Heiterer Balsam für die gebeutelte Bauernseele

Von: jope
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Bauer sucht Frau heißt die TV-Sendung - doch Kabarettist Martin Herrmann war mit seiner persönlichen Erkentnis ein desillusionierendes Stück weiter: „Keine Frau sucht Bauer!” Foto: Joachim Peters

Eschweiler. Der gute alte Nährstand, die Bauernschaft, hat es schwer in diesen Tagen. TV-Bilder präsentieren ledige Männer mittleren bis fortgeschrittenen Alters, die eine Frau suchen. Und eine Frau selbst, Ministerin in Berlin, geht wegen des Dioxinskandals auch mit der Landwirtschaft hart ins Gericht.

Selbstironisch und bei allem Zynismus auch feinsinnig träufelte jetzt Martin Herrmann bei seinem Kabarett-Auftritt im Talbahnhof heiteren Balsam auf die Bauernseele - aber auch auf die des vom Feminismus „gebeutelten” Mannes als Spezie insgesamt.

„Keine Frau sucht Bauer” hieß das dem Quotenrenner abgewandelte Motto des Abends. In seinem „Bauern-Rap” arbeitete der zwischen Frust und Stolz pendelnde Landmann seine Erfahrungen bei der Frauensuche in städtischen Diskotheken und Event-Schuppen ab. Georg Kreisler riet einst mit Wiener Schmäh dazu, die lästigen „Tauben zu vergiften”. Martin Herrmann wollte das gleiche mit den Trauben zu tun, um damit einem ohnehin schon greifbaren „Ziel” nahezukommen: „Der Mensch ist eine lebende End-Deponie”.

„Nicht stimmende Chemie”, so sinnierte der auch zur Gitarre greifende Martin Herrmann, sei nicht nur ein Problem in der reibungslosen Nahrungskette, sondern auch bei mancher Beziehung zwischen Mann und Frau. Manchmal offenbarten sich Geschlechter-Probleme in althergebrachten Kleidungsstücken.

So habe die Krawatte des Mannes als Symbol des Phallus (und von oben nach unten auf diesen hinweisend) im Zeitalter der Emanzipation eigentlich ausgedient. Martin Hermann präsentierte im Talbahnhof eine alternative eigene Kreation: die „von unten nach oben hin zeigende Gürtel-Krawatte”. Die enthalte eine symbolische Botschaft: „Frauen, mit mir kann man reden!”

Bei aller Selbstkritik verteidigte der „Frauenflüsterer” aus Süddeutschland in seinen Texten und Liedern einige Männer-Domänen - zum Beispiel die caritative Hilfsbereitschaft. Er sang ein Loblied auf seinen Namenspatron Martin: „Nur ein Mann kann seinen Mantel teilen auf die Gefahr hin, dass er und der Bettler dann gemeinsam in der Kälte erfrieren. Man stelle sich das einmal bei einer Frau in der Öffentlichkeit vor - unzumutbar!”

Mit dem Demographiewandel beleuchtete Martin Herrmann ein anderes kontaminiertes Feld, auf dem sich traditionelle Vorstellungen und der „Zeitgeist” erbitterte Gefechte liefern. Er hielt ein flammendes Plädoyer für späte Mutter- und Vaterschaft: „Man wird im Alter noch einmal jung und die Probleme der Pubertät erlebt man wegen des rechtzeitigen biologischen Ablebens nicht mehr”. Doch auch extrem junge Elternschaft habe ihr Gutes: „Da kann man einen Teddybär als Geburtsgeschenk mitbringen und Vater wie Kind gleichermaßen erfreuen - solange sich die beiden nicht um das Spielzeug streiten”. Kurzum: eine bisweilen skurille und durch selbstironischen Humor entlastend wirkende Bestandsaufnahme der postmodernen deutschen Wirklichkeit anno 2011.
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