Im Schatten des Himalaya: Eschweiler Arzt behandelt über 400 Kranke

Von: Rudolf Müller
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Zum zweiten Mal im Einsatz in Nepal: Der Eschweiler Gynäkologie Professor Dr. Christian Karl, über 20 Jahre lang Chefarzt am St.-Antonius-Hospital, operierte im Interplast-Krankenhaus von Sankhu nahe Kathmandu 39 Patientinnen.
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Zum zweiten Mal im Einsatz in Nepal: Der Eschweiler Gynäkologie Professor Dr. Christian Karl, über 20 Jahre lang Chefarzt am St.-Antonius-Hospital, operierte im Interplast-Krankenhaus von Sankhu nahe Kathmandu 39 Patientinnen.

Eschweiler/Kathmandu. Es war ein wenig wie Nachhausekommen, sagt Professor Dr. Christian Karl. Schon 2014 war der Gynäkologe, der über 20 Jahre lang als Chefarzt am St.-Antonius-Hospital tätig war, in Nepal im Einsatz gewesen. Jetzt kehrte er dorthin zurück: ans Sushma Koirala Memorial Hospital nahe der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu.

Vor knapp 20 Jahren wurde das 50-Betten-Haus von der Ärzteorganisation Interplast gegründet, wird seither immer wieder von Ärzteteams, die dafür ihren Urlaub einsetzen, betreut. Jetzt hat die Organisation, die ursprünglich auf plastische und Wiederherstellungschirurgie spezialisiert war, auch Frauenheilkunde ins Programm aufgenommen. Mit Nepal als Pilotprojekt. Vier bis fünf Teams pro Jahr reisen zum „Dach der Welt“ und kümmern sich dort um hilfebedürftige Frauen.

Diesmal war Prof. Dr. Karl mit einem sechsköpfigen Team gekommen: Neben zwei Oberärztinnen aus Trier und Braunschweig sowie einer OP-Schwester aus Dinslaken gehörten zwei Eschweiler Anästhesistinnen dazu: Maria Karypiadou, die ebenfalls schon zum zweiten Mal in die Himalaya-Region reiste, und Leyla Pohlat. Mit dabei: Koffer voller Medikamente und anderen medizinischen Materials. „Wir wählen immer eine Fluggesellschaft, die 30 Kilo Gepäck erlaubt.

Dann packe ich drei Unterhosen und zwei T-Shirts ein – der Rest ist Material“, erzählt Karl, der mit den Besonderheiten der Sushma Koirala Memorial-Klinik schon vertraut war: „Die beiden OPs sind steril und ganz okay, die verfügen sogar über brandneue OP-Lampen, wie sie nicht einmal alle Kliniken in der Städteregion haben. Und sie haben auch so etwas wie eine Intensivstation und einen Aufwachraum. Die Standards liegen weit unter denen, die wir gewohnt sind. Aber es funktioniert!“

Weit unter deutschem Standard liegt zum Beispiel auch der Einsatz von Antibiotika. „Da wirft dort niemand mit herum. Aber wenn jemand mal eines braucht, dann greift das auch!“

Gewöhnungsbedürftig für Personal aus hiesigen Krankenhäusern ist sicher auch, dass die Patienten – nicht zuletzt aus Furcht vor Erdbeben – tagsüber die meiste Zeit im Freien verbringen. Samt Bett. Während nachts ihre Angehörigen mit im Krankenzimmer schlafen: auf dem Boden, mit einer Gummimatte als Unterlage. Und: Strom gab es nur an 16 Stunden pro Tag – was dazu führte, dass die Küche des Hospitals mit offenen Feuern im Freien betrieben wurde. Die OPs dagegen wurden notfalls über Generatoren versorgt.

Zweieinhalb Wochen war das Team vor Ort, operierte an Manchen tagen von 8 Uhr früh bis halb 5 nachmittags, dann folgte die Visite. An anderen Tagen ihrer Sechs-Tage-Woche ging es hinaus zu einem der vier Camps, in denen Patientinnen darauf warteten, untersucht und gegebenenfalls zur Behandlung ins Hospital einbestellt zu werden. Hier mussten Stirnlampen die OP-Strahler ersetzen. Organisiert hatte die Camps diesmal der Rotary-Club Kathmandu-Pashupati.

407 Patientinnen hatte Karl schließlich untersucht. Und 39 operiert.

Mit den Patientinnen ins Gespräch zu kommen, war gar nicht so einfach, berichtet Karl, auch wenn eine einheimische Ärztin als Englisch-Dolmetscherin zur Verfügung stand: „In Nepal werden über 50 Dialekte gesprochen. Da versteht einer den anderen kaum.“

Bestens verstanden hat sich der Eschweiler Gynäkologe allerdings mit einer unverhofften Besucherin: Elisabeth Gaul aus Stolberg arbeitet seit mehr als 30 Jahren für SOS-Kinderdörfern in Nepal, ist dort weithin bekannt und respektiert und wurde auch schon vom Dalai Lama empfangen.

Karl hatte die inzwischen 82-Jährige im Stolberger Bethlehem-Krankenhaus kennengelernt, wo er nach seiner Zeit in Eschweiler 15 Monate lang die Gynäkologie geleitet hatte, ehe er als Leiter der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Juni 2014 ans Medizinische Zentrum der Städteregion wechselte. Als Elisabeth Gaul erfuhr, dass Karl an der Klinik in Sankhu arbeitete, ließ sie sich von einem Besuch nicht abhalten.

Kennengelernt hat Karl auch eine weitere engagierte Frau: die Besitzerin des renommierten Dwarika‘s Hotel in Kathmandu, die mit einem Deutschen verheiratet ist. Sie hat nach dem verheerenden Erdbeben auf eigene Kosten eine komplette Zeltstadt aufgebaut, in der die Bewohner eines komplett zerstörten Dorfes Obdach fanden.

Täglich kümmert sie sich im „Camp Hope“ um ihre Schutzbefohlenen, sorgt für medizinische Betreuung wie auch für Beschäftigung: So hat sie für die Frauen Nähmaschinen besorgt. Karl: „Von den riesigen Summen an Spenden, die Nepal nach dem Erdbeben erhalten hat, sind bisher ganze vier Prozent ausgegeben worden. Der Staat lässt das Geld liegen, bringt ja Zinsen. Und nicht zuletzt ist auch Korruption ein großes Thema.“

Die Abende im Hof des Hotels waren Erholung pur für die Crew, die als Selbstversorger im Hospital untergebracht war. Ansonsten blieb für Touristisches kaum Zeit: „Spannend war es, hinduistische Leichenverbrennungen zu erleben. Und beeindruckend war auch der Wiederaufbau des größten buddhistischen Gebäudes außerhalb Tibets nach dem Erdbeben. Allerdings kommt man in die meisten Tempel nicht rein: Die sind nach wie vor einsturzgefährdet.“

Überaus erfreulich war dagegen die Zusammenarbeit – im Team wie auch mit einheimischen Kräften. „Mit dem Team habe ich richtig Glück gehabt“, sagt Karl. „Und auch mit dem einheimischen Personal, Ärzte wie OP-Schwestern, das wir angelernt haben, war es eine Freude zu arbeiten. Die waren super!“

Für Professor Dr. Christian Karl dürfte es nicht der letzte Einsatz in Nepal gewesen sein: „Natürlich planen wir, nächstes Jahr wieder dahin zu gehen!“

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