Eschweiler - Im Tresor des Gerichts lagern Testamente

Im Tresor des Gerichts lagern Testamente

Von: Patrick Nowicki
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Doris Hilgers und ihre Kollegen nehmen Testamente zur Aufbewahrung an und erstellen Erbscheine.
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Sicher verschlossen im Tresor des Gerichts: Rechtspflegerin Andrea Pool gewährt einen Blick auf die säuberlich sortierten Testamente, die man zur Aufbewahrung ins Nachlassgericht gegeben hat. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Dass man sich bei Erbsachen im Eschweiler Amtsgericht trifft, ist nichts ungewöhnliches. Doch in den meisten Fällen hat der Besuch nichts mit einem Rechtsstreit zu tun. Im Nachlassgericht werden viele Dinge geregelt, die sich mit dem Erben und Vererben beschäftigen, ohne dass es gleich zu einer Verhandlung kommt.

Denn dort kann man sein Testament hinterlegen, einen Erbschein und ein Testamentsvollstreckungszeugnis beantragen. Zudem kümmern sich die Mitarbeiter an der Kaiserstraße um die Eröffnung von Testamenten und Erbverträgen, verwalten den Nachlass und ordnen, wenn keine Erben bekannt sind, die Sicherung des Nachlasses an.

Rechts vom Eingang im Hauptgebäude liegen die Räume des Nachlassgerichtes. Dort stapelt sich in zahlreichen Fächern das Erbe vieler Stolberger und Eschweiler. Wer ein Testament aufgesetzt hat und es sicher verwahren will, der nutzt gerne das Angebot des Amtsgerichts. Dort lagern auch notarielle Testamente. Allerdings nehmen die Mitarbeiter die Schriftstücke nur in Empfang, registrieren sie und bringen sie in den feuerfesten und wasserdichten Tresor. „Wir sind nicht dazu da, um Tipps zu Formulierungen zu geben oder sogar juristisch zu beraten“, schränkt Rechtspflegerin Andrea Pool ein.

Dies sei Aufgabe von Rechtsanwälten und Notaren. Nur auf offensichtliche Fehler weist das Serviceteam hin. „Wenn jemand zum Beispiel ein Testament mit der Maschine geschrieben hat, dann weisen wir schon darauf hin, dass es handschriftlich oder in notarieller Form vorliegen muss.“ Im Amtsgericht bleiben die Testamente noch viele Jahre gesichert – aktuell beträgt die Frist 100 Jahre nach der letzten Eröffnung des Testamentes.

Erbrecht ist eine sehr schwierige Angelegenheit. Erst recht, wenn die Vermögensverhältnisse kompliziert sind oder die gewünschte Erbfolge von der gesetzlichen abweicht. Sich damit auseinanderzusetzen, ist Aufgabe eines Nachlassgerichts im Rahmen eines Erbscheinverfahrens. Im Amtsgericht liegen die Testamente, bis eine Person verstirbt.

Das Standesamt teilt dem zentralen Testamentsregister den Tod mit, das wiederum das zuständige Amtsgericht informiert. Dann wird die letztwillige Verfügung eröffnet und dem Gericht bekannte Verwandte und die im Testament Genannten werden angeschrieben. Insofern der Verstorbene ein Testament hinterlegt hat. Liegt keines vor, wird das Nachlassgericht auch nicht tätig.

Das Überraschende für den Laien: Das Erbe tritt automatisch ein, egal ob ein letzter Wille vorliegt oder die gesetzliche Erbfolge eintritt. Gesetzliche Erben sind in erster Linie der Ehepartner und die Kinder. Ist ein Kind verstorben, treten die Enkel an dessen Stelle. Wenn man ein Testament auffindet, so ist der Finder in jedem Fall dazu verpflichtet, es dem Nachlassgericht auszuhändigen.

Häufig wird ein Erbschein beantragt. Diese öffentliche Urkunde weist einen Erben aus. Banken setzen zum Beispiel diesen Schein in der Regel voraus, bevor jemand an ein Konto eines Verstorbenen gelangt. Beantragt man eine solche Urkunde bei Gericht, ist eine Gebühr fällig, die sich nach der Höhe des Erbes richtet. Je mehr jemand aus dem Nachlass erhält, desto höher ist die Gebühr. Das gleiche Prinzip gilt auch für die Testamentverwahrung und Testamenteröffnung.

Nicht jeder möchte sein Erbe antreten, vor allem dann, wenn sich dahinter ein Berg von Schulden verbirgt. Schließlich muss der Erbe in der Regel für die gesamten Schulden aufkommen, notfalls auch mit seinem Privatvermögen. Beim Nachlassgericht kann man eine sogenannte Erbausschlagungserklärung abgeben. Aber Vorsicht: Dabei gelten Fristen. Wer also sein Erbe zu spät ablehnt, der kann allenfalls die Versäumung anfechten. Auch dies geschieht im Nachlassgericht.

In manchen Fällen kann ein Erbe auch nicht ermittelt werden. Dann ordnet das Nachlassgericht die Sicherung des Nachlasses an. Dies nennt der Jurist die Nachlasspflegschaft. „Wir beauftragen dann einen Rechtsanwalt mit dieser Aufgabe“, sagt Andrea Pool. Der Anwalt regelt dann aus dem Nachlassvermögen alle erforderlichen Dinge und stimmt sich dabei mit dem Amtsgericht ab. Ist das Verfahren insgesamt abgeschlossen und kann letztlich kein Erbe ermittelt werden, dann fällt das gesamte Vermögen an den Staat. „Dieses Verfahren ist allerdings höchst selten“, räumt Andrea Pool ein.

Die Mitarbeiter des Nachlassgerichts mit Gruppenleiterin Andrea Pool haben also alle Hände voll zu tun, die Aktenberge nicht zu hoch werden zu lassen. Das digitale Zeitalter hat die Arbeit natürlich deutlich erleichtert. Und so manche Änderung brachte Verbesserungen im Arbeitsablauf. So besteht inzwischen ein zentrales Testamentsregister in der Bundesrepublik. Dort sind alle letztwilligen Verfügungen, die bei einem Notar oder einem Gericht hinterlegt wurden, gemeldet. Vor wenigen Jahren musste zwischen Standesamt am Geburtsort und Standesamt am Sterbeort korrespondiert werden. Das ist nicht mehr erforderlich.

Um mehrere Gänge zum Amtsgericht zu vermeiden, sollte man sich vorab im Nachlassgericht erkundigen, welche Unterlagen man mitbringen muss. Zur Beantragung eines Erbscheins ist eine Terminabsprache unter Telefon 7007-125 oder -126 erforderlich. Andere Leistungen können ohne Anmeldung erfolgen.

Die Zeiten: montags bis freitags von 8:30 bis 12:30 Uhr, montags und donnerstags zusätzlich von 13:30 bis 14:30 Uhr.

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