Hohe Auszeichnung: DFB-Ehrenamtspreis für Peter Gartzen

Von: Tobias Röber
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Bekam einen Ehrenamtspreis des DFB: Peter Gartzen. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Es gibt wohl deutlich schlechtere Belohnungen: ein Treffen mit Wolfgang Niersbach und Robin Dutt, anschließend Lionel Messi beim Toreschießen zusehen. Peter Gartzen, bis 2011 Vorsitzender des SV Falke Bergrath, hat genau das erlebt - und zwar als Belohnung für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement.

In Frankfurt erhielt er vor dem Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Argentinien einen Preis und darf sich für ein Jahr zum „Club 100” zählen, wie 99 weitere Ehrenamtler aus ganz Deutschland. Vielleicht braucht es solche Preise künftig vermehrt, denn es wird immer schwieriger, (junge) Leute für das Ehrenamt zu begeistern. Gründe dafür gibt es viele, und diese sind nicht immer nur bei den (potenziellen) Ehrenamtlern selbst zu suchen.

„Ehrenamt macht Spaß”

„Manchmal zehrt es an den Nerven”, gibt Gartzen zu und es gab auch Tage, an denen er dachte: „Das tue ich mir nicht mehr an.” Aber unter dem Strich betont er: „Ehrenamt macht Spaß.” Dennoch werde es immer schwieriger, (junge) Menschen für das Ehrenamt zu begeistern. Und das hat viele Gründe. Gerade in verantwortlichen Positionen werde es für Ehrenamtler schwieriger, sagt Gartzen und nennt etwa steuerliche Aspekte, die immer mehr beachtet werden müssen. Umsatz- und Körperschaftssteuer werden je nachdem fällig. Alles Themen, mit denen sich die Ehrenamtler beschäftigen müssen.

Oder die vielen Vorschriften, die es gibt. So muss das Ergebnis eines Spiels bis 18 Uhr online eingegeben werden. Andernfalls droht ein Ordnungsgeld. Peter Gartzen erinnert sich noch an die Anfänge etwa dieser Vorschrift. „Wir hatten anfangs kein Internet am Sportplatz. Da musste immer einer von uns sofort nach Abpfiff nach Hause, um das Ergebnis einzugeben”, sagt er. Es sind mitunter solche Kleinigkeiten, die ein wenig hinderlich sind.

Es gibt noch andere Beispiele, an was der Ehrenamtler denken muss, um keine Strafen zu kassieren. So kostet das Antreten ohne Passbild im Spielerpass fünf Euro, wird kein Schiedsrichterassistent gestellt, sind ebenfalls fünf Euro fällig. Genau so wie beim verspäteten Einladen eines Schiedsrichters, wenn der elektronische Spielbericht nicht genutzt wird und wenn der Spielbericht nicht unterschrieben ist. Wird ein Spiel ohne Zustimmung des Staffelleiters verlegt, sind zehn Euro Ordnungsgeld fällig. Bleibt man angesetzten Tagungen fern, kostet das 30 Euro, führt man ein nicht genehmigtes Turnier durch, sind es 75 Euro. Alle genannten Beträge gelten für die Kreisliga. Im Wiederholungsfall können die Ordnungsgelder um die Hälfte erhöht werden.

Auch das Kunstrasenprojekt in Bergrath war laut Gartzen nicht ohne. Der eine oder andere im Verein habe schon ein wenig Angst gehabt, immerhin musste eine ordentliche Stange Geld beschafft werden.

Mit dem Kopf musste Peter Gartzen schütteln, als der Förderverein ein Jugendturnier ausrichtete. Auf dem Plakat, das diese Veranstaltung ankündigte, war das Wappen von Falke Bergrath zu sehen. Und das wurde zum Problem. „Jemand hat behauptet, der Förderverein sei kein eigenständiger Verein”, erinnert sich Gartzen. Das Gegenteil musste erstmal bewiesen werden. Solche Vorfälle bezeichnet Peter Gartzen als „Schlag ins Gesicht”. Wie auch die Gema-Gebühren, die auch Sportvereine immer mehr treffen.

Gartzen selbst war lange in verantwortlicher Position tätig. Das sei alles andere als leicht. „Man muss Lösungen finden, die allen zugutekommen”, sagt er und hat festgestellt, dass „man mit der Zeit dünnhäutiger wird”. Geeignete Nachfolger zu finden sei schwierig, ebenso wie die Suche nach Trainern und Schiedsrichtern. Die Zusammenarbeit mit Schulen werde immer wichtiger. Kinder gehen täglich länger zur Schule, der Weg in den Sportverein ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Eine gute Zusammenarbeit kann Früchte tragen.

Emotionen entschädigen

Bei all diesen Kleinigkeiten, die einem das Ehrenamt mitunter verleiden, hebt Peter Gartzen jedoch die schönen Momente hervor. „Die Emotionen, die man erlebt, entschädigen total”, sagt er. Ebenso freut er sich, wenn Jugendarbeit Früchte trägt. Die aktuelle 1. Mannschaft besteht zu einem Großteil aus Jugendlichen aus dem eigenen Verein. „Da geht mir das Herz auf”, betont er.

Zum Ehrenamtspreis, den er kürzlich in Frankfurt überreicht bekam, sagt Peter Gartzen: „Damit hätte ich niemals gerechnet. Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut.” Das Kompliment reicht er aber sogleich weiter an seine Mitstreiter im Verein: „Alleine kann man so etwas nie erreichen. Den Preis habe ich mit für die anderen bekommen.”
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