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Im Notfall muss der Feuerwehrmann funktionieren

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Auf alles vorbeitet: Marcel Krott zählt zum Team der Feuerwache Eschweiler. Oft weiß er nicht, was ihn an der Einsatzstelle erwartet.

Eschweiler. Sie sind meistens die ersten an einer Unglücksstelle und müssen in extremen Situationen kühlen Kopf bewahren: die Eschweiler Feuerwehrleute. Hautnah erleben sie tragische Unfälle, Leid und Tod. Aber auch positive Momente, wenn Schlimmeres verhindert wurde. Einer der Retter in der Hauptwache Eschweiler ist der 30-jährige.

Er war auch bei den jüngsten schrecklichen Ereignissen vor Ort, bei dem Unfall auf der Gleisstrecke Aachen-Köln und dem Tötungsdelikt an der Bourscheidtstraße. Was Feuerwehrleute in solchen Momenten empfinden und wie sie die Geschehnisse verarbeiten, schildert er in unserem Interview.

War es schon als Kind Ihr Traum, einmal Feuerwehrmann zu werden?

Krott: Nein, das kam später. Als Zivildienstleistender beim Malteser Hilfsdienst und später auch als Ehrenamtler beim Deutschen Roten Kreuz habe ich gemerkt, dass dieser Beruf etwas für mich sein könnte. Ich habe zunächst eine Ausbildung zum Rettungsassistenten absolviert und bin schließlich nach Eschweiler zur Wache gekommen.

Haben Sie nicht einmal in Erwägung gezogen, nach dem Abitur zu studieren?

Krott: Doch, ich habe auch vier Semester Medizin studiert. Aber ich habe gemerkt, dass ich eher ein Mann der Praxis bin.

Was hat Sie am Beruf des Feuerwehrmannes gereizt?

Krott: Die Vielseitigkeit. Wir arbeiten im Team, also mit Menschen für Menschen. Unsere Aufgaben sind unterschiedlich, kaum ein Tag gleicht dem anderen.

Stimmt denn die Realität mit den Kinderträumen überein?

Krott: Natürlich nicht ganz. Aber der Zusammenhalt in diesem Beruf ist schon enorm. Wir verbringen in der Schicht 24 Stunden am Stück miteinander. Da gehen die Gespräche oft über das Berufliche hinaus. Manchmal erzählt man sich sogar Dinge, die man mit der eigenen Frau nicht bespricht. (lacht) Aber im Ernst: Man muss sich im Team aufeinander verlassen können. Wir erleben gefährliche Momente. Wenn da etwas passiert, dann muss der Partner im Einsatz sofort eingreifen können. So etwas schweißt zusammen.

Am vergangenen Wochenende waren Sie auch nach dem schrecklichen Unglück auf der Bahnstrecke Aachen-Köln vor Ort, Sie waren einer der ersten an der Unfallstelle. Wie gehen Sie mit so einem Einsatz um?

Krott: Also wir können ja schon abschätzen, was uns erwartet, wenn die Einsatzmeldung reinkommt. Auf dem Weg dahin können wir uns gedanklich einstellen. Aber wenn wir dann am Einsatzort sind, dann läuft alles automatisch. Dann arbeiten wir die Dinge ab, die erforderlich sind. Gedanken kann man sich erst machen, wenn die Aufgabe erledigt ist.

Perlen solche Geschehnisse an einem ab?

Krott: Später, nach dem Einsatz wird es schon emotional. Wir reden mit unseren Kollegen, bei der Einsatznachbesprechung. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht zu viele Emotionen an uns ranlassen, sonst können wir unseren Job nicht mehr machen.

Es bleiben die Emotionen also in der Wache?

Krott: So ist es auch nicht. Zuhause spricht man schon, was vorgefallen ist. Ich habe zum Glück eine Partnerin, die auch noch selbst im Krankenhaus in der Notfallaufnahme als Krankenschwester arbeitet. Da ist das Verständnis natürlich noch größer.

Gibt es denn auch andere Möglichkeiten, sich Luft zu verschaffen, wenn der emotionale Druck zu groß wird?

Krott: Wir versuchen schon, jeden einzelnen im Team aufzufangen. Wenn ein Kollege prlötzlich extrem ruhig wird, dann sprechen wir ihn auch an. Es gibt zudem die Psychosoziale Unterstützung in der Feuerwehr, an die man sich wenden kann. Bisher habe ich dieses Angebot noch nicht genutzt, aber ich habe auch keine Probleme damit, dorthin zu gehen, wenn es nötig wäre. Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass wir gut auf die Einsätze vorbereitet sind.

Was als Notfall angekündigt ist, kann auch ein Tatort sein. Sie waren auch in der Bourscheidtstraße, wo ein 78-Jähriger erstochen wurde. Wie gehen Sie dann vor?

Krott: Also in diesem Fall war es eindeutig, dass ein Tötungsdelikt vorlag. Natürlich gehen wir dann mit einer besonderen Vorsicht an die Stelle heran. Anschließend ist das ohnehin eine Sache der Polizei, weil man leider nichts mehr für den Menschen tun kann.

Verfolgt man den Ausgang des Falls dann noch?

Krott: Natürlich, auch da macht man sich seine Gedanken. Man empfindet Mitleid mit dem Opfer und fragt nach den Beweggründen. Aber zum Glück folgt meistens schon der nächste Einsatz, dann hat man gar nicht so viel Zeit nachzudenken.

Nehmen Sie bei einem Einsatz das Umfeld wahr – also bekommen Sie die Trauer Betroffener mit?

Krott: Die Hinterbliebenen werden in der Regel von der Polizei und vom Einsatzort ferngehalten. Das ist wichtig, damit wir unsere Arbeit machen können und auch aus Schutz der Betroffenen selbst. Ich gehe neutral an die Sache ran. Ich kann mir ja auch nicht um jeden Fall Gedanken machen. Wichtig ist, dass ich nachher sagen kann, dass ich alles versucht habe, was möglich ist. Und wenn jemand gestorben ist, obwohl wir alles versucht haben, dann kann ich es leider leider nicht ändern.

Wie gehen Sie mit den Angehörigen um, wenn eine Reanimation nicht erfolgreich war?

Krott: Es gibt durchaus Angehörige, die das akzeptieren. Aber es ist natürlich schwer. Man kann den Menschen ja nur bis zu einem gewissen Maß erklären, warum es so gekommen ist. Das kann schließlich viele Gründe haben, die wir selbst gar nicht wissen.

Klingt alles ziemlich negativ. Woher ziehen Sie denn Ihre Motivation für Ihren Beruf?

Krott: Es ist ja schon so, dass wir in Notsituationen gerufen werden. Da wir aber aber durchaus helfen können, gibt es eine positive Seite. Man muss dazu sagen, dass wir inzwischen gute Möglichkeiten haben, jemanden zu retten. Dass dies leider nicht immer gelingt, ist klar.

Hatten Sie schon einmal Zweifel, dass Sie vielleicht zu wenig versucht haben?

Krott: Nein. Wir sind immer von der Einsatzstelle weggefahren und haben gesagt, dass wir das getan haben, was möglich war.

Hat sich schon jemand bedankt, dem Sie das Leben gerettet haben?

Krott: Ja. Wir haben mal einen Mann auf dem Tennisplatz nach einem Kreißlaufzusammenbruch reanimiert. Er kam anschließend in die Wache und brachte uns Schokolade vorbei. In diesem Fall wurden wir früh alarmiert. Das ist enorm wichtig, um mehr Schaden zu vermeiden.

Gibt es denn auch Einsätze, über die Sie heute eher schmunzeln würden?

Krott: (überlegt) Auch die gibt es natürlich. Wir mussten mal einen Mann befreien, der mit Handschellen nackt an einen Heizkörper gekettet war. Er sagte, man habe den Schlüssel verloren.

Was machen Sie, wenn Sie diesem Menschen anschließend in der Stadt begegnen?

Krott: (lacht) Da kann ich mir ein Schmunzeln dann nicht verkneifen.

Und welche Einsätze bleiben Ihnen in Erinnerung, die aus heutiger Sicht besonders gefährlich waren?

Krott: Es gab sicherlich schon viele brenzlige Situationen. gefährlich ist es auf der Autobahn. Wenn wir dort im Einsatz sind und Sattelschlepper an uns in vollem Tempo vorbeirasen, dann kann einem schon mulmig werden. Bei Bränden ist es natürlich so, dass wir manchmal nicht wissen, was sich in Schränken befindet. Sind dort explosive Dinge wie Gaskatuschen und ähnliches. Aber für solche Situationen sind wir geschult. Da kann man die Gefahr minimieren. Die Gefahren beim Autobahneinsatz kann man hingegen nicht beeinflussen.

Als Feuerwehrmann müssen Sie natürlich auch an Sonn- und Feiertagen arbeiten. Stört Sie das, dass Sie Dienst haben, wenn andere feiern?

Krott: Nein, das wusste ich ja vorher. Außerdem habe ich mein Privatleben so organisiert, dass dies gut passt. Auch meine Freunde und Familie wissen das. Einem 24-Stunden-Dienst schließen sich ja zwei freie Tage an. Dann kann man etwas unternehmen, während andere ihre Freizeitaktivitäten auf das Wochenende konzentrieren müssen. Man gewöhnt sich daran. Aber die zwei freien Tage sind auch notwendig, um wieder aufzutanken. Es gibt Dienste, da ist man wirklich rund um die Uhr im Einsatz. Das schlaucht enorm.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit, um den inneren Akku wieder aufzuladen?

Krott: Ich jogge gerne im Wald, entspanne in der Therme. Und ich gehe ins Fitnessstudio.

Dabei müssten Sie wegen Ihres anstrengenden Berufes doch genug Muskeln besitzen...

Krott: (lacht) Ja, aber die Patienten im Krankentransport werden immer schwerer und leben immer häufiger oben. Die 4. Etage, das ist die Etage der Feuerwehr.

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