Eschweiler-Weisweiler - „Ich wünschte, ich wäre früher eingestiegen“: Musiker Peter De Rooy

„Ich wünschte, ich wäre früher eingestiegen“: Musiker Peter De Rooy

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Peter de Rooy ist immer kreativ. Hier entstehen Texte und Song-Ideen. Foto: Santosi
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Der Junge mit der Mundharmonika: Peter De Rooys musikalische Anfänge in den Sechzigern. Foto: Diederichs

Eschweiler-Weisweiler. Peter De Rooy aus Weisweiler hat in einigen bürgerlichen Berufen gearbeitet, bevor ihn die Musik in den Bann gezogen hat. Seine Lebenserfahrungen und Beobachtungen gießt er in Lieder, für die viele Zeitgenossen den manchmal abschätzenden Ausdruck „Schlagermusik“ bereithalten.

Dabei weiß De Rooy um das größte Kapital, das ihm zur Verfügung steht: Direktheit, Ehrlichkeit und ein positives Gespür für die Fans, die seinen Stil mögen. Unser Mitarbeiter Paul Santosi hat mit dem Musiker gesprochen.

Herr De Rooy – wieso eigentlich „De Rooy“ und nicht „Diederichs“, wie Sie ja eigentlich heißen?

De Rooy: Da hatte ich mal eine Freundin mit diesem Nachnamen, mit der ich allerdings nicht mehr zusammen bin. Peter De Rooy kann man sich doch auch besser merken, oder? Unabhängig von der Dame werde ich diesen Künstlernamen aber auf jeden Fall behalten, denn unter diesem Namen kennt man mich.

Vor kurzem haben Sie Ihren 56. Geburtstag gefeiert. Vor drei Jahren haben wir Sie schon mal zum Interview gebeten. Was hat sich in der Zwischenzeit alles getan?

De Rooy: (Lacht) Tja, die Haare sind etwas grauer, ich bin aber auch musikalisch etwas reifer geworden. Aus den über 300 Songtexten, die ich in den vergangenen Jahrzehnten geschrieben habe, habe ich nochmal einige überarbeitet und aktuell angepasst. Natürlich mit Geschichten aus meinem eigenen Leben. Meiner neuen Lebensgefährtin, die ich während eines Auftrittes in Wuppertal kennenlernte, habe ich zum Beispiel während einer Zugfahrt ein neues Stück mit dem Titel „Ich liebe Dich so sehr“ geschrieben.

Stammen Sie aus einer musikalischen Familie ? Wie entdeckten Sie Ihre Berufung zum Sänger?

De Rooy: Da gibt es ein Schwarzweiß-Foto von mir als kleiner Bub, so etwa im Alter von drei bis vier Jahren. Da sieht man mich auf einer 60er-Jahre-Küchen-Eckbank mit einer Mundharmonika. Mein Vater spielt heute immer noch Ziehharmonika. Zuhause wurde eigentlich immer musiziert und gesungen. Als dann noch Ilja Richters „Disco“ und die ZDF-Hitparade im Fernsehen kamen, hab ich auch immer fleißig mitgesungen. Von einer Zukunft als Schlagersänger mit Plattenvertrag ahnte ich aber damals noch nichts. Ich wünschte, ich wäre früher eingestiegen, aber die Amigos sind ja auch erst um die 60 berühmt geworden. Also hab ich noch ein paar Jahre.

Als Schlagersänger verpflichtet man sich ja in der Regel, über die wichtigen Dinge des Lebens zu singen, also Herz, Schmerz, Liebe und Triebe. Haben Sie jemals daran gedacht, diese Schiene zu verlassen?

De Rooy: Klar, man hat ja den Wunsch, sich an verschiedenen Stilen auszuprobieren. Mir schwebt zum Beispiel auch mal eine Mischung aus Salsa und Discofox vor. Dann kann ich mal schauen, wie die Fans darauf so reagieren.

Offensichtlich singen Sie gerne über Inseln. Songs über Mallorca und Rügen gibt es schon. Bedeutet die Insel in Ihrem künstlerischen Schaffen etwas Besonderes?

De Rooy: „Mallorca – heiße Insel“ ist mir damals angeboten worden und ich dachte, das machst du einfach. Während eines Türkei-Urlaubes hab ich dann mal jemanden aus Rügen kennengelernt, der mich dazu inspirierte, einen Song über seine Heimatinsel zu machen. Ein Brainstorming später hatte ich dann auch zwei Songs über die Insel Rügen im Repertoire, einmal „Sommernacht auf Rügen“ und einmal „Sommertraum auf Rügen“.

Moderne Schlagermusik steht im Verruf, austauschbar zu sein. Was ist anders an Ihren Liedern?

De Rooy: Ich hab meinen eigenen Stil. Das ist nicht immer der gleiche Beat, den man immer wieder hört, etwa bei Wendler oder ähnlichen. Natürlich singe ich gerne Songs, die tanzbar sind. Aber vom Sound, vom Beat, von der Melodie her suche ich nach Abwechslung. Es muss nicht immer Discofox sein. Es kann auch mal ne Ballade mit Tiefgang sein, wenn sie gut gelungen ist. Bei einer Benefiz-TV-Sendung mit Kai Pflaume war ich mal so berührt, dass ich direkt einen Song mit dem Titel „Polarlicht Nacht“ daraus gemacht habe. Dieser Song wird recht häufig runtergeladen und kommt, so denke ich, auch gut an.

Wie kommen Sie an die Soundtracks zu Ihren Songs? Komponieren und arrangieren Sie selbst?

De Rooy: (zeigt in Richtung Fenster) Da draußen steht ein Keyboard. Das ist immer ein guter Start für Rhythmen und Melodien. So entstehen erste Vorschläge. Aber ich arbeite auch mit professionellen Komponisten, in der Oberpfalz oder in der Schweiz zum Beispiel. Denen schicke ich in der Regel meine Songtexte und die bearbeiten das. Manchmal ist meine erste Idee aber auch schon weit fortgeschritten. Am Schluss entsteht im Studio dann die fertige Version und schon ist wieder ein Song geboren.

Was ist zuerst da? Der treffende Text oder die schmissige Melodie?

De Rooy: Bei mir immer der treffende Text. Ich hab es auch schon mal andersrum probiert. Von meinem Plattenboss Alex habe ich mal eine Melodie bekommen. Er hat mich gebeten, einen Text drüberzulegen und das ist mir auch gelungen. Aber das mach ich offen gesagt weniger gerne. Viel spannender sind die Momente, in denen Lieder wie aus dem Nichts entstehen. Es gibt einen Song namens „Federwolken“. Da saß ich hier im Garten und beobachtete den Himmel. Beim ganzen Herumprobieren und Testen hab ich doch tatsächlich total die Zeit vergessen, dass es Vatertag war und ich doch eigentlich zu einem Fest nach Nothberg wollte.

Haben Sie kreative Hänger? Und wenn es soweit ist, dann vielleicht einen Trick, wie Sie Ihre Muse dazu animieren, Ideen zu liefern?

De Rooy: Wenn meine Muse mich mal hängen lässt? Einfach alles weglegen, abschalten und in ein paar Tagen den Song wieder von vorne angehen. Aber im Grunde gehe ich mit offenen Augen durchs Leben und finde immer wieder Anlässe zu Geschichten und neuen Liedern.

An welchen Vorbildern orientieren Sie sich?

De Rooy: Klar habe ich Vorbilder, aber an deren Status werde ich mich niemals messen können. Man kann sich dran orientieren, auch wenn die meisten englische Songs interpretieren. Das wär auch für mich mal eine Möglichkeit in der Zukunft, einmal etwas auf Englisch zu machen. Tom Jones zum Beispiel ist eines meiner großen Vorbilder. Wer weiß, vielleicht werde ich auch mal ein paar Nummern von ihm covern. Mit einer entsprechenden Lizenz und einer Genehmigung kann man das ja vielleicht auch mal machen.

Hören Sie im Stillen musikalisch auch mal was völlig anderes?

De Rooy: Natürlich. Entspannungsmusik. Da gehe ich auf eine persönliche Raum- und Zeitreise, höre Meeresrauschen und Naturklänge. Damit kann ich mich total relaxen.

Darf sich ein Schlagersänger auch mal leise Momente leisten, in denen es vielleicht nicht ganz so lustig zugeht?

De Rooy: Ja. Auch ein Schlagersänger hat mal „et ärm Dier“. Das Schöne ist aber, das ich mich mit meiner Musik aus Stimmungs-Tiefs immer wieder rausholen kann. Ein Liedchen am frühen Morgen ist etwas Feines, wenn man das Talent hat, das auch für sich selbst zu nutzen. Aber es muss nicht zwangsläufig ein eigener Hit sein. Im Radio gibt es da auch gutes Material von Anderen.

Sprechen wir über Ihre Fans. Gibt es belastbares Zahlenmaterial, wie viele Sie mittlerweile Ihr eigen nennen?

De Rooy: Mit den modernen Medien erreicht man Fans schon ganz gut. Ich denke, die Fünftausend habe ich schon erreicht. Die sind natürlich nicht alle immer dann greifbar, wenn es etwa um einen bezahlten Download geht. Prinzipiell bin ich froh und stolz auf meine Fans, wenn es zum Beispiel im Radio oder im Web zum Voting kommt.

Ist Ihr Berühmtheits-Status schon so intensiv, dass er Ihnen manchmal auf den Zeiger geht?

De Rooy: Das passiert immer wieder mal. Man muss versuchen, vernünftig damit umzugehen, denn ich will ja niemanden vergraulen. Bei einer Open-Air-Herbst-Veranstaltung in Mönchengladbach gab es vor einiger Zeit mal ein offenes Mikro für alle, die von sich überzeugt waren. Da kam ein Wildfremder auf mich zu und wollte gemeinsam mit mir singen, weil ich ja schon einiges vorzuweisen hatte. Innerlich denkt man dann schon, Mensch, was will der von Dir? Da hab ich schon mit mir gerungen, freundlich zu bleiben und die richtigen Worte zu finden, ohne verletzend zu sein.

Welche Rolle spielen soziale Medien wie Facebook und YouTube für Ihre Karriere?

De Rooy: Eine große Rolle. Eine Fernsehpräsenz wäre natürlich schon toller. ZDF-Fernsehgarten etwa. Aber da muss man zum beträchtlichen Teil selbst in die Tasche greifen. Vielleicht bin ich ja mal irgendwann zur richtigen Zeit am richtigen Fleck, damit das mal klappt. Dann ist der richtige Manager da und sagt: „Hey. Der da hinten. Der ist es. Komm her, Junge. Ich mach was mit dir“. Auf Biegen und Brechen sollte man sich in so einen Gedanken nicht verbeißen, aber ich hoffe drauf. Aber zum Kern der Frage: Auch ich nutze Plattformen wie Facebook und Youtube intensiv. Was mich immer wieder erstaunt ist die Dunkelziffer an Fans, die zwar nicht aktiv schreiben und posten, aber dann bei einem meiner Auftritt da sind und mir bestätigen, wie toll sie es finden. Es gibt unglaublich viele stille Fans.

Damals erzählten Sie uns von Ihrem Traum, einmal bei der Veranstaltung „Aachen Olé“ dabei sein zu dürfen. Gilt das noch?

De Rooy: (Lacht) Ja, was wurde aus Aachen Olé ? Das fand mal statt, dann wieder nicht. Ich wär wirklich gern dabei gewesen, egal ob im Vorprogramm oder als Haupt-Act. Da könnte man wirklich eine große Masse an Fans erreichen. Aber bei dem Wunsch ist es bislang geblieben und es ist leider nichts draus geworden.

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