Eschweiler - Hermann Hesse: Details über einen Fantasten, Mahner und Vordenker

Hermann Hesse: Details über einen Fantasten, Mahner und Vordenker

Von: ran
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Elke Schlösser
„Hesse und Schlösser gehen immer“, meint Referentin Elke Schlösser. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Nationalismus war ihm wesensfremd. Die Überwindung des Krieges sah er als das höchste Ziel abendländisch-christlicher Gesinnung an. Als pazifistisch denkender Mensch appellierte er vor allem an die Eigenverantwortung jedes einzelnen Mitmenschen.

Zeitlebens gab der bewusst parteilose Schriftsteller, der im Jahr 1946 den Literatur-Nobelpreis erhielt, vor, unpolitisch zu sein. Seine unglaublich umfangreiche Korrespondenz mit Schriftstellerkollegen, Freunden und Briefpartnern beweisen das Gegenteil: Für Hermann Hesse (1877 - 1962), der mit weltweit über 120 Millionen verkaufter Bücher zu den meistgelesenen deutschen Autoren zählt, führten die tiefgreifenden Erschütterungen des Ersten Weltkriegs zu einem politischen und gesellschaftskritischen Erwachen auch als Autor.

Sein im August 1914 verfasster und Anfang November des gleichen Jahres in der „Neuen Zürcher Zeitung“ veröffentlichter Text mit dem Titel „O Freunde, nicht diese Töne!“, mit dem er sich vor allem an zahlreiche Künstlerkollegen wendet, die sich im Vorfeld und zu Beginn des Ersten Weltkriegs kriegshetzerisch geäußert hatten, war der Ausgangspunkt für Referentin Elke Schlösser, sich im Rahmen des fünften „Hesse-Abends“ in der Buchhandlung Oelrich & Drescher dem politischen Handeln des Schriftstellers, zu dessen bedeutendsten Werke die Romane „Demian“, „Siddharta“ und „Der Steppenwolf“ gehören, zu widmen.

„Die politischen Reflexionen Hermann Hesses, die in dessen Essays, Briefen und Artikeln deutlich werden, sind grundsätzlich bedenkenswert und nicht zuletzt auch erstaunlich und erschreckend aktuell“, unterstrich die Indestädterin Elke Schlösser zu Beginn ihrer Ausführungen.

So stellt der im württembergischen Calw geborene Autor im zuvor genannten Zeitungsartikel die Frage, ob es die Aufgabe von Dichtern, Künstlern und Journalisten sein könne, das Schlimme zu verschlimmern? Krieg sei seit Beginn der Menschheit deren ständiger Begleiter gewesen. Nur die in Europa außergewöhnlich lange Friedensphase vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs habe zu einer unheilvollen Gewohnheit geführt. „Parallelen zur Gegenwart?“, fragte Elke Schlösser in die Runde ihrer Zuhörer. Unübersehbar!

Und die damaligen Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit auf die Veröffentlichung des in der Schweiz lebenden Literaten? „Hermann Hesse wurde als Vaterlandsverräter und als Gesinnungslump beschimpft“, wusste Elke Schlösser zu berichten.

Ein Umstand, mit dem der Kriegsgegner und Antinationalist immer wieder konfrontiert wurde. Als der Nazi-Gegner Hermann Hesse nach Ende des Zweiten Weltkriegs, warum auch immer, auch noch auf eine sogenannte Schwarze Liste der Amerikaner gesetzt werden sollte, nahm er diese Entwicklung gelassen hin: „Ich bin daran gewöhnt, den Mächtigen immer ein Dorn im Auge gewesen zu sein“, so sein lapidarer Kommentar.

Trotzdem sei der Kulturpessimist im Grunde von einer Menschheitsliebe getrieben worden. „Er war gegen das, was Menschen tun, nicht aber gegen die Menschen“, unterstrich Elke Schlösser, die immer wieder in den warnenden Worten Hesses auf Parallelen zur aktuellen politischen Situation hinwies. „Wohin politische Hetze führt, wissen wir ganz genau. Wobei der Tat immer die Verrohung der Sprache vorausgeht!“

In dem im August 1917 veröffentlichten Text „An einen Staatsminister“ wirft der spätere Nobelpreisträger diesem imaginären Verantwortungsträger vor, dass seine Worte der Menschlichkeit entbehrten. „Sie müssen doch die Nutzlosigkeit des Krieges einsehen!“, so die eindringlichen Worte. Dies nicht zu tun, müsse folgende Gründe haben: „Sie haben zuletzt zu wenig Musik gehört, zu selten in der Bibel gelesen und Gedichten gelauscht!“ Dies nachzuholen, bedeute die Rückkehr zur wahren Wirklichkeit. „Ein Tag Krieg kostet mehr, als alles, was er wert ist“, so die Schlussfolgerung Hesses.

Hesses Verwurzelung in unterschiedlichste Kulturen, die von Württemberg und die Schweiz über Estland, Russland und Großbritannien bis nach Indien reichte, habe bei ihm zu einem tief sitzenden Misstrauen gegenüber Landesgrenzen sowie zur Liebe zu menschlichen Fähigkeiten, diese zu überwinden, geführt. „Er war ein Fantast, dem Heimat mehr bedeutete als Nation!“, brachte es die Referentin auf den Punkt.

Schon früh habe Hermann Hesse die Gefahr erkannt, die das Erstarken der Nationalsozialisten für Deutschland und die Welt mit sich brachte. Als Reaktion darauf begann er 1931 mit den Vorbereitungen für sein letztes und umfangreichstes Werk „Das Glasperlenspiel“, das schließlich 1943 in zwei Bänden erschien. In diesem Roman entwirft der Autor eine Gegenwelt gegen alle diktatorischen Systeme. Elke Schlösser bilanzierte: „Für ihn war stets klar, dass das persönliche Gewissen höher steht als die Gefolgschaft jeglicher politischer Richtung.“

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