Herausragendes Quartett im Talbahnhof

Von: mah
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Drei Powerfrauen und ein Könner am Klavier: Das Publikum kam voll auf seine Kosten. Foto: Manuel Hauck

Eschweiler. Außergewöhnliche Damen kündigte Pianist Christian Christl im Kulturzentrum Talbahnhof an und versprach nicht zu viel, als drei der herausragendsten Stimmen des klassischen Blues die Bühne enterten.

Mit ihrem über zweistündigen Programm begeisterten die drei Powerfrauen Angela Brown, Gina Dunn und Scarlett Andrews mit Gesang und Witz unter musikalischer Begleitung von Christian Christl am Piano.

Ohne große Vorrede eröffnete Christl am Piano und gab einen musikalischen Vorgeschmack auf das, was der Abend noch bringen würde. Als gelungener Eisbrecher konnte er das Publikum gleich einfangen und stellte seine erste Mitstreiterin vor. Gina Dunn, gebürtige Texanerin, die bereits mit Größen wie Michael Jackson und Whitney Houston auf einer Bühne stand, lernte er in den 1990er Jahren kennen.

Mit „Evil Gal“ gab Dunn den ersten stimmlichen Beitrag, der ihre kraftvollen, aber doch sanften Wurzeln im Soul zu erkennen gab. Dunn nahm an dem Tisch Platz, an dem sich die drei Sängerinnen an diesem Abend noch die eine oder andere Neckerei erlaubten.

Christl stellte Scarlett Andrews vor, der er nach ihrem Kennenlernen vorschlug, zweideutige Bluessongs zu interpretieren. Andrews mag es, mit einem Augenzwinkern durch die Blume zu sprechen und überraschte mit dem Klassiker „Dream a little dream of me“ von Ella Fitzgerald mit einer hauchzarten Stimme à la Marilyn Monroe. Auf sie folgte Angela Brown – The brown Angel from Chicago – als dritte und letzte Blueslady des Abends.

Die preisgekrönte Sängerin zog das Publikum mit ihrer rassigen und stimmgewaltigen Art in den Bann. Gleich bei seiner ersten Begegnung mit Brown bei einem ihrer Konzerte war Christl von ihr fasziniert, da das Mikrofon versagte und sie vor den rund 1000 Zuschauern weiter sang, ohne dass man einen Unterschied gemerkt habe. Mit Brown spielte Christl mehr als 1000 Konzerte, seit sie Mitte der 1980er Jahre durch ganz Europa tourten.

Die drei Damen zu vereinen, die Idee hatte Christl schon etwas länger, doch im Februar war es dann soweit, nachdem Brown, Dunn und Andrews ohne zu zögern seinem Projekt zugesagt hatten. Für die bevorstehenden Live-Konzerte „Ladies sing the Blues“ trafen die drei Sängerinnen und Christl das erste Mal zur Aufnahme der gleichnamigen CD im Tonstudio aufeinander und verstanden sich, so Christl, auf Anhieb gut.

Um keine Routine einschleifen zu lassen und spontane Konzertmomente zu schaffen, touren Christl und seine drei Bluesladies mit ihrem Programm nicht an einem Stück, sondern in unregelmäßigen Abständen durch die Bundesrepublik und variieren dabei schon einmal das ein oder andere Lied.

Harmonische Darbietung

Nach ihren Soli fanden die Sängerinnen dann im Talbahnhof mit „Ready for me“ zueinander. Trotz der verschiedenartigen Stimmen, boten sie eine harmonische Darbietung und der Small Talk konnte beginnen. In den folgenden Soli und Duetten kommunizierten Brown, Dunn und Andrews spielerisch miteinander und tratschten über Männer, während der Hahn im Korb, Christian Christl dies am Piano über sich ergehen ließ.

Nach kurzer Pause, in der die Musiker mit dem Publikum im und vor dem Talbahnhof ins Gespräch kamen, übernahm Christl wieder das Ruder und bewies auch alleine seine Qualitäten. Dabei brachte er mit „Pinetop Boogie Woogie“, aufgrund seiner Rhythmik und Schnelligkeit der erste Boogie, die ersten Paare im Publikum zum Tanzen.

Aufgeheizt vom ältesten Boogie boten Brown und Andrews zwischen energiegeladen und samtweich ein kontrastreiches Stück, ehe Erstere in einem Soli ihr ganzes Temperament entlud und bei „Stagger Lee“ zum Mitsingen einlud. Daraufhin löste Dunn sie ab und zeigte eine weitere sentimentale Facette des Blues, aber auch Christl scheute nicht, Leroy Brown, den gefährlichsten Mann in Southside Chicago, zu besingen.

Zum Schluss sollten es alle mit dem „Singing our Blues“ heraus singen. Schon während des Stücks dankte das Publikum mit stehenden Ovationen. Brown sorgte für einen weiteren Lacher, als sie sich für das Warten auf die Zugabe entschuldigte, da sie noch Lippenstift hätte auftragen müssen und alle gemeinsam „ließen die guten Zeiten rollen“.

Am Ende des Konzerts verabschiedeten sich die drei Ladies mit einem gefühlvollen Medley. Doch ein Abschied war es nicht, denn nach dem letzten Song konnte das Publikum ein weiteres Mal hautnah das Gespräch mit den Musikern vor und neben der Bühne im Talbahnhof suchen.

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