Hemmungen abbauen und Vertrauen erwecken

Von: Andreas Röchter
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Eschweiler. Der Weg eines Kindes in eine Regelgrundschule ist unkompliziert. Doch wie stellt sich die Einschulungssituation für Kinder mit besonderem Förderbedarf dar? Und wann hat ein Kind einen besonderen Förderbedarf? Und wenn, welchen?

Um diese Fragen zu beantworten und Eltern, Lehrern sowie Mitarbeitern von Heilpädagogischen und Regelkindertagesstätten mit Rat zur Seite stehen zu können, riefen Anita Permantier, damals Leiterin der heilpädagogischen Kindertagesstätte Katharina Fey, und ihre Mitarbeiterinnen im Jahr 2004 erstmals eine Informationsveranstaltung ins Leben.

Sechs Jahre später ist der Bedarf an Information und Beratung immer noch groß, zumal das Thema „Gemeinsamer Unterricht von Schülern mit und ohne besonderem Förderbedarf” immer stärker in den Vordergrund tritt. „Nach wie vor besteht die Gefahr, dass Kinder, die keine Regelgrundschule besuchen, stigmatisiert werden”, betont Anita Permantier, inzwischen Leiterin des Kinder- und Familienzentrums St. Marien.

„Deshalb ist es wichtig, dass die Verantwortlichen von Kindertagesstätten, Grund- und Förderschulen zusammenkommen, um ihre Arbeit sowie ihre Konzepte zu präsentieren, und Eltern die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. Davon gibt es nämlich nach wie vor mindestens 100000”, zieht die Pädagogin Bilanz der diesjährigen Veranstaltung, die in Kooperation mit den Grund- und Förderschulen Eschweiler, Stolberg und Aachen sowie dem Gesundheitsamt der Städteregion und dem Schulrat Norbert Greuel im Eschweiler Ratssaal stattfand.

„Es geht darum, Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme zu bieten, Hemmungen abzubauen, Vertrauen zu erwecken und damit eine Atmosphäre zu schaffen, in der offen mit der Situation umgegangen werden kann.” Schließlich sind die Möglichkeiten der Förderung vielfältig. Zumal die Schullandschaft in Bewegung ist.

Inklusion, also der gemeinsame Unterricht aller Schüler mit und ohne Förderbedarf in Regelgrundschulen als Normalfall, lautet eine der Zielsetzungen. „Wobei es uns nicht darum geht, zu beurteilen, welche Schulform für ein Kind mit besonderem Förderbedarf die bessere ist. Wir wollen viel mehr durch neutral-sachliche Informationen Kontakte herstellen und Wege anbahnen”, macht Anita Permantier deutlich.

Ihr ist bewusst, dass die Umsetzung der inklusiven Pädagogik nur möglich ist, wenn alle Beteiligten die Bereitschaft zeigen, an einem Strang zu ziehen. „Wir entwickeln uns weiter, müssen aber in den Mittelpunkt stellen, jedes Kind individuell zu betrachten und zu fördern.

Es gilt, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Begegnungen zwischen allen Kindern möglich sind und damit auch ein gemeinsamer Unterricht.” Zu den Rahmenbedingungen gehöre nicht zuletzt auch, Grundschullehrern die Gelegenheit zu geben, sich weiterzubilden.

Generell sei es wichtig, vorhandene Berührungsängste abzubauen. Dazu zähle auch, Eltern von Kindern ohne besonderen Förderungsbedarf mit ins Boot zu nehmen und zu informieren. „Inklusion betrifft beide Seiten”, verdeutlicht Anita Permantier, die auf das Recht der Eltern verweist, beim Anmeldungsgespräch in einer Regelgrundschule den Antrag auf Eröffnung des Prüfungsverfahrens zu stellen, ob ihr Kind einen besonderen Förderungsbedarf aufweist. „Gleiches gilt aber andererseits auch für die Verantwortlichen der Schule”, stellt sie klar.

Insgesamt blickt Anita Permantier in Sachen Inklusion leicht optimistisch in die Zukunft: „Inklusion ist ein realisierbarer Traum, von dem einige Schritte bereits umgesetzt werden konnten. Wir sind auf dem Weg, aber es sind noch viele kleine Schritte notwendig.” Diese zu tun, setze hohes Engagement der Verantwortlichen voraus. „Aber die Sensibilität steigt bei allen Beteiligten”, erkennt Anita Permantier Hoffnungszeichen.
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