Historischer Schacht läuft voll Beton: EBV verschließt alte Stollen

Von: Patrick Nowicki
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EBV-Geschäftsführer Thomas Hofmann und Geologe Dr. Peter Rosner (rechts) schauen sich die Proben aus der Kernbohrung am Padtkohl-Kunstschacht an. Jedes Fach enthält einen Meter Bodenmaterial. In 29 Metern (vorne) stieß man auf Kohle, die roten Ziegel und hellen Fugen der Schachtwand sind ebenfalls noch gut zu erkennen. Foto: Patrick Nowicki
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Bagger im Einsatz: Stahlplatten verdecken den Eingang zum Padtkohl-Kunstschacht. Karl-Heinz Bach (rechts) kontrolliert die Arbeiten.

Eschweiler. Das Heim des Schäferhundevereins Waldschule und der Schützenbruderschaft ist vom Erdboden verschwunden. Dort befindet sich nun großes Loch, in der Mitte der Grube zwei schwere Stahlplatten. Sie verdecken den Padtkohl-Kunstschacht, einem historischen Schacht, durch den schon vor 200 Jahren Bergleute unter Tage fuhren.

Jahrelang war er vom Vereinsheim, einem alten Gebäude des Eschweiler Bergwerks-Vereins (EBV), verdeckt worden. Jetzt wurde das Haus abgerissen, um den Schacht nach modernsten Gesichtspunkten sichern zu können.

Keine genauen Karten

Im Süden der Stadt befinden sich zahlreiche Stollen aus der Hochzeit des Bergbaus in Eschweiler. Wie viele, kann niemand genau sagen, weil es keine Karten gibt. Einige Schächte hat der EBV nach seiner Gründung im Jahr 1838 übernommen und selbst betrieben.

Für sie ist das Unternehmen, das Eschweiler maßgeblich geprägt und heute seinen Sitz in Hückelhoven hat, immer noch zuständig. Vor wenigen Jahren beschloss die Unternehmensführung, 51 Schächte zu überprüfen.

Nach der Expertise beschloss man, neun ehemaligen EBV-Schächte in Eschweiler und weitere zehn in Stolberg neu zu füllen.

Im vorigen Jahr wurde der Hundesportverein informiert. Im Keller des Heimes waren noch Mauern der ehemaligen Grubenanlage zu erkennen. Sie liegen nun frei. Was sich allerdings unter der Oberfläche befindet, weiß niemand so genau.

Deswegen überwacht Dr. Peter Rosner, Geologe und Gutachter, die Arbeiten. Im Vorfeld nahmen die Fachleute Kernbohrungen vor. Meter für Meter arbeitete sich der Bohrer in die Tiefe und förderte zugleich in Abschnitten Material an die Oberfläche.

Da der Bohrer schräg ansetzte, kann man anhand der Proben erkennen, wo der Schacht beginnt und welches Gestein ihn umschließt. „Die über 200 Jahre alte Wand des Padtkohl-Schachtes ist überraschend gut erhalten“, berichtet Dr. Rosner.

Der Beweis befindet sich an der Baustelle, wo das Bodenmaterial sauber sortiert in Holzfächern liegt. Dort kann man das Mauerwerk noch gut erkennen.

Thomas Hofmann legt wert auf der Feststellung, dass von dem Schacht keine Gefahr ausgegangen ist. „Dennoch war es an der Zeit, alle Schächte noch mal anzupacken“, sagt der EBV-Geschäftsführer. Dies mache man allerdings freiwillig, um die Sicherheit zu steigern. Als der Bergbau Ende des 19. Jahrhunderts dort aufgegeben wurde, füllte man die Schächte mit Aschen und Abraummaterial. Jetzt wird der Padtkohl-Kunstschacht mit Beton verschlossen.

Lockermasse wird entfernt

Im ersten Schritt wird er in den nächsten Tagen freigelegt. Dann wird die alte Füllsäule zum Teil entleert. Die Lockermasse wird durch hochwertigen Beton ersetzt. Dieser „Pfropfen“ beginnt in etwa 15 Metern Tiefe und endet 10 Meter höher.

Der drei Mal sechs Meter große Schacht nimmt etwa 200 Kubikmeter Beton auf. Anschließend dichtet ihn eine Tonschicht ab, ehe oben nochmals Beton draufgegossen wird. Ein stabiler Betonringbalken sichert den Schachtbeginn zusätzlich.

Dieser Schutz soll vor allem verhindern, dass die schweren Baumaschinen abrutschen. „Im Bergbau ist stets ein mehrfacher Schutz gegeben“, sagt Karl-Heinz Bach, beim EBV Projektleiter für die Sicherung von Stollen.

In wenigen Wochen sollen die Arbeiten am Padtkohl-Schacht beendet sein. Dort muss lediglich ein Waldweg gesperrt werden. Bei anderen Schächten in Pumpe gestaltet sich die Arbeit aufwendiger.

Viele Schächte befinden sich auf Privatgrundstücken. Dann muss man mit dem Eigentümer sprechen. „Es ist bisher noch nicht vorgekommen, dass man sich uns verweigert hat“, berichtet Thomas Hofmann, „die Menschen haben ein natürliches Interesse an einem optimal gesicherten Schacht.“ Die Bergaufsicht und die Stadt Eschweiler wissen von jeder Maßnahme des EBV.

Die meisten Schächte und Gruben in Pumpe und in der Waldsiedlung stammen sogar aus einer Zeit, als es den Eschweiler Bergwerks-Verein noch gar nicht gab. Dann tritt das Land in die Haftung und kümmert sich um die Sicherung des Schachtes.

„Für die Schäden müssen allerdings die Eigentümer selbst aufkommen“, sagt Dr. Peter Rosner. Bei Neubauprojekten ist eine solche Sicherung Bestandteil des Bebauungsplans. Ein solches Beispiel ist das Areal am Hagedornweg.

Was nun mit der Fläche am Padtkohl-Kunstschacht passiert, steht noch nicht fest.

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