Herz für Kinder aus Tschernobyl

Von: Stefan Schaum
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Kinder liegen ihm am Herzen: Für seinen Einsatz für die jüngste Generation der Strahlenopfer von Uljanovo soll Otto Stöcker (Mitte, rechts), Vorsitzender des Alsdorfer Vereins „Helft den Tschernobyl-Kindern”, den Europäischen Sozialpreis des Eschweiler Europavereins erhalten. Angetragen hat ihn dessen Präsident, Peter Schöner (Mitte, links) im Alsdorfer Rathaus. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf/Eschweiler. Dass sie viele Wunden mit sich tragen, sieht man den Kindern nicht an. Die Kleinen lachen viel, wirken unbeschwert. Dass einigen von ihnen das Laufen Schmerzen bereitet, dass das Immunsystem bei anderen geschwächt ist oder sie an Tumoren leiden - all das soll hier und jetzt kein Thema sein. Sie genießen einfach die Zeit, die ihnen in Deutschland bleibt.

Vier Wochen sind es, immerhin. Es ist eine wichtige Auszeit weit weg von daheim, vom russischen Bezirk Uljanovo, 300 Kilometer südwestlich von Moskau. Dort, wo 1986 nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl radiokativer Niederschlag niederging und die Folgen der Katastrophe bis heute spürbar sind. Seit 2004 setzt sich Otto Stöcker als Vorsitzender des Alsdorfer Vereins „Helft den Tschnernobyl- Kindern” dafür ein, dass die Kinder einen Teil ihrer Schulferien in der Aachener Region verbringen können.

„Diese Zeit gibt den Kindern unheimlich viel. Hier können sie mal abschalten und Kraft tanken”, sagt der 59-Jährige. Von Juni bis August betreut er mit seinen ehrenamtlichen Mitstreitern drei Gruppen zu je rund 100 Kindern. Jeweils vier Wochen bleiben die Gäste, besuchen Spielplätze und Museen, sind einfach mal bloß Kinder.

Armut und Krankheit

„Daheim ist die Armut groß”, sagt Stöcker, „viele Eltern sind Bauern und ernten auf Feldern in verstrahlter Umgebung.” Die Folgen seien auch in der jüngsten Generation deutlich: „Die Kinder sind häufiger krank, haben ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko. Auch psychisch ist die Belastung des Lebens in der Region enorm”, sagt Stöcker.

Sein Engagement will jetzt der Europaverein GBP würdigen, der seinen Sitz in Eschweiler hat. Im Alsdorfer Rathaus hat Vereinspräsident Peter Schöner dem Ehrenamtler den Europäischen Sozialpreis angetragen. Verliehen werden soll die Auszeichnung am Mittwoch, 3. Oktober, um 16 Uhr im Eschweiler Rathaus. Beim Besuch im Alsdorfer Ratssaal würdigte Alsdorf Bürgermeister Alfred Sonders Stöckers Engagement. „Man kann kaum ermessen, wie viel Liebe und persönlicher Einsatz hinter solch einer Aufgabe stecken. Das verdient eine besondere Auszeichnung.”

Seit 1997 verleiht der Euopaverein den mit 1000 Euro dotierten Preis. Stöcker will ihn nutzen, „künftig noch mehr auf die Situation der Kinder in Uljanovo hinzuweisen und ihnen zu helfen.” Diese Hilfe ist nicht auf die Ferienzeit beschränkt. Im Oktober soll erneut ein Transportflug nach Uljanovo starten. An Bord: Unverseuchte Lebensmittel im Wert von gut 18000 Euro. In Schulen, Waisenhäusern und Kindergärten will Stöcker sie verteilen. Im November dann muss er sich mühen, auch für das kommende Jahr in der Region Gasteltern für die Kinder zu finden.

Es gibt immer etwas zu tun. „Ich bin nur einer von vielen”, sagt Stöcker, der den Preis seinen Mitstreitern in dem 1992 in Alsdorf gegründeten Verein und dem seit 1991 in Eupen ansässigen Partnerverein „Eine Hand für Tschernobyl-Kinder” widmen möchte.
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