Eschweiler - Hinsehen statt wegschauen: Ausstellung im Librodrom rüttelt auf

Hinsehen statt wegschauen: Ausstellung im Librodrom rüttelt auf

Von: mic
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Im „Librodrom” sind derzeit großformatige Portraitaufnahmen von schwerkranken Kindern ausgestellt, die der Verein „Bunter Kreis” begleitet. Das Bild zeigt (v.l.) Stefanie Becker, Volker Pöhlsen, Hannelore Wolter, Dr. Jürgen Oppelt und Monika Janssen. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Es sind „Augen.Blicke”, die haften, in Erinnerung bleiben. Mit sehr viel Gefühl hat die Stolberger Fotografin Stefanie Becker für den Verein „Bunter Kreis in der Region Aachen” beeindruckende Portraits von Kindern geschaffen, deren Leben und damit auch das ihrer Familien durch eine Krankheit schwer beeinträchtigt ist.

Mit der sehenswerten Ausstellung in der Buchhandlung „Librodrom” an der Marienstraße will der Verein auf seine Arbeit aufmerksam machen. Darf man hingehen und das Schicksal schwerkranker Kinder und ihrer Familien zum Thema einer Kunstausstellung machen? Wer die Portraits von Stefanie Becker gesehen hat, weiß: Es ist gut und hilfreich.

Die Ausstellung, so formulierte es Dr. Jürgen Oppelt, der lange in Eschweiler als Kinderarzt praktizierte, soll die Menschen dazu bewegen, „hin- und nicht wegzugucken.” Eine weitere Aufgabe der Wanderausstellung sei es, den „Bunten Kreis” bekannter zu machen.

Nur etwa ein Drittel der Kosten werde durch die Krankenkassen abgedeckt. „Das andere muss gesponsert, ja erbettelt werden.” Jürgen Oppelt schilderte eindrucksvoll, wie überfordert, ja hilflos die Familien, häufig aber auch die Kinderärzte sind, wenn die Kinder nach entsprechender Diagnose und oft langen Krankenhausaufenthalten nach Hause kommen. „Nichts ist mehr so, wie es war. Die Familie braucht Hilfe, der Arzt braucht Hilfe.” Hier setzt der „Bunte Kreis” an, der den Familien bei dem oft schwierigen Übergang von der stationären Behandlung auf dem Weg nach Hause zur Seite steht.

Volker Pöhlsen, Vorsitzender des Vereins, und Monika Janssen (Leitung) skizzierten bei der Ausstellungseröffnung am Samstag kurz die Arbeit des Vereins, der auf so genanntes „Case-Management” (Fallmanagement) setzt. Aufgabe der Case-Managerinnen - allesamt Intensivkrankenschwestern mit Zusatzausbildung -, ist die möglichst optimale Abstimmung aller Behandlungsmaßnahmen im medizinischen sowie psychosozialen und sozialrechtlichen Bereich. Ziel sei es, „die für die jeweilige Familie notwendigen Maßnahmen zu organisieren und kompetente Helfer aus allen Bereichen, in denen Hilfe notwendig ist, zu vernetzen”.

Volker Pöhlsen: „Wir pflegen nicht, wir helfen nur.” Er dankte am Samstag zum einen dem „Librodrom” in Person von Geschäftsführerin Hannelore Wolter, dafür, dass die Fotografien in der Buchhandlung ausgestellt werden. Zum anderen bedankte er sich bei Albert und Petra Röllicke. Die Eschweiler Familie gehört zu den Sponsoren des „Bunten Kreises” und hat die Ausstellung nach Eschweiler vermittelt. Stefanie Becker erzählte am Samstag kurz von der Arbeit mit den Kindern. Auch wenn es nicht immer einfach gewesen sei: „Es hat sehr viel Freude gemacht.”

Die Fotografin hat in jeweils zwei Portraits Momente der betroffenen Kinder festgehalten - zwei Portraits, denn auch Krankheit hat zwei Gesichter: „Die Kinder setzen ihre individuellen Stärken beeindruckend ihren Einschränkungen entgegen”, heißt es in einem Begleittext zur Ausstellung. Die großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos, die dezent zum Sepiabraun tendieren, sind durch kurze Texte ergänzt, in denen die Kinder beziehungsweise ihre Familien zu Wort kommen.

So sagt die 16-jährige Elisa über sich: „Das kann ich gut: Ich arbeite gern am Computer, da ich ihn gut bedienen kann und er mir viele Möglichkeiten bietet. Das fällt mir schwer: Ich kann meine Beine wenig bewegen und nicht laufen oder stehen. Außerdem kann ich bei einer Erkältung nicht selbständig husten und brauche dazu Unterstützung, manchmal auch von Geräten.”

Ausstellung bis zum 4. April zu sehen

Die Ausstellung „Augen.Blicke” ist noch bis Sonntag, 4. April, während der Öffnungszeiten im „Librodrom” zu sehen. Hier liegen auch Flyer aus, die die Arbeit des „Bunten Kreises” vorstellen.
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