Herbstbeginn: Auf die Pilze, fertig, los!

Von: Nina Leßenich
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Reiche Ausbeute: Dank des feuchten Sommers lässt sich auch in den Eschweiler Wäldern eine Vielzahl verschiedener Pilizsorten finden. Foto: Stock
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Pilze soll man vorsichtig abdrehen oder direkt über dem Boden abschneiden: So schützt man ihr empfindliches Wurzelwerk. Foto: Nina Lessenich

Eschweiler. Der nasse Sommer hat auch positive Seiten: Der feucht-warme August war für das Pilzwachstum ideal und so sprießen derzeit auch in den Eschweiler Wäldern zahlreiche Fruchtkörper sprichwörtlich aus dem Boden.

Über die guten Bedingungen freuen sich jedoch nicht nur Champignons oder Steinpilze: Auch Giftpilze haben jetzt Hochkonjunktur. Wer sich nicht auskennt, sollte daher auf die Pilzjagd verzichten. Das gilt nicht für Tatjana Siemanowsky. Bereits im Alter von zehn Jahren ging die Eschweilerin gemeinsam mit ihrer Mutter im Eschweiler Stadtwald Pilze sammeln. „Meine Mutter kannte fast alle Pilze mit Namen”, erinnert sich die heute 44-Jährige.

Wenn die Pilzsaison begann, machten sie sich am Wochenende regelmäßig auf den Weg in den Wald: bewaffnet mit einem Pilzkörbchen und einem Rucksack voll mit Proviant. „Wir waren machnmal den ganzen Tag lang im Wald unterwegs”, erzählt Siemanowsky. „Auf eine bestimmte Sorte Pilze spezialisiert haben wir uns aber nie. Am Ende des Tages hatte meist jeder ein Körbchen voll mit verschiedenen Pilzsorten.”

Finden könne man in den Eschweiler Wäldern nahezu alle Sorten: egal ob Steinpilz, Birkenpilz, Rotkappe, Butterpilz, Schopftintling, Stockschwämmchen, klassischer Champignon oder Hallimasch. „Besonders gerne bin ich immer noch im Stadtwald unterwegs. Oder mit meinem Hund am Blausteinsee. An beiden Orten wird ein Spaziergang eigentlich immer mit guter Ausbeute belohnt”, meint die Eschweilerin.

Einfach mit dem Messer losziehen und an Pilzen ins Körbchen werfen, was man findet, darf man aber nicht. Das weiß auch Eschweilers neuer Förster Marco Lacks. Sammeln dürfe man nach Bundesnaturschutzgesetz nur bestimmte Pilze. Und zwar solche, die nicht als geschützte Art geführt werden. Allerdings gebe es einige Arten, die nach Bundesartenschutzverordnung von dieser Beschränkung ausgenommen seien. Die Ausnahmeregelung betrifft Steinpilze, Pfifferlinge, Birkenpilze sowie Rotkappen, den Brätling und Morcheln. Diese und nicht als besonders geschützt eingestufte Pilzarten, wie der Champignon, dürften grundsätzlich gesammelt werden: allerdings nur in einer „haushaltsüblichen Menge”. „Sammeln darf man nur so viel, wie man selbst verzehren kann”, erklärt Lacks. „Wir sprechen hier also von einer Menge von maximal zwei Kilogramm pro Person pro Tag.”

Nach dem Tod ihrer Mutter riss Tatjana Siemanowskys Leidenschaft zum Pilzesammeln zunächst ab: bis vor zwei Jahren. „Ich war mit meinem Schäferhund im Wald unterwegs und habe dort am Wegrand den ersten Birkenpilz entdeckt. Da war mein Jagdfieber plötzlich wieder erweckt”, sagt sie. Am gleichen Tag sammelte sie zahlreiche Birken- und Butterpilze sowie zwei große Steinpilze. „Abends gab‘s dann ein leckeres Pilzgericht mit Rührei und Speck. Da war dann auch mein Mann begeistert”, berichtet sie lachend.

Wer in diesem Jahr selbst in den Wald gehen möchte, um sich auf die Suche zu begeben, der muss neben der begrenzten Sammelmenge auch einige weitere Regeln beachten. „Grundsätzlich darf man nur in Wäldern sammeln”, mahnt Konrad Hecker. Der Forstamtsleiter des für Eschweiler zuständigen Regionalforstamts Rureifel-Jülicher Börde weiß: „Das Betreten von Naturschutzgebieten oder Fauna-Flora-Habitaten, speziellen europäischen Schutzgebieten, ist strikt verboten.” Egal wo man sich auf die Suche mache, solle man stets darauf achten, die Natur nicht zu zerstören. Nicht nur auf die richtige Zeit zum Pilzesammeln komme es daher an, auch die richtige Technik sei entscheidend.

„Pilze müssen vorsichtig abgedreht oder direkt über dem Boden abgeschnitten werden“, erklärt Hecker. Nur so könne man sicher sein, das empfindliche Wurzelwerk der Pilze nicht zu zerstören. „Pilze sind ein wichtiges Mitglied im Ökosystem Wald. Sie erschließen als Destruenten zum Beispiel wichtige Nährstoffe für die Bäume. Um den Wald zu schützen, muss der Pilzbestand also unbedingt ebenfalls geschützt werden.“

Auch dürfe man nicht zu jeder Uhrzeit auf Pilzjagd gehen, sagt der Experte. „Viele Leute rennen schon morgens im Dunkeln in den Wald, um die ersten Sammler zu sein”, berichtet er aus Erfahrung. Genau das solle man jedoch vermeiden. Dem pflichtet auch Förster Marco Lacks bei. „Früh morgens ist das Wild sehr aktiv, bei uns ist das hauptsächlich das Rehwild. Wenn Rehe von Sammlern aufgeschreckt werden, können die Tiere bei der Flucht zum Beispiel vor Autos laufen. Und das will ja wirklich niemand”, sagt der Förster. Die beste Zeit zum Pilzesammeln sei laut Konrad Hecker deshalb ab dem späten Vormittag, „Von zehn bis etwa 17 Uhr stört man die wenigsten Tiere. Und sieht vor allem, wo man selbst hinläuft. Das dient auch der eigenen Sicherheit”, sagt der Experte und lacht.

Um der eigenen Sicherheit willen solle man auch unbedingt nur solche Pilze sammeln, die man mit absoluter Sicherheit bestimmen könne. Das hat auch Tatjana Siemanowsky schon früh von ihrer Mutter gelernt. „Pilze, die meine Mutter und ich nicht kannten oder bei denen wir uns nicht absolut sicher waren, haben wir am Abend mit der Hilfe von Pilzbüchern immer genau studiert. Im Zweifelsfall haben wir sie dann lieber entsorgt. Viele Pilze haben giftige Doppelgänger, die man kaum vom gesuchten Pilz unterscheiden kann: Da muss man ganz vorsichtig sein!”

Wie wichtig die genaue Kenntnis über die unterschiedlichen Pilzsorten beim Sammeln ist, weiß auch Konrad Hecker und rät Laien ganz klar davon ab, sich eigenständig auf die Pilzsuche zu machen. Die Gefahr, aus Unwissenheit versehentlich Giftpilze zu sammeln und an einer Pilzvergiftung zu erkranken, sei zu hoch. „Das Risiko sollte man nicht eingehen“, sagt Hecker.

Wer sich jedoch wie Tatjana Siemanowsky auskennt und sich bei der Bestimmung der Pilzsorten sicher ist, der könnte in diesem Jahr noch bis Ende Oktober erfolgreich Pilze sammeln. „Wenn das Wetter gut bleibt und wir tagsüber weiterhin Sonnenschein haben, dann kann es für Pilzfans wahrhaftig ein Goldener Oktober werden”, meint Hecker.

Für leidenschaftliche Pilzsammler wie Tatjana Siemanowsky eine tolle Aussicht. „In Pilzreichen Jahren wie diesem hat meine Mutter die Pilze eingeweckt und später eingefroren. An Weihnachten gab es dann bei uns immer köstliche Pilzgerichte”, erinnert sie sich.

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