Im Alter von 80 Jahren reist sie noch ins Reich der Mitte

Von: Katrin Fuhrmann
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Feiert heute ihren 100. Geburtstag: Frieda Runge blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Foto: Katrin Fuhrmann

Eschweiler. „In meinem Leben gab es einige Tiefen. Erst in den vergangenen 30 Jahren kamen die Höhen dazu“, sagt Frieda Runge, die heute ihren 100. Geburtstag feiert. Als Frieda 1915 in Wittenberge geboren wird, bestimmen Hunger und Leid die ersten Jahre ihres Lebens.

Mit 22 heiratet sie ihren Mann, der bei der Reichswehr tätig ist. Seit dieser Zeit bestimmen Leid, Kummer, etliche Umzüge und Flucht Friedas Leben. Von Lenzen, über Lübeck, nach Graz. Von dort geht es nach Klagenfurt, und schließlich zurück nach Lenzen, wo Frieda mit ihren beiden Kindern, Achim und Anneliese, sowie ihren Eltern und Schwiegereltern lebt. Ihr Mann ist im Krieg. An diese Zeit denkt sie bis heute mit Schrecken zurück. „Unsere Wohnung war klein, primitiv und einfach menschenunwürdig. Außerdem hatte ich ständig Angst um meinen Mann“, sagt Frieda Runge. Aber irgendwie hätte sie es immer geschafft, das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Ihr Mann, der später in englischer Gefangenschaft ist, kommt erst 1952 wieder zurück. Währenddessen baut sich die Familie etwas auf: ein Restaurant mit Fremdenzimmer. Doch die Umstände der Zeit zwingen Frieda Runge und ihre Familie wieder zur Flucht. Dieses Mal vom Osten in den Westen. Diese Phase in ihrem Leben überspringt die 100-Jährige gerne, da es keinen Moment des Glücks gab. „Als wir 1953 nach Eschweiler kamen, war endlich mal Ruhe. Wir konnten uns hier das erste Mal etwas aufbauen, ein bisschen das Leben genießen und vor allem wusste ich, dass ich nicht mehr umziehen muss“, sagt sie und lacht.

Leidenschaft für Blumen

Das Ehepaar wandert, sie beginnt zu malen und entdeckt ihre Leidenschaft für Blumen. Doch auch dieses Glück hält nicht lange. Frieda verliert ihre Eltern, ihren Mann und auch ihre Tochter. Der Verlust ihrer Liebsten ist schmerzlich und die 100-Jährige fühlt sich, wie ganz oft in ihrem Leben: alleine und hilflos. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und versucht das Leben zu genießen.

Mit 69 Jahren steht ihre erste Reise auf dem Plan: zwei Wochen Spanien. Danach folgt eine Reise nach Ägypten, die Frieda als einen Höhepunkt in ihrem Leben beschreibt. Vor allem die Geschichte und die Architektur hätten sie schwer beeindruckt. Mit 80 Jahren erlebt Frieda Runge schließlich noch einen weiteren Höhepunkt in ihrem Leben: eine Reise nach China. Mit ihrem Sohn Achim verbringt sie dort eine aufregende und unvergessliche Zeit. „Mit 68 habe ich angefangen, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und das zu tun, worauf ich Lust habe“, sagt die 100-Jährige. Ihr Sohn, ihre fünf Enkel und sechs Urenkel bereichern bis heute ihr Leben.

Lebensmut und Humor

Das Sehen und Hören wird für Frieda Runge immer schwerer, doch ihren Lebensmut, ihren Optimismus und ihren Humor hat sie nicht verloren. Die Wochenenden verbringt Frieda bei ihrem Sohn Achim in Horrem. Dort spaziert sie und verbringt viel Zeit mit ihrer Familie. Wünsche hat die 100-Jährige keine mehr, denn Wünsche würden immer nur Träume bleiben. So sei es zumindest in ihrem Leben gewesen.

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