Herzlich lachen über die Macken der Männer

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Sie sorgten für Begeisterung im Kulturzentrum Talbahnhof: von links der Musiker Feri Németh mit seiner Lebensgefährtin Renate Lock, der Buchhändler und Rezitator Jörg Drescher und die Moderatorin Biggi Müller.

Eschweiler. Natürlich haben auch die Männer im Saal gelacht. Nicht immer so aus vollem, übersprudelndem Herzen wie die Damen, die ohnehin die klare Mehrheit stellten am Mittwochabend im Kulturzentrum Talbahnhof. Die Männer lachten mehr so verkniffener. Es sah ein wenig aus wie: „Ertappt!”

„Frauen sind eitel! Männer? Nie!” war das Motto für ein Programm mit Dialogen, Gedichten und Geschichten bekannter Autoren, das der Eschweiler Buchhändler Jörg Drescher erstellt hat und das er gemeinsam mit der Sprecherin und Rundfunk-Moderatorin Biggi Müller und bei einigen Dialogen auch mit dem Hausherrn, Kulturwirt Walter Danz, präsentierte.

Feri Németh spielte dazu am Klavier leicht verjazzte schräge Barmusik, eine oft ironische Auswahl von Musikstücken, die von „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt” bis „Das bisschen Haushalt...” reichte.

„Frauen sind eitel! Männer? Nie!” ist der Titel einer Geschichte, die Kurt Tucholsky 1928 für die Vossische Zeitung geschrieben hat. Natürlich las Jörg Drescher - mit ebenso sparsamen wie eindrucksvollen Gesten und mit einem Hauch von Süffisanz in der Stimme - diese Szene vor: Wie da ein Mann, in einem Hotelzimmer nackt vor einem Spiegel stehend, sich von der anderen Straßenseite her durch eine Frau beobachtet wähnt.

Wie er beginnt, sich wie ein Pfau zu spreizen, wie er posiert und sich zugleich geniert. Bis er am Schluss merkt, dass die Beobachterin im Fenster gegenüber nur ein Stuhl mit Mantel nebst einer Zimmerpalme ist.

Der oftmals gar nicht so kleine Unterschied zwischen Mann und Frau - das Thema ist auch literarisch unerschöpflich. Jörg Drescher und Biggi Müller hatten eine treffsichere und vor allem witzige Auswahl aufbereitet: Sketche von Loriot und dem Schauspieler-Ehepaar Minja und Sky du Mont, Dialoge und Geschichten von Kurt Tucholsky, zwei Anekdoten des Dürener Autors Dieter Hermann Schmitz („Oma Jertrud”), am Schluss ein Gedicht von Erich Kästner...

Besonders vergnüglich wurde der Abend, weil alle drei - Biggi Müller, Jörg Drescher und Walter Danz, der die Loriot-Sketche mit gestaltete - wunderbar rezitieren und schauspielern können. Da sorgte schon der Tonfall, in dem Biggi Müller eine mal bittende, mal entrüstete, mal genervte Ehefrau spielte, für anhaltendes Gelächter im voll besetzten Saal des Talbahnhofs.

Und ist es nicht wirklich erheiternd und befreiend zugleich, zu merken, dass auch andere Menschen (das heißt: auch andere Frauen) über diese kleinen Macken der Männer stöhnen, die imstande sind, fünf Minuten lang vor dem Kühlschrank zu stehen und den Joghurt zu suchen, der sich direkt vor ihrer Nase befindet?

Dass der Saal komplett gefüllt war, freute ganz besonders Karoline Pinkert, die Landesvorsitzende des Vereins „LF-Lernen fördern e.V.”, der in Eschweiler eine Werkstatt zur Integration und Ausbildung von Menschen mit Lernbehinderungen unterhält.

In einer Schlosserei, einer Schneiderei und einer Werkstatt für Gartenbau und Hausdienstleistung sind zwölf behinderte Mitarbeiter beschäftigt. Dieser Verein ist Nutznießer des Benefizabends am Mittwoch im Talbahnhof. Alle Akteure traten kostenlos auf, Gastwirt Danz verzichtete auf Saalmiete. Auch mehrere Firmen hatten sich als Sponsoren zur Verfügung gestellt.

Bürgermeister Rudi Bertram hatte die Schirmherrschaft übernommen und freute sich über die vielen Besucher. Der Reinerlös des Benefizabends soll dem Verein „Lernen fördern” helfen, weitere Arbeitsplätze einzurichten.
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