Heinz Falcman blickt zurück: Auf Tour mit Madonna, Phil Collins, Spliff & Co.

Von: Paul Santosi
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Selbst Megastars wie Phil Collins haben sich mit einem persönlichen Dankeschön verewigt. Foto: Paul Santosi
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Selbst Megastars wie Phil Collins haben sich mit einem persönlichen Dankeschön verewigt (oben). Das untere Bild zeigt Heinz Falcman (rechts) mit seiner eigenen Combo, der Manni-Waters-Band. Rock´n´Roller aus Überzeugung und kaum von der Bühne zu bekommen: Heinz Falcman (Foto rechts). Foto: Paul Santosi

Eschweiler. Was haben Whitney Houston, Queen, Phil Collins, Harry Belafonte, Herman Brood, Herbert Grönemeyer, Spliff und Extrabreit gemeinsam ? Sie alle stehen mit ihren Fotos und persönlichen Widmungen im „Dankeschön“-Buch des Eschweilers Heinz Falcman, der sich seit Jahrzehnten um das leibliche und seelische Wohl von Bands im weltweiten Tour-Zirkus kümmert.

Der Familienvater, Musiker und professionelle Caterer ist bekannt für seine ansteckend gute Laune. Paul Santosi sprach mit ihm über Essen, Rock‘n‘Roll und die oft verschlungenen Pfade des Schicksals.

Das Rock-Lexikon sieht gegen Ihr Künstler-Erinnerungsbuch aus wie eine müde Kladde. Viele Stars haben sich bei Ihnen gut aufgehoben gefühlt und preisen ehrlich und geradeheraus ihre Künste. Verlief Ihre eigene Lebenslinie eigentlich auch immer geradeaus?

Falcman: Total (Lacht). Meinen einzigen festen Job als Angestellter hatte ich als DJ in Süddeutschland. Dann folgten erste Versuche als Ladeninhaber, bis ich schließlich mein Hab und Gut verkauft habe und nach Hollywood ging. Als Lebenskünstler pendelte ich zwischen den USA und Deutschland, lebte dann für ein paar Jahre in Maastricht. Anfang der 80er begann ich mit dem Catering für Bands. Nach Heirat und zweiter Familiengründung zogen wir nach Eschweiler. Sollte eigentlich nur eine Zwischenstation werden, die aber mittlerweile schon 25 Jahre dauert. Aus der anfänglichen väterlichen Idee einer akademischen Laufbahn wurde offensichtlich nichts.

Sie haben ein kleines aber feines Unternehmen, das sich grob gesagt ums Essen kümmert. Wie kommt man eigentlich dazu, einen solchen Beruf zu wählen?

Falcman: Die naive Vorstellung davon, mal eben ein Star zu werden, hat sich schnell relativiert. Catering hab ich auch anfangs nicht als Beruf angesehen, sondern als Chance, ohne größeren Aufwand gutes Geld zu verdienen. Die Berufung darin besteht in meiner Vorliebe dafür, mich um Menschen zu kümmern. Ich fühle mich wohl, wenn ich sehe, dass es anderen gut geht. In den Anfangszeiten meiner eigenen Band war ich derjenige, der die Schnitzel gebraten und die Eier in die Pfanne gehauen hat. Ein Kumpel hat sich später an diese nützlichen Eigenschaften erinnert und schon war ich mittendrin. Meine ersten Einsätze als Hilfskoch hatte ich in den Achtzigern mit Gruppen wie Spliff und Extrabreit, dann wurde es schnell international.

Was muss man sich unter „Catering für die Musikszene“ vorstellen? Liegt der Schwerpunkt eher auf der vorbereitenden Logistik oder auf der richtigen Wahl der Speisen für sensible und gestresste Musiker?

Falcman: Das ist vor allem ein psychologischer Job. Von Anfang an haben wir darauf geachtet, dass sich die Leute auf Tournee einfach wohlfühlen, seelisch wie leiblich. Eine wichtige Erkenntnis der vergangenen 37 Jahre, die auch meine beiden Söhne Victor und Lukas verinnerlicht haben. Die Jungs führen das Geschäft mittlerweile noch professioneller als ich fort.

Wen findet man denn alles so auf der Referenzliste Ihres Unternehmens?

Falcman: Gute Frage. Spannender ist, wer sich nicht darauf findet (Lacht). Stellvertretend könnte ich Frank Zappa und Band nennen, weil er zu den beeindruckendsten Menschen gehört, die ich getroffen habe. Länger auf Tour war ich unter anderem mit Peter Gabriel, mit Harry Belafonte und Luciano Pavarotti. Für Pavarotti habe ich zwischen Palermo und Turkku in ganz Europa gekocht. Dann auch die Rolling Stones, Madonna und die Ramones. Es gab Einsätze bei den berühmten „Bizarre“-Festivals und bei Rock am Ring. Im Prinzip war ich mit allen Größen vor allem der 80er- und 90er-Rock-Champions-League unterwegs. Tom Petty, Bob Dylan, die Liste ginge noch viel, viel weiter.

Liebe geht durch den Magen. Gab es für den Service auch schon mal ein besonderes Lob oder ist der für die Profis ganz selbstverständlich?

Falcman: Wenn eine Tour zu Ende ging, war in der Regel die Begeisterung groß. Auch danach pflegt man private Kontakte, telefoniert mit dem einen oder anderen auch Jahre später noch. Die Leute wussten anscheinend, was sie an mir hatten und gaben das Feedback auch weiter. Ohne so etwas wäre man in dem Business auch gar nicht mittendrin.

Haben Sie eine kleine Auswahl der schönsten Erlebnisse zur Hand?

Falcman: Nicht schlecht war, als ich Harry Belafonte mal versehentlich einen Teller Suppe über die Hose geschüttet habe. Tina Turner durfte ich einst ein spezielles Glas Rotwein kredenzen, da hat meine Hand auch ganz schön gezittert. Nett war es mit der Band „Marillion“. In einer Garderobe in Paris musste sich der Sänger „Fish“ umziehen, blieb aber sehr unglücklich in seiner Hose stecken und musste den Song mit Funkmikro aus der Garderobe heraus beenden, während die Kollegen auf der Bühne weiterrockten. Das sind echt unvergessene Momente.

Kann man wirklich Künstler-Freundschaften schließen oder ist man nur ein anonymes Zahnrad in einer größeren Maschinerie?

Falcman: Heute im Nachhinein würde ich das Letztere bestätigen. Aber meine ehemalige Geschäftspartnerin zum Beispiel hat sich bei einer Grönemeyer-Tour in den Neunzigern in den Schlagzeuger verliebt und den dann auch geheiratet. Bleibende Freundschaften? Das ist generell schwer. Die meisten Musiker gehören zur Sorte „Fahrendes Volk“. Mal hier, mal da, alle sind unterwegs, sind ständig getrieben und heimatlos.

Sie sagen es. Konzert-Service bedeutet Reisen. Wie viele Kilometer haben Sie schon hinter sich gebracht und ist das wirklich gut für die Gesundheit?

Falcman: Gesundheit? Au weia. Ich hab das solange gemacht, bis ich im wahrsten Sinne des Wortes auf Tour umgefallen bin. Vor acht Jahren erlebte ich einen Herzinfarkt, trotz Reduzierung von Nikotin und Alkohol. Die gefahrenen Kilometer kann ich nicht einschätzen. Wenn wir aber auf dem Weg zu den Verladestationen der großen Trucks unterwegs waren, haben wir nach ein paar Minuten gerne mal an der Raststätte Propsteier Wald Halt gemacht und scherzhaft gemeint: So, jetzt nur noch 20.000 Kilometer und dann sind wir wieder zu Hause. Krass war es etwa mit Nina Hagen. Eine tolle Frau übrigens. Da wurde in Zürich geprobt und der erste Job war im finnischen Helsinki. Klar ist das alles nicht gesund. Ehrlich gesagt, fanden wir das alle damals cool, so ein wenig kaputt zu sein. Regeneration war eher ein Fremdwort.

Bands auf Tour formulieren Ihre Anforderungen schriftlich auf sogenannten „Riders“. Welcher Rider gehörte zu den größten Herausforderungen?

Falcman: Auf den Catering- und den Hospitality-Ridern steht ziemlich genau, was gewünscht wird. Gruppen wie Kiss oder Aerosmith hatten 20 kleingedruckte DIN-A-4-Seiten mit minutiösen Angaben, was wer wann wo in welcher Konsistenz in die Garderobe gestellt haben wollte. Das macht vermutlich jeden Laien sprachlos. In der Phantasie von Tourmanager und Bands entstehen die wildesten Sachen. Ein berühmter US-Rap-Star ließ sich täglich ohne mit der Wimper zu zucken eine Kiste Edel-Champagner kommen. Andere Leute wie David Bowie waren da viel pflegeleichter. Da hieß das Motto „gesund, genug, exklusiv, aber nicht extravagant“.

Ihre wahre Berufung liegt darin, selbst Musik zu machen. Wann spürten Sie erste Anzeichen, vom Klang-Virus infiziert zu sein?

Falcman: Da war ich 13. Als mein Vater versuchte, mir „Death of a clown“ von Dave Davies beizubringen. Da wollte ich Gitarre lernen, aber schon beim G-Dur-Akkord tat der kleine Finger weh, also hab ich erstmal aufgehört. Dann spielte ich Bass und sang im Schulchor. Eine richtig amtliche Rockstimme hab ich zwar nicht, aber ich singe gern in Rockbands, treffe meine Töne und versuche, authentisch zu sein.

Gute Freunde von Ihnen sagen, dass es schwer ist, Sie von der Bühne runterzubekommen, wenn Sie einmal drauf sind. Warum ist das so?

Falcman: Bühnenerlebnisse sind die Momente, die am meisten Spaß im Leben machen. Wenn Du einmal drauf bist und Resonanz bekommst, sei es auch nur von wenigen Leuten, dann geht die Post ab. Da würde ich am liebsten die ganze Nacht durchspielen bis wirklich keiner mehr da ist. Da vergesse ich alles um mich herum.

Es gibt ein schönes Sprichwort: das deutlichste Anzeichen von Weisheit ist anhaltend gute Laune. Sie trifft man meist mit einem Lächeln an. Liegt das am Beruf, an der Familie oder am Hobby?

Falcman: (Amüsiert) Nee, nee. Das liegt an meinem Naturell. Die gerade genannten Einzelkomponenten bedingen bei mir auch schon mal, dass die Mundwinkel nach unten gehen. Rundherum bin ich aber dankbar und glücklich, dass es so ist, wie es ist. Meine Kinder und meine wunderbare Frau sind ein Geschenk. Heute ärgert es mich vielleicht ein wenig, nicht auf meinen Vater gehört zu haben, der immer forderte, ich solle eine richtige musikalische Ausbildung absolvieren.

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