Eschweiler - Henning Venske nimmt im Talbahnhof kein Blatt vor den Mund

Henning Venske nimmt im Talbahnhof kein Blatt vor den Mund

Von: lbe
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„Das wird man ja  wohl noch s
„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen”: Henning Venske nahm im Kulturzentrum in der Tat kein Blatt vor den Mund. Foto: Laura Beemelmanns

Eschweiler. Er ist 73 Jahre alt. Im Jahr 1961 stand er in Berlin zum ersten Mal auf einer Theaterbühne, 2010 erhielt er gemeinsam mit Jochen Busse den Ehrenpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis.

Und nun verschlug es ihn mit seinem Programm „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!” auf die Bühne des Talbahnhofs - Henning Venske.

Er nahm es in der Tat wörtlich, dieses „das wird man ja wohl noch sagen dürfen”. Er sagte alles, frei heraus, so wie er es dachte und er nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Venske lieferte Polit-Kabarett basierend auf Zitaten und Beobachtungen. Er trat mental mit einem verbalen Schwert in das Kabinett der Minister und schlug einem jeden mit seiner rauen Stimme den Kopf ab. „Ich bin ein persönlich von der Kanzlerin gepacktes Sparpaket”, so Venske. Das minimalistische Bühnenarrangement unterstützte derweil diese These.

Doch Venske kennt sich aus. Er zerschlug das Kabinett nicht ohne Grund. Er bezeichnete die Minister mitunter als „Lallbacken” und fragte sich, „was sich die Deutschen zusammenwählen, ohne dabei rot zu werden”. Venske weiß, dass ein „Fond mehr ist als eine Soßengrundlage” ist und umschreibt eine Partei mit den Worten „unproduktive Organisation”. Wie gesagt, er nahm kein Blatt vor den Mund. Dem Mann mit dem grauen Haar und einem perfekten Seitenscheitel, grauem Schnäuzer und dezenter Brille falle es nach eigenen Angaben jedoch schwer, „so böse Dinge zu sagen”. Dies galt wohl als dezenter Scherz am Rande. Schließlich war sein Programm mehr als durchdacht. Viele Din-A4-Blätter, über und über schwarz bedruckt, dienten als Gedächtnisstütze und Bühnen-Utensil.

„Denken” sei zudem wichtig. „Andenken” jedoch sei wie „Anvögeln und dann stehen lassen”. Ein „Andenken” sei zudem ein Souvenir. Wir lernten: Die Gedanken müssen gedacht werden, nicht angedacht. Wäre dies der Fall, dieses konsequente Denken, dann wüssten wir doch alle, dass „jeder Deutsche ein Abfallentsorgungssystem sei”. Aufgrund von Gammelfleisch, Antibiotika-Hühnern und Pestiziden. Einzig und allein Joghurt diene noch als Wundermittel, findet sich Joghurt doch inzwischen in jedem Produkt. Venske denkt.

Und er spricht seine Gedanken auch aus. Frei von Konventionen, frei von gesellschaftlich vorgeschriebenen Richtlinien. Es sei jedem frei gestellt, ob er seinen Gedanken folgen möchte oder nicht, ob er es ähnlich sieht, anders oder sich gar keine Gedanken darüber macht.

Eines jedoch ist bemerkenswert: Henning Venske verfolgt eine Linie und das schon sein ganzes Leben lang. Die Linie seiner Wahrnehmung und seiner Gedanken. Nicht umsonst gab es in den 70er Jahren mehrere - auch juristische - Auseinandersetzungen mit den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, Haus- und Sendeverbote: „Er hat den Freiraum für Satire immer wieder erheblich überschritten”, so einst der Hessische Rundfunk. Das war in der Tat zuweilen der Fall.

Venske überschritt Grenzen. Doch das ist es, was er tun möchte. Er redet die Welt nicht schön, er redet Klartext, denn „das wird man ja wohl noch sagen dürfen”.
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