Hinz & Kunz: Ansichten über Musik aus zwei Universen

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Zwei Charaktere, zwei musikalische Welten, aber nur eine Bühnenshow – das sorgt für skurrile und witzige Ergebnisse. Hinz & Kunz bei ihrem Auftritt am Samstag im Eschweiler Talbahnhof. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Das muss man erst einmal können: auf die Bühne gehen, keinen Ton sagen und das Publikum zum Lachen und Klatschen bringen. Hinz & Kunz kriegen das hin. Genauer: Hinz kriegt es hin. Rauf auf die Bühne, Brust raus, strahlendes Lächeln, die Arme weit ausgebreitet: Applaus! Mikrophon einstellen, wieder die Arme auseinander reißen, strahlen: Applaus! Noch einmal? Aber ja. Wenn endlich Bühnenpartner Kunz müde in den Saal schlurft, hat Hinz bereits dreimal Applaus hinter sich. Ohne ein Wort gesagt zu haben.

Von diesem Gegensatz lebt die Bühnenshow des Comedy-Duos aus Köln: der eine strahlend, quicklebendig, wie aufgedreht, der andere zerstrubbelt, melancholisch, am Publikum desinteressiert. Hinz will HipHop, Kunz will Klassik. Hinz will Jubel, Kunz möchte nur nach Hause. Dass ein solches Rollenspiel auch schief gegen kann, wissen die beiden – und sie spielen damit. Dialogausschnitt von ihrem Auftritt am Samstag im Kulturzentrum Talbahnhof: „Wir haben bisher jede Hütte leer gekriegt!“ „Aber nicht mit Tony Marshall!“

„Die Hütte leer spielen“ – das ist Hinz & Kunz in Eschweiler nicht geglückt. Im Gegenteil. Zwei Zugaben erklatschten sich die begeisterten Zuhörer. Und das Prädikat: „Ihr wart ein tapferes Publikum.“ Und das zwei Stunden lang.

Beschimpfungen inklusive

Musik-Comedy ist das Etikett, das an dem Programm „Wenn Männer Musik für Frauen machen“ klebt. Kunz will natürlich gar keine Musik für Frauen machen. Er möchte, wenn überhaupt, „Mucke für Männer“ machen, „die Damen können ja gehen“. Oder noch lieber, so hat es den Anschein, das Violinkonzert von Brahms geigen, aber bitte ohne Publikum. Hinz hingegen möchte seiner eigenen Frau ein Ständchen bringen, ersatzweise allen Frauen im Publikum, und so begeben sich die beiden Musik-Clowns miteinander und gegeneinander auf die Suche nach der passenden Musik. Die daraus resultierenden gegenseitigen Beschimpfungen inklusive.

Das „Gegeneinander“ ist wörtlich zu nehmen. Immer wieder kämpfen die beiden musikalischen Multi-Talente mit Klavier, Geige, Gitarre, Bass, Ukulele, Percussion, Gesang und Schlagzeug gegeneinander an. Etwa bei „der schönsten Ballade der Welt“ – Hinz singt und spielt „Yesterday“ von den Beatles, Kunz „Georgia on my Mind“ von Hoagy Carmichael. Gleichzeitig.

Man braucht nicht einmal zwei Interpreten für diesen musikalischen Slapstick, einer allein kann das auch. Der zappelige Hinz macht es vor, mit dem von Marilyn Monroe bekannten „I wanna be loved by you“. Mit Monroe-Perücke auf dem kahlen Schädel, aber mit der Reibeisen-Stimme von – ja, von wem? Hier wird die Comedy-Show zum Musikrätsel. Louis Armstrong? Nein, der Text verrät es: „With a little drop of poison...“. Also Tom Waits.

Lästereien über Geschmack

Vor allem aber macht das Duo sich über den Musikgeschmack größerer Bevölkerungskreise lustig. Dass man Wolfgang Petrys „Wahnsinn (warum schickst du mich in die Hölle)“ mit einer derart angeekelten Miene singen ober besser gesagt runterleiern kann, wie Kunz, hätte sicher auch niemand vorher für möglich gehalten. Heftiger Beifall und Gelächter belohnte ihn.

Zu einer solchen Musik-Clownerie-Show ist ein überragendes musikalisches Können notwendig. Hinz & Kunz bewiesen es immer wieder, mal mit Hiphop und Rap, mal mit Rockmusik und Klassik. Und wenn Hinz mit virtuosem Beatboxing (das sind mit dem Mund imitierte Schlagzeugrhythmen) vorlegte, dann zog Kunz mit rasend schneller Geigenmusik nach. Um sich anschließend unter dem Jubel der Zuhörer über das höllische Tempo zu beschweren.

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