IG Metall: Flexibler Ausstieg statt der Rente mit 67

Von: ran
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Nahm kein Blatt vor den Mund: Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, hält die Rente mit 67 für eine große sozialpolitische Fehlentscheidung und sieht keinerlei Spielräume für Rentenkürzungen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler/Stolberg. Im Vorfeld von Tarifverhandlungen und sieben Monate vor der Bundestagswahl positioniert sich die IG Metall: „Die Einführung der Rente mit 67 war eine der größten sozialpolitischen Fehlentscheidungen in diesem Land“, sprach Dr. Hans-Jürgen Urban als geschäftsführendes Vorstandsmitglied während der Delegiertenversammlung des IG Metallbezirks Stolberg/Eschweiler am Dienstagabend im Eschweiler Talbahnhof klare Worte.

„Wir fordern flexible Ausstiegsmöglichkeiten statt der Rente mit 67“, wollen die Gewerkschafter Alternativen zu einem zentralen Wahlkampfthema machen. Neben flexiblen Ausstiegsoptionen müsse aber vor allem die Absicherung des gegenwärtigen Rentenniveaus im Mittelpunkt des gewerkschaftlichen Reformkonzepts stehen, erklärte der Referent, dessen Vortrag unter der Überschrift „Gute Arbeit - gut in Rente“ stand.

„Wenn Arbeitsministerin Ursula von der Leyen vor drohender Altersarmut warnt, widersprechen wir nicht. Doch wir brauchen nicht nur Worte, sondern Reformen, die dazu beitragen, dass Menschen, die drei, vier oder fünf Jahrzehnte gearbeitet haben, eine Rente erhalten, von der sie leben können“, so Dr. Hans-Jürgen Urban. Ein wichtiges Instrument, dies zu gewährleisten, seien respektable Lohnzahlungen. „Niedrige Löhne bedeuten Armut in Arbeit und ziehen Armut im Alter nach sich“, betonte Urban.

Zwar habe in Deutschland in den vergangenen Jahren auf den ersten Blick ein Aufbau an Beschäftigung stattgefunden, doch die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze sei zurückgegangen. Stattdessen nehme die Zahl der geringfügig Beschäftigten und Leiharbeiter stetig zu. „Die Probleme der Rentenkasse liegen größtenteils auf dem Arbeitsmarkt“, analysierte Dr. Hans-Jürgen Urban. Und: „Die Diskrepanz zwischen Gewinn- und Lohnquote wird ständig größer.“ Auch dies sei ein Grund, warum sich die Menschen von der Politik abwendeten.

„Wir müssen zeigen, dass es nach wie vor Organisationen gibt, die helfen. Die IG Metall ist verlässlich und muss nicht mit Misstrauen gestraft werden“, sprach das geschäftsführende Vorstandsmitglied seine Zuhörer direkt an, um kurz darauf die Entwicklung der Renten „hochproblematisch“ zu nennen. Verantwortlich dafür sei die Politik. „Egal ob Rot-Grün, die Große Koalition oder Schwarz-Gelb. Die letzten drei Regierungen haben sich in dieser Hinsicht die Klinke in die Hand gegeben“, kritisierte Dr. Hans-Jürgen Urban.

Rente 2030 bei 45 Prozent?

„Vor kurzem schätzte man, dass im Jahr 2030 die durchschnittliche Bruttorente nicht mehr 52 Prozent des letzten Einkommens betragen werde, sondern nur noch 42 Prozent. Inzwischen geht man von knapp 45 Prozent aus. Wir wollen aber nicht über Zahlen diskutieren, sondern stellen stattdessen die Frage: Will man, dass das Rentenniveau nach 45 Versicherungsjahren sinkt? Die IG Metall erklärt, dass kein Spielraum für Rentenabsenkungen vorhanden ist. Es gibt nichts zu kürzen. Das Rentenniveau muss mindestens gehalten werden. Und wir werden alle politischen Parteien mit dieser Forderung konfrontieren.“

Grundsätzlich müsse sichergestellt werden, dass eine ununterbrochene Erwerbsbiographie garantiere, den Lebensstandard im Rentenalter halten zu können. Doch auch eine unterbrochene Erwerbsbiographie dürfe nicht in die Altersarmut führen. „Wer arbeitslos war, Kranke gepflegt oder Kinder erzogen hat, darf nicht bestraft werden“, so die Forderung. In Sachen Renteneintrittsalter müsse Flexibilität groß geschrieben werden, wobei die Regelgrenze 65 Jahre betragen soll.

Altersgerechtes Arbeiten

Doch auch die Zeit vor der Rente dürfe nicht außer acht gelassen werden. „Es gilt, auch die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer in den Vordergrund zu stellen. Schließlich prügeln die Arbeitgeberführer in diesem Land auf die Politik ein, die Rente mit 67 ja nicht zurückzunehmen, tun aber auf der anderen Seite nichts, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.“ Der Ansatz sei, eine Initiative zum Thema „altersgerechte Arbeitsbedingungen“ innerhalb der Betriebe ins Leben zu rufen. „Damit die Menschen gesund in Rente gehen können“, machte Dr. Hans-Jürgen Urban deutlich. Im Hinblick auf die Bundestagswahl werde es eine Kampagne für eine hohe Wahlbeteiligung geben, aber keine Wahlempfehlung. „Entscheidend für eine gute Gewerkschaftsarbeit wird aber auch in Zukunft sein, dass wir die Menschen zu Wort kommen lassen“, unterstrich der Referent aus Frankfurt abschließend.

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