Improvisationstheater „Springmaus“ im Talbahnhof

Von: vr
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„Hanfplantage“, „Pastor“ und das Ziel, in Eschweiler Bürgermeister zu werden: aus diesen drei vom ihrem Publikum genannten Begriffen gelang es dem „Springmaus“-Improvisationstheater, ein Musical zu kreieren, das dem Talbahnhof kurz „Broadway“-Glanz verleihen sollte. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Wir befinden uns auf einer Hanfplantage am Rande der Indestadt. Die blühenden Ecken und fröhlichen Feste sind grauer Tristesse und dem Stöhnen der hart arbeitenden Menschen gewichen, die dem skrupellosen Plantagenbesitzer Ludger für einen Hungerlohn dienen.

Doch ein wehrhafter Pastor aus Nirm schickt sich an, Bürgermeister zu werden und gibt den Eschweiler Bürgern endlich wieder Hoffnung.

Was nach Zeitungsente oder Aprilscherz klingt, ist in Wahrheit die Geschichte eines neuen Musicals, welches am Sonntagabend im Talbahnhof Premiere feierte. Nein, dies ist ebenfalls kein verspäteter Aprilscherz, allenfalls eine überraschende Meldung.

Überraschungen gab es am Sonntag zu genüge, zählen sie doch zu den künstlerischen Grundnahrungsmitteln des Bonner Improvisationstheaters „Springmaus“.

Das Quartett um Darsteller und Regisseur Gilly Alfeo begeisterte sein Publikum mit dem Testlauf des neuen Programms „Jukebox Live“ und warf die Frage nach dem (ausbleibenden) Blackout auf: Was muss eigentlich noch passieren, dass die vier auf der Bühne mal sprachlos sind und nicht weiter wissen?

Die Frage wurde erwartungsgemäß nicht beantwortet, dafür aber von Kaulquappen-Ködern, obszönen Lobhudeleien der Schwiegermutter und der spannenden Suche nach einer Lösung des letzten wirklichen Rätsels der Naturwissenschaften, dem Mittel gegen Haarausfall bei Männern, erzählt.

Wenn Situationskomik immer eine bestimmte Szenerie oder Situation voraussetzt, drehen die „Springmäuse“ hier den Spieß kurzerhand um und beschwören eben jene Situationen im Sekundentakt herauf, lediglich mittels zweier Stühle, einem Tisch und unzähliger Gesichtsausdrücke, Dialekte und zum Teil aberwitziger Ideen.

„Denken Sie an eine Farbe und ein Werkzeug“, so vorhersehbar wie die Antwort „Rot“ und „Hammer“ bei der Aufwärmübung des gut aufgelegten Talbahnhofpublikums war der weitere Verlauf des Abends, den die Zuschauer mit ihren Begriffen maßgeblich mitgestalteten, nicht. Vom „Schnarch“-Punksong, dem Shanty über Schuhe bis zum „Steuererklärungs“-Gangster-Rap hatte die Jukebox der vier Springmäuse einiges zu bieten.

Während Gilly Alfeo oftmals am Piano für die richtige musikalische Einordnung sorgte, lief Vera Passy vor allem bei diversen Dialekten und Rentnerfiguren zur Hochform auf.

Norbert Frieling durfte als geldgieriger Hanfplantagenbesitzer eine Kostprobe dessen liefern, was er neben der Improvisationstheater-Bühne so treibt, als Synchronstimme für zahlreiche Monster und Bösewichte in Computerspielen.

Und Alexis Kara würde es als ehrenhafter Priester und Bürgermeisterkandidat sicherlich zum Broadway schaffen, wäre das Musical doch nur reproduzierbar. Doch wie jede „Springmaus“-Show blieb auch diese ein einmaliges Vergnügen, die folgende Premiere der „Jukebox Live“ Anfang Mai wird wieder völlig anders sein.

Für die Zuschauer im Talbahnhof jedenfalls war klar, dass der Abend mit den „Springmäusen“ wieder einmal hielt, was er versprochen hatte: köstliche Unterhaltung, vom Western- bis zum Operettenfreund ein breites Genre-Angebot und die Erkenntnis, dass Schlagfertigkeit immer noch die ehrlichste Form von Schauspielerei ist.

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