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Hüpfburg-Zoff: Ein Sturm braust durchs Netz

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
Mit einer Hüpfburg (Symbolfot
Mit einer Hüpfburg (Symbolfoto) wollte die Abiturientia des Städtischen Gymnasiums Eschweiler den jüngeren Schülern eine Freude machen. Doch die Antwort des Verleihers fiel anders aus als erwartet. Foto: dapd

Eschweiler. Alles begann mit einer Hüpfburg. Genauer: mit einer Anfrage für eine Hüpfburg. Die Abiturientia des Städtischen Gymnasiums Eschweiler hatte nämlich die Idee, auch den Unterstufenschülern beim traditionellen Abistreich eine Freude zu machen. Eine Hüpfburg sollte her.

Stufensprecher Maik Luu schrieb auch die Elsdorfer Firma Clemens & Partner an. Die Antwort per Mail hatte es in sich: Die Schüler werden darin als „Bittsteller” bezeichnet.

Gleichzeitig war der Mitarbeiter der Firma der Meinung, Studenten würden zu 70 Prozent in Hartz IV landen. Maik Luu wandte sich an unsere Zeitung, stellte den Artikel bei Facebook ins Internet und löste damit einen gewaltigen Sturm der Entrüstung im Netz, einen sogenannten Shitstorm aus.

Wer den Mailverkehr liest, wundert sich darüber nicht. Am Dienstag vor einer Woche hatte Maik Luu per Mail wegen der Hüpfburg angefragt und um ein Angebot gebeten mit den Worten: „Da wir nicht viel Budget haben, möchten wir es aber so günstig halten wie geht.” Daraufhin erwiderte Harald Koep vom Elsdorfer Unternehmen wörtlich: „Da Sie offensichtlich kein Geld haben, würde ich vielleicht von meinem Luxusdenken etwas abrücken. Wir sind Vermieter und machen das beruflich für unseren Lebensunterhalt mit dem Ziel, nicht da zu stehen, wo Sie offensichtlich stehen. Sollten Sie bei uns irgendwo ein Schild gesehen haben ,Geschenkeladen, lassen Sie es mich bitte wissen.”

Maik Luus Reaktion: „Scheinbar haben Sie mich nicht oder falsch verstanden - wir möchten nichts umsonst, sondern lediglich zu Konditionen, die zu der Veranstaltung eines Abiturscherzes passen.” Es würden viele potenzielle Kunden dort sein und auf der Hüpfburg die Werbung sehen.

Ferner schreibt er: „Bezüglich Ihrer Absage hätte ich mich über ein wenig mehr Höflichkeit gefreut, da ich Stellvertreter einer größeren Interessengruppe bin, potenzielle Kunden für spätere Jahre, denen ich Ihr Schreiben nun vorlesen muss.”

Harald Koep antwortet wörtlich und nicht ganz fehlerfrei: „Die Antwort war nicht unfreundlich. Sie war nur klar auf den Punkt gebracht. Bettelanfragen werden mit entsprechenden Gegenantworte beantwortet. So einfach ist das. Ich darf Ihnen aber versichern, daß wir die Kunden von morgen sicherlich haben, weil wir in bestimmten Bereichen Alleinanbieter sind und obendrein auch noch traumhafte Preise anbieten können, wenn wir wollen. Studenten waren noch nie unsere Kunden aus wirtschaftlichen Gründen. Und sollten diese denn irgendwann mal Geld verdienen (70 werden Hartz IV), werden diese ihre Anfrage nicht mehr so stellen wie Sie, weil die dann in einer anderen Liga spielen. In gewissen gesellschaftlichen Schichten hat man nämlich einen anderen Umgangston und vor allem eine andere Zahlungsmoral. Als Bittsteller sind Sie nirgendwo gern gesehen.”

Weiter heißt es: „Eschweiler, Aachen und umliegende Dörfer kommen übrigens immer zu uns. Auch in anderen Bereichen. Dies ist nicht unfreundlich, sondern soll Ihnen vermitteln, daß Sie einen Anbieter motovieren müssen mit Ihrer Anfrage und nicht frustrieren. Denn sonst werden Sie nirgens irgendwo ein adäquates Angebot bekommen. Soviel als Tipp für die Zukunft!”

Mittwochnachmittag war der Artikel über 7500 Mal in dem sozialen Netzwerk geteilt worden. Legt man zu Grunde, dass jeder Facebook-Nutzer im Schnitt 190 „Freunde” hat, so ist der Artikel bisher von über einer Millionen Menschen gesehen worden.

Der 18-jährige Schüler konnte sich deshalb vor Terminen in Eschweiler kaum retten. Da sich der Beitrag im Internet innerhalb weniger Stunden in ganz Deutschland verbreitet hatte, war das bundesweite Medieninteresse groß.

Und so standen neben der letzten Abiturnachprüfung zahlreiche Interviewtermine auf dem Stundenplan. „Das macht mich schon ein wenig stolz, dass sich viele Menschen auf unsere Seite gestellt haben”, sagt er - ein wenig überwältigt von der Resonanz.

Am Freitag hat Juliane Clemens von der Firma Clemens & Partner diese Haltung bekräftigt und betont, dass die Mails abgesprochen seien. Inzwischen schweigt die Leitung des Unternehmens, das auf mehreren Geschäftsfeldern tätig ist, zu dem Maildialog. Man werde sich „zu gegebener Zeit” melden, heißt es.

Maik Luu sieht sich bestätigt: „Auch Schüler haben Respekt und Anstand verdient.” Man freue sich über den großen Zuspruch. Morgen feiert er mit seiner Jahrgangsstufe den Abi­streich am Städtischen Gymnasium. Eine Hüpfburg wird dabei sein - gesponsert von einem Eschweiler Unternehmen.
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