasst uns eine Brücke bauen”. Viel Beifall erhielten die Mädchen und Jungen der Klasse 3 c aus der Eschweiler Don-Bosco-Schule und die Dürwisser Kommunionkinder, die gemeinsam mit Gedichten und Liedern zu Toleranz und Mitmenschlichkeit aufforderten. In der Klasse 3c sind Kinder aus vielen Ländern vertreten: Deutschland, Marokko, Libyen, Bosnien, Slowenien, Griechenland, Türkei, Russland, Frankreich.

Die Kinder wiesen mit selbst gestalteten Plakaten auf die Rechte der Kinder hin, die für alle Kinder der Welt gelten sollen. 1998 wurden diese Kinderrechte von den Vereinten Nationen beschlossen. In Dürwiß, so freute sich Eva Strick, habe man diese Ideen schon viele Jahre vorher gelebt.
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