Helmut Hoffmann strapaziert Lachmuskeln seiner Fangemeinde

Von: Christoph Hahn
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Der Bürokrat unter den deutschen Komikern: Hans-Hermann Thielke bei seinem Auftritt im Talbahnhof. Foto: Christoph Hahn

Eschweiler. Er ist der Durchschnittsmensch unter den deutschen Komikern: Unter dem Pseudonym Hans-Hermann Thielke treibt Helmut Hoffmann das Leben einer grauen Maus aus dem „mittleren nichttechnischen Postdienst“, die doch soooo gerne eine schillernde Figur sein möchte, auf die Spitze.

Mit seinem Programm „Läuft bei mir“ hat der Mann mit dem grasgrünen Pullover und der rot umrandeten Designerbrille jetzt in Eschweiler – genauer: im Kulturzentrum Talbahnhof – gastiert.

Vor vollem Haus sorgte Thielke für einen Lacher nach dem anderen – gerade weil er derart verzweifelt gut drauf sein will. Mit buntem Hütchen auf dem Kopf und dem Lied „Spaß muss sein“ auf den Lippen stürmt er dem Saal und schüttelt den Menschen an den Tischen die Hand. Da merkt der Zuschauer schon das Brüchige dieser Existenz: Die Worte stolpern immer wieder über die Melodie und scheinen nicht so recht zu einander zu passen.

Das gezielt Holprige kommt wenig später dann noch einmal zur Geltung, wenn der Komiker am Keyboard durch die Melodie von „When The Saints Go Marching In“ stolpert. Und immer wieder, wenn der Techniker eine bestimmte Fanfare einspielt, stülpt Thielke sich das Hütchen über und muss auf der Stelle einen Witz erzählen.

Das sind dann die einzigen Momente, in der das Programm von konventioneller Komik bestimmt wird. Aber sonst kommen die Lacher vor allem in den Momenten, in denen Hoffmann seine Kunstfigur, den „nach 35 Jahren Dienst“ endlich pensionierten Postbeamten, auf der Kippe zwischen Verzweiflung und praller Lebensfreude hin und her wanken lässt. Dann produziert Hoffmanns Kunstfigur, der Durchschnittsmensch aus Itzehoe, eine gezielt aufgebaute und dennoch unfreiwillig wirkende Komik, die den Männern und Frauen im Talbahnhof zum Lachen hinreißt – gerade weil sie so beiläufig daherkommt und dabei so durchdacht konstruiert wird.

Das Paradoxe an diesem Programm: Seine dichtesten Momente erreicht es immer dann, wenn es um das Hohle in Thielkes Pensionisten-Alltag geht. Da sammelt er „Umweltpunkte“, da klingt der „Lehrgang Humor im mittleren nichttechnischen Postdienst“ verdächtig nach Leergang. Auf engem Raum stößt Tragisches auf das, was zum Lachen reizt. Etwas von Thielke, der die eigene Existenz – der Titel „Läuft bei mir“ lässt es erahnen – auf Zeitgeist und Modernität bürstet, der so gern am Leben teilhaben will und doch im eigenen Kokon gefangen ist, steckt wohl in jedem Zuschauer. Und darum war sein Auftritt in Eschweiler auch so ein Erfolg – Typen wie ihn belacht das Publikum, aber es mag sie auch.

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