Im Tiergehege voneinander lernen

Von: Valerie Barsig
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Die Schüler von der Realschule Patternhof besuchen einmal pro Woche die Gehege an der Willy-Fährmann-Schule. Foto: Valerie Barsig

Eschweiler. „Uuuh, das kitzelt“, sagt ein Schüler der Realschule Patternhof, als seine Hände von einem Schaf genauer unter die Lupe genommen werden, weil er eine große Portion Futter darin hält. Die Patternhof-Schüler kommen jede Woche in die Willi-Fährmann-Schule – schon seit einem Jahr.

Ziel der Kooperation beider Schulen ist es, den Schülern Verantwortung beizubringen, Rücksichtnahme und die Gruppenzusammengehörigkeit zu fördern: All das passiert im Umgang mit Tieren auf ganz natürliche Art und Weise. Die Schüler der 5c vom Patternhof sind eine integrative Lerngruppe. Sechs oder sieben Schüler kommen jede Woche mit in die Willi-Fährmann-Schule.

Das Angebot sei zwar freiwillig, erklärt Brigitte Vonken-Möller, Lehrerin für Sonderpädagogik an der Realschule Patternhof, aber „wir wechseln durch, da der Ansturm hoch ist.“ Die Arbeit mit den Tieren breche bei einigen Schülern das Eis. „Ich habe eine Schülerin, die im Unterricht kaum spricht. Wenn sie aber bei den Tieren ist, redet sie wie ein Wasserfall“, sagt die Lehrerin.

Der Besuch bei der Willi-Fährmann-Schule wird auch in den Biologie-Unterricht integriert. Die Schüler erstellen Tiersteckbriefe und beobachten das Verhalten der Hühner, Enten, Ziegen, Meerschweinchen, Hasen und Schweine. Dass Inklusion dort funktioniert, sieht man, wenn die Kinder den Rollstuhl einer Klassenkameradin über die holprigen Wege in den Gehegen schieben. „Die Kinder unterstützen sich gegenseitig“, sagt auch Brigitte Vonken-Möller.

Karlmartin Eßer, Schulleiter der Willi-Fährmann-Schule, sagt, dass gerade bei erziehungsschwierigen Kindern der Umgang mit Tieren präge und große Unterstützung auch für die Lehrkräfte sei. „Für die Kollegen ist die Schulkooperation wichtig“, sagt er. Denn es finden regelmäßige Austauschkreise statt. „Allgemeine Schulen können tiergestützten Unterricht so gar nicht abdecken“, sagt Eßer. Die Tiere, das Gehege und Futter wird komplett von der Tier- und Umwelthilfe Alma Mater e.V. gefördert.

Bereits seit 2009 kooperieren die Schulen auch noch im Bereich Lesen. Von der Realschule Patternhof kommen regelmäßig Lesepaten aus der Mittelstufe zu Unterstufenschülern an der Willy-Fährmann-Schule. Lesepaten werden diejenigen freiwillig, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, oder in der ersten oder letzten Stunde eine Freistunde haben.

Djalila Karamoa ist eine von ihnen. „Wir lassen die Kinder erstmal vorlesen. Dann verbessern wir Fehlern und lesen den Text noch mal“, erzählt sie. Besonders schön sei es, dass man schnell sehe, wie sich die Unterstufenschüler verbesserten, sagt auch Hannah Fuß, die ihre Freistunde als Lesepatin verbringt. Welche Texte gelesen werden, dürfen die Kinder selbst aussuchen. „Von den Kollegen wird diese Hilfe mittlerweile voll eingeplant“, sagt Schulleiter Eßer.

Gegenseitiger Respekt und das Lernen voneinander stünden im Mittelpunkt von beiden Projekten, erklärt auch Sigrid Hendryk, Lehrerin an der Realschule Patternhof. Dass das Konzept in jeder Hinsicht aufgehe, sehe man jedes Mal, wenn die Schüler wieder in der Willi-Fährmann-Schule vorbeischauen.

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