Historische Kunstschätze bereichern Severinkirche

Von: Rudolf Müller
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Aufwendig restauriert: eines der drei rund 300 Jahre alten Messgewänder, gestiftet von den Grafen von Hatzfeld.

Eschweiler. Den Grafen von Hatzfeld haben die Weisweiler es zu verdanken, dass ihre Kirche voller Kunstschätze steckt. Die Hatzfeldschen Grafen residierten von 1509 bis 1769 auf der Weisweiler Burg und haben Bevölkerung und Kirche viel Gutes getan. Eines der kostbarsten Stücke, das heute in einem alarmgesicherten Tresor der Kirche verwahrt wird, ist eine Barockmonstranz aus dem Jahr 1717.

Das jetzt 300 Jahre alte Prachtstück wurde in Augsburg gefertigt, wo die berühmtesten Gold- und Silberschmiede ihrer Zeit arbeiteten. Gestiftet wurde es vom Weisweiler Grafen Edmund Flores, der auch Reichskanzler des Deutschen Reiches war. Die Kirche selbst wurde anno 1282 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Ein im Jahre 1820 in der Kirche gefundener Balken allerdings trägt die Jahreszahl 1000.

Deutlich älter als die Augsburger Monstranz, nämlich aus dem Jahre 1529 stammend, ist ein Bruderschaftsleuchter aus Messing. Und da gibt es das „Ewige Licht“ im Rokokostil, versehen mit dem Hatzfeldwappen und gestiftet von Gräfin Ludovica Augusta.

Schätze, die jahrhundertelang ein Schattendasein fristeten, sind Messgewänder aus Goldbrokat. Paramente – so der Fachausdruck für in der Kirche und in der Liturgie verwendete, oft aufwendig künstlerisch gestaltete Textilien – an denen der Zahn der Zeit schon kräftig genagt hatte.

Das ist nun anders: Der Förderverein der Pfarrkirche St. Severin sorgte unter Federführung von Manfred Schepp und Heinz Meuter dafür, dass die wertvollen Messgewänder, allesamt rund 300 Jahre alt, dem Verstauben und Vergessen entrissen wurden und sich in Kürze in der Kirche in neuem Glanz präsentieren.

Begonnen hat die Aktion, historisch wertvolle Gewänder öffentlicher Betrachtung wieder zugänglich zu machen, bereits vor vier Jahren. Damals hatte Pfarrer Josef Wienand dem Förderverein gestattet, eine Spendenaktion zur Rettung der in Sakristeischränken verfallenden Gewänder zu starten und drei gläserne Vitrinen zu beschaffen, in denen zwei restaurierte Dalmatiken (festliche Gewänder von Diakonen) und ein Chormantel seither in der Kirche ausgestellt werden. Ein teures Unterfangen, das nur durch Spenden realisiert werden konnten. Das gilt auch für den jetzt vollendeten zweiten Teil der Rettungsaktion: Hier trugen unter anderem die Kulturstiftung der Sparkasse, die VR-Bank Region Aachen und das Autohaus Sazma durch großzügige Spenden dazu bei, dass drei weitere Gewänder akribisch restauriert werden konnten.

Die Frau, die sich auf so etwas wie kaum jemand anders versteht, ist Schwester Mirjam in der niederrheinischen Abtei Mariendonk. Rund ein halbes Jahr intensive Arbeit investierte Schwester Mirjam in jedes der drei Gewänder, brachte sie wieder in einem sehr guten Zustand. Zwei weitere allerdings waren bereits so sehr beschädigt, das sie nicht zu restaurieren waren.

Die restaurierten Prachtstücke sollen künftig dauerhaft in der Kirche ausgestellt werden. Zuvor aber sollen sie noch einmal, rund 300 Jahre nach ihrer Anschaffung, ihrem ursprünglichen Zweck dienen: Am Tag des Weisweiler Pfarrpatroziniums, am 22. Oktober, werden die den Festgottesdienst zelebrierenden Pfarrer die Gewänder tragen. Beginn der Messe ist um 11 Uhr. Im Anschluss besteht Gelegenheit, die restaurierten Messgewänder (und zum Vergleich auch die beiden nicht mehr zu rettenden Gewänder) ausführlich in Augenschein zu nehmen.

Am Patroziniums-Sonntag hat die Gemeinde übrigens noch einen weiteren Grund zum Feiern: Im Anschluss an den Gottesdienst wird das Jugendheim wiedereröffnet. Rund ein halbes Jahr lang war das Heim geschlossen – jetzt öffnet es komplett renoviert wieder seine Türen.

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