Heinz Jussen erhält den Europäischen Sozialpreis

Von: ran
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Vom Gedanken getrieben, helfen zu wollen: Heinz Jussen (links) erhält am 3. Oktober den „Europäischen Sozialpreis zu Eschweiler“. Der GPB-Vorsitzende Peter Schöner trug dem Wahlbelgier den Preis im Parlamentsgebäude der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen an. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Als der inzwischen ehemalige Lehrer Heinz Jussen während der Jugoslawienkriege in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an seiner Schule das Leid bosnischer Flüchtlingskinder mit eigenen Augen erblickte, ließ ihn der Gedanke „helfen zu wollen“ nicht mehr los.

Der schon zuvor seit Jahrzehnten sozial engagierte Pädagoge, der in jüngeren Jahren sowohl im Bergbau als auch als Polizist tätig war, gründete mit Gleichgesinnten das „Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe in Bosnien-Herzegowina und Kroatien“ und beteiligte sich unter anderem an zahlreichen Hilfstransporten in die von Krieg und Gewalt gebeutelte Region. In 2014 stellte Heinz Jussen dann federführend ein wahres Mammutprojekt auf die Beine: 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs startete im bosnischen Sarajevo, dem Ausgangspunkt der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, der Friedenslauf „Flame for Peace – Jugend für Europa“.

In rund acht Wochen und über 54 Etappen trugen etwa 1500 junge Menschen eine symbolische Friedensfackel 3000 Kilometer weit quer durch Europa bis zum Zielpunkt Aachen. Für sein im wahrsten Sinne des Wortes humanitäres Engagement wird Heinz Jussen am 3. Oktober im Ratssaal der Stadt Eschweiler von den Verantwortlichen des Europavereins „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) mit dem „Europäischen Sozialpreis“ ausgezeichnet. Am Freitag trugen die GPB-Mitglieder um ihren Vorsitzenden Peter Schöner dem „Wahlbelgier“ Heinz Jussen, der in Hergenrath wohnt, im Parlamentsgebäude der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen den Preis an.

„Mein Engagement für die Menschen auf dem Balkan begann während des Bosnien-Krieges. Ich habe die Not der Menschen von Tuzla hautnah erlebt. Als dann im Jahr 2007, im Zuge der Verhandlungen über die Souveränität des Kosovo, in Bosnien erneut Unruhen zwischen den dort ansässigen Serben, Kroaten und Bosniaken ausbrachen, bei denen Jugendliche zunächst mit Steinen aufeinander warfen und es später zu kriegsähnlichen Zuständen kam, wurde mir klar, dass die Jugendlichen dort eine Perspektive benötigen“, blickt Heinz Jussen zurück. So entstand auf Initiative und innerhalb des Aachener Netzwerks für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit die „Bina Mira“ („Bühne des Friedens“), auf der sich europäische Jugendliche im Friedenstheaterspiel treffen.

„Dort machen junge Menschen deutlich, wie sie sich ein friedliches Europa vorstellen“, unterstreicht der zukünftige Preisträger, der am Freitag an zahlreiche emotionale und auch tränenreiche Momente während des Friedenslaufs von Sarajevo nach Aachen erinnerte. „Wir sind dabei unter anderem über die Schlachtfelder von Verdun und Srebenica gelaufen. Und es war beeindruckend, als eine junge Teilnehmerin den Satz aussprach: Frieden ist verdammt viel Arbeit“, schloss Heinz Jussen.

Zuvor hatte mit Karl-Heinz Lambertz der ehemalige Ministerpräsident und amtierende Parlamentspräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der seit rund 20 Jahren auch Mitglied der GPB ist, das Wirken von Heinz Jussen gewürdigt.

„Der Friedenslauf war und ist hervorragend geeignet, Bewusstsein und Begeisterung bei jungen Menschen für die ‚Idee Europa‘ als Friedensinitiative hervorzurufen“, so der Politiker, der die Schirmherrschaft über die Verleihung des Europäischen Sozialpreises, die unter dem Leitgedanken „Für ein Europa des Friedens, der Toleranz und Solidarität“ steht, übernehmen und ebenso als Festredner agieren wird. Leider erlebten wir derzeit, dass die inzwischen 70 Jahre andauernde Zeitspanne des Friedens in unseren Breitengraden alles andere als eine Selbstverständlichkeit sei.

„Wir müssen trauernd feststellen, dass die europäische Integration noch nicht so weit fortgeschritten ist, um im Umgang mit Flüchtlingen zufriedenstellende Lösungen anbieten zu können. Es ist erschreckend, wie egoistisch in Europa gehandelt wird und wie unbefriedigend die Antworten auf drängende Probleme ausfallen“, kritisierte Karl-Heinz Lambertz. Glücklicherweise gebe es aber Menschen wie Heinz Jussen, die bereit seien, anderen Menschen zu helfen, sich für die Gesellschaft zu engagieren und ihre Kraft im humanitären Sinne einzusetzen.

Der GPB-Vorsitzende Peter Schöner warf abschließend die Frage auf, wohin sich die Gesellschaft ohne das Engagement von Ehrenamtlern, deren Zahl aber leider abnehme, bewege. Der Grundsatz müsse lauten, „mit Menschen menschlicher umzugehen!“

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