Ihren Kameras entgeht (fast) nichts

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Sie gehören mittlerweile zum Eischwiele Fastelovend wie Kamelle zum Rosenmontagszug. Sie sind ein Symbol dafür, dass der Karneval an der Inde etwas ganz Besonderes ist. Sie sind wahre Jecke, wenn sie auch keine Uniform und auch kein Kostüm tragen. Günter Quast und Ernst Eymael sind seit zwölf Jahren aus den Narrensälen der Stadt nicht mehr wegzudenken.

Im (Kamera-)Fokus haben sie stets einen Mann: Eschweilers Prinzen. Mit Fotoapparat (Ernst) und Videokamera (Günter) begleiten sie die Tollität auf Schritt und Tritt. Ein Leben im Zeichen des Karnevals. Eine Geschichte, wie es sie wohl nur in Eischwiele geben kann.

Begonnen hat alles in der Session 1997/98 mit Prinz Walter I. (Münchow). „Ein Schwager von mir”, blickt Ernst Eymael auf die Anfänge zurück. Damals fragte Münchow den Hobby-Fotografen, ob er während seiner Regentschaft nicht ein paar Bilder machen könne. Ernst sagte, ohne nur ansatzweise über die Konsequenzen nachzudenken, ja.

Nicht viel anders erging es Günter Quast. Der hatte zwar Foto/Film sogar bei Horten in Aachen gelernt, kehrte aber später ins elterliche Geschäft „Feinkost Quast” zurück. Über die Schwester von Walter Münchow - einer guten Bekannten von Günter - kam er zum Prinzentross. Dort lernte er dann auch Ernst Eymael kennen. Der Hof-Fotograf und der Prinzen-Kameramann wurden ein Team. „Der Bazillus Fastelovend hatte uns direkt gepackt”, sagt der 58-jährige Quast heute.

Fünfeinhalb heiße Wochen

Dabei war keiner von beiden je in einer Karnevalsgesellschaft. Ein, zwei Sitzungen als ganz normale Besucher, den Rosenmontagszug gucken - so sah jahrzehntelang ihr jeckes Treiben aus. Bei seiner ersten Prinzenproklamation kam Günter dann gar nicht mehr aus dem Filmewechseln raus.

Als Prinz Walter ihm und Ernst den Veranstaltungsplan in die Hand drückte, klingelte Letzterer unverzüglich bei seinem Arbeitgeber RWE an. „Ich habe mir direkt dreieinhalb Wochen Urlaub genommen. Ich hatte ja gar keine Vorstellung, glaubte vorher, alles spiele sich nur am Wochenende ab.” Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Günter und Ernst sagten B, und tun es immer noch.

„Lockere Anfragen gibt es schon wieder bis 2017”, wird den Beiden wohl auch in Zukunft nicht langweilig. Natürlich gehe all dies nur, weil die jeweils besseren Hälften mitspielen. Denn fünfeinhalb Wochen dauert ihre Mission „Karneval”, plus Vor- und Nachbereitung. Früher ging dafür der Urlaub drauf. Heute kann es der 57-jährige Vorruheständler Eymael diesbezüglich etwas entspannter angehen.

Nicht mehr eingespannt werden übrigens seit der Session 2003/04 analoge Filme. „Dirk I. war unser erster digitaler Prinz”, wagten Ernst und Günter vor sechs Jahren bei Dirk Sazma den Sprung ins neue technische Zeitalter. Damit erhöhte sich dann auch gleich das Produktionsvolumen: Circa 550 Bilder waren es noch beim ersten Fastelovendseinsatz, jetzt sind es meist über 3000. Heute filmt Günter längst mit einer HD-Kamera. So scharf war der Prinz noch nie.

„Wir sind einfach stolz, dabei zu sein”, stecken die Unikate weiter voller Tatendrang. Sie rechnen nicht in Honorar oder Stundenlohn. Geld spielt keine Rolle. Die hohe Anerkennung, die ihnen entgegenschwappt, zeigt sich derweil ganz anders: Die aktuelle Tollität hat ihnen eine Prinz-Marco-Armbanduhr geschenkt. „Eine wirklich tolle Idee”, findet Ernst Eymael und blickt auf den jecken Chronometer.

Heute wissen sie einige Privilegien zu schätzen: „Schließlich kommt sonst kaum ein Mann auf eine Damensitzung”, merkt das Duo schmunzelnd an. In der ersten Session anno 1998 wurden sie am Eingang oft noch nach ihren Eintrittskarten gefragt. Längst vergangene Zeiten. Heute sind sie stadtbekannt. Betreten sie den Saal, bringen sich und ihre Kameras in Position, weiß das närrische Volk: der Prinz steht vor den Toren.

Ernst Eymael und Günter Quast sind dabei, und das bereits in der 12. Session in Folge. Aschermittwoch endet für alle das bunte Treiben. Auch für das Film- und Foto-Gespann. Zumindest kurzzeitig. Dann setzen sie sich an den PC, bearbeiten Fotos und Film bis weit in den Frühling hinein. Nach dem Urlaub im Mai steht dann meist schon der nächste potenzielle Prinz auf der Matte: „Ernst, Günter, habt ihr in den nächsten Monaten schon was vor?”

Eine seltene Ehre wurde den Prinzenbegleitern Ernst Eymael und Günter Quast im vergangenen Jahr zuteil. Elf Jahre nach der Regentschaft von Prinz Walter I. erhielten die Beiden den 1.-Klasse-Orden des Eschweiler Karnevals-Komitee.
„Da waren wir beide sehr gerührt”, freut sich Günter Quast noch heute. Normalerweise erhalten nur Mitglieder der Eschweiler Karnevalsgesellschaften diese Auszeichnung.

Zwischen 50 und 60 Stunden Filmmaterial entstehen während einer Session. Daraus macht Günter Quast dann einen fünf- bis sechsstündigen Film. Ernst Eymael schießt auf etwa 200 Veranstaltungen über 3000 Fotos.

Zwei Monate brauchen die Beiden durchschnittlich für die filmische bzw. fotografische Nachbearbeitung der fünften Jahreszeit. Im Vorfeld kauft Quast hierfür bis zu 1000 DVDs. Schließlich müssen einige Kopien angefertigt werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert