Eschweiler - Herbstfest: Großartige Kleinkunst im Talbahnhof

Herbstfest: Großartige Kleinkunst im Talbahnhof

Von: cheb
Letzte Aktualisierung:
15656338.jpg
„Fats Jazz Cats“ schlossen die Veranstaltung perfekt ab. Foto: Christian Ebener
15656351.jpg
Felix Janosa pointierte das Zeitgeschehen in seinen Songs perfekt. Foto: Christian Ebener

Eschweiler. „Was ist Kleinkunst?“, fragte Dr. Eberhard Schneider bereits zu Anfang des Herbstfestes. Ist Kleinkunst unbedeutend, eben „klein“? Muss sie sich hinter der Großkunst verstecken? Natürlich waren diese Fragen rein rhetorisch, denn das Publikum im prallgefüllten Talbahnhof wusste ja, welche großartigen Künstler die Kleinkunst zu bieten hat, der im Talbahnhof seit über 20 Jahren eine erfolgreiche Heimat geboten wird.

Bei der kostenfreien Veranstaltung des Fördervereins Talbahnhof gab es einen Einblick in die verschiedensten Formen der Kleinkunst, die allesamt das Publikum in ihren Bann zogen. Schneider, der als Moderator durch den bunten Nachmittag führte, war begeistert von den über 150 Gästen, die durch Spenden, Losverkäufe und natürlich auch Verzehr des Bistroangebotes dem Förderverein neue Mittel ermöglichte, um weiterhin den Talbahnhof am Leben zu erhalten, der sich als kultureller Mittelpunkt der ganzen Stadt etabliert hat.

Auch von „ganz oben“ gab es Unterstützung, denn pünktlich zum Start um 15 Uhr strahlte auch die Sonne durch die Fenster hinein und auf die hell erleuchtete Bühne. Mit herzlichem Dank an die 300 Mitglieder des Fördervereins, einer der größten seiner Art im Rheinland und mit berühmten Vertretern wie Dieter Nuhr und Konrad Beikircher, eröffnete er das Programm an diesem „traditionellen Nachmittag“. Nicht ohne zu betonen, dass das Gastroteam und sämtliche Künstler sich auch an diesem Tag wieder ehrenamtlich in den Dienst des Fördervereins stellten.

„Ne baschtisch wracke Wönk“

Den Auftakt des Programms machte ein alter Bekannter in der Region. Jupp Hammerschmidt war aus der kalten Eifel angereist. Genauer gesagt aus seinem Heimatort Höfen, aus dem er auch zahlreiche Geschichten im Gepäck hatte. „Ne baschtisch wracke Wönk“ herrsche dort nämlich – ein ziemlich kalter Wind, wie er dem Publikum so gleich erklärte. Egal ob es um den ungeliebten Nachbarort Kalterherberg, die Unterschiede zwischen Rheinland und Eifel oder seine 15 Schwester ging – Hammerschmidt schaffte es wie immer, die Pointen am richtigen Punkt zu setzen und bewies, dass auch die wortkargen Eifeler durchaus viel zu sagen haben. Ob als Schreiber im Poesiealbum oder als Zöpfeflechter der Schwestern, Hammerschmidt ist ein Mann der vielen Talente. Auch gesanglich zeigte er sein ganzes Können mit einer beherzten Hymne auf seine Heimat, mit der er sich vom Publikum verabschiedete.

Musikalisch-humoristisch sollte es auch im Anschluss werden. Felix Janosa verbindet in seinem Programm „Giftschrank – alles muss raus“ in perfekter Kabarettmanier Gesang und Witz, um das Zeitgeschehen aufs Korn zu nehmen. Am Klavier zeigte er sich virtuos und beeindruckte mit einer Rückschau auf 2017. Von ernsten Themen, wie der atomaren Aufrüstung und dem Klimawandel, bis hin zu Tattoos und Bildung – alles war Ziel seiner gekonnt aufgebauten Lieder, die den alltäglichen Wahnsinn gekonnt darstellten und das Publikum mit Stoff zum Nachdenken in die Pause entließen.

Ganz anderer Art war dann der Beitrag von Manfred Leuchter. Der Akkordeonspieler aus Würselen ist weit durch die Welt gereist und hat an allen Ecken der Welt – von Syrien bis Tansania – seine Eindrücke musikalisch fühlbar gemacht. Mit Witz und Humor kündigte er seine Lieder an, die er perfekt auf seinem handgefertigten Akkordeon dem Publikum darbrachte. Mit Gedanken an die Opfer der Kriege in der Dritten Welt, sollte es nicht nur Unterhaltung sein, sondern auch mahnende Geste für die Dinge, die außerhalb der geschützten Welt Mitteleuropas passieren. Kaum ein Künstler versteht so gut diese Erfahrungen und Aussagen an diesem Instrument in Einklang zu bringen und gleichzeitig eine so positive Ausstrahlung auf der Bühne zu haben.

Einen kleinen Dämpfer musste Schneider jedoch im Anschluss verkünden, denn der angekündigte Kabarettist Kalle Pohl saß am Münchener Flughafen fest. Doch auch da ließ sich das Team des Fördervereins nicht aus dem Konzept bringen und brachte Kulturwirt Walter Danz mit einer Lesung auf die Bühne.

Der Text „Im Paradies“, über eine alternative Geschichte von Adam und Eva fand genauso großen Anklang wie eine Erzählung über Pubertät. Ein Kusstraining mit der auf Spanholz aufgeklebten Nena aus dem Bravo-Starschnitt erntete dabei große Lacher und ließ so manchen Gast auch an die eigene Jugend denken.

Schließlich fand noch vor dem großen Abschluss die Tombola mit zahlreichen gestifteten Gewinnen statt. Der Hauptgewinn einer Jahreskarte für den Talbahnhof ging dabei nach Hergenrath/Belgien, was zeigte, dass dieses Event auch Besucher in der ganzen Region anzieht.

Den Schlusspunkt setzten „Fats Jazz Cats“: „Fats“ Lumma entführte das Publikum mit seinem Quartett in die wiederbelebte Jazzszene der Metropole New Orleans und sorgte mit tollen Tönen für den optimalen Ausklang des bunten Nachmittags. „We love to be here with you“ war dabei nicht nur ein Song, sondern auch das Motto der Band.

„Wir lieben den Talbahnhof“, sagte Lumma und das gilt wohl für alle Künstler, die hier ihre Unterstützung zusagten. Fast alle sind auch im zukünftigen Programm des Talbahnhofs wieder mit ihren kompletten Auftritten zu Gast und hoffen auch, dass die zahlreichen Besucher dann wieder den Weg in das Kulturzentrum im Herzen der Indestadt finden.

„Kleinkunst ist, mit wenigen Mitteln, etwas Tolles zu machen“, resümierte Schneider. Auf wie vielen grandiose Wegen das möglich ist wurde im Talbahnhof einmal mehr bewiesen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert