Hoteliers geben Ersparnis zum Teil an Gäste weiter

Von: Juliane Kern
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Ulla Leylamian, Inhaberin des Eschweiler Parkhotels, würde gerne in die 19 Gästezimmer des Hauses investieren. Die Ersparnis durch die Mehrwertsteuer allein reiche dazu aber nicht aus, sagt sie. „Und die Banken geben in der Wirtschaftskrise keine Kredite.” Foto: Juliane Kern

Eschweiler. Wohl kaum eine Reform der schwarz-gelben Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen so viele Diskussionen ausgelöst wie die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen, sogenannte Beherbergungsleistungen, von 19 auf sieben Prozent.

Während Kritiker eine ungerechtfertigte Begünstigung des Hotelgewerbes und hohe Kosten für die Allgemeinheit monierten, sahen Branchenvertreter darin lediglich eine Anpassung der Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU. In Frankreich liege der Satz schließlich bei 5,5 Prozent, in den Niederlanden bei sechs, in Österreich bei zehn Prozent.

„Die meisten anderen Länder haben schon lange viel niedrigere Steuersätze für Hotelübernachtungen. Da war es nur richtig, dass Deutschland nachzieht”, findet auch Delio Duarte, Inhaber des Hauses Flatten an der Röthgener Straße. Außerdem wirke die Reform wie ein Konjunkturmotor. Von ihr, so das Argument der Befürworter, profitierten Gäste, Mitarbeiter sowie Handwerker und Zulieferer gleichermaßen.

Doch welche Auwirkungen hat das Gesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, wirklich? Und wie nutzen die Eschweiler Hotelbesitzer die Ersparnis? Palestidis Panagiotif vom Hotel Mykonos in Eschweiler hat einen Mitarbeiter eingestellt und will eine weitere Stelle einrichten. Außerdem plant die Familie Panagiotif, in deren Besitz das Hotel seit zwei Jahren ist, Investionen.

„Sobald es möglich ist, wollen wir den Betrieb etwas vergrößern”, sagt Panagiotif. An die Kunden will der Inhaber des Hauses an der Dreieckstraße die Ersparnis nicht weitergeben: „Man sollte leben und leben lassen. Das Gesetz hilft uns, die Existenz der Familie zu sichern.”

Im größten Eschweiler Hotel, dem Best Western Hotel De Ville an der Dürener Straße, sollen dagegen in erster Linie die Kunden von der Mehrwertsteuersenkung profitieren. Für ein Einzelzimmer würden jetzt 89 statt 97 Euro, für ein Doppelzimmer 119 statt 129 Euro pro Nacht fällig, sagt Mitarbeiterin Jasmin Salame. Der Rest werde in den Betrieb investiert.

Auch im Hotel H4 am Markt wird derzeit investiert. Zu Beginn des neuen Jahres haben die Besitzer mit der Erweiterung begonnen. Grund dafür sei allerdings weniger die Senkung der Mehrwertsteuer als die große Nachfrage nach Zimmern gewesen, erklärt Mitarbeiterin Melanie Schynoll.

Gerade in den kleineren Hotels wären Investitionen auf die lange Bank geschoben worden. „Jetzt können wir endlich unsere 13 Zimmer renovieren”, erklärt Delio Duarte vom Haus Flatten. Einen Teil der Ersparnis will der Hotelier aber auch an seine Kunden weitergeben. „Mit Langzeitmonteuren handeln wir jetzt individuell Preissenkungen aus.”

Zu Preissenkungen gezwungen

Zu Preissenkungen geradezu gezwungen hat sich Ulla Leylamian vom Parkhotel gesehen, allerdings schon vor der Mehrwertsteuersenkung. „Die Wirtschaftskrise hat uns hart getroffen. Gerade weil Eschweiler kein Tourismusgebiet ist, sind wir abhängig von Monteuren. Und die kommen weniger, wenn es den Unternehmen in der Stadt nicht gut geht”, sagt Leylamian.

Vor zehn Jahren habe sie mit ihrem Mann das Hotel übernommen, seitdem werde die Lage in jedem Jahr kritischer, die Mehrwertsteuersenkung sei da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Gerne würde Leylamian investieren, die 19 Gästezimmer des Hauses renovieren, doch die Mehrwertsteuersenkung allein biete dazu keinen Spielraum. „Und in der Krise findet man keine Bank, die Kredite an kleine Hotels vergibt”, klagt sie.

Auch wenn manche Hoteliers in anderen Städten über zusätzliche Verwaltungsarbeit durch die Mehrwertsteuersenkung schimpfen - in Eschweiler läuft die Umstellung reibungslos. „Wir müssen das Frühstück, das ja nach wie vor mit 19 Prozent besteuert ist, jetzt zwar getrennt ausweisen, aber ein Problem ist das nicht”, sagt Melanie Schynoll vom H4 am Markt. Und auch Jasmin Salame vom Hotel De Ville sieht die Reform entspannt: „Für die Kunden mag das mal ärgerlich sein, für uns ändert sich nichts.”
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