Eschweiler - Heinz Becker im Talbahnhof: Der Nörgler schlägt wieder zu

Heinz Becker im Talbahnhof: Der Nörgler schlägt wieder zu

Von: irmi
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Wie ganz zufällig setzt Gerd Dudenhöffer alias Spießbürger Heinz Becker Explosives neben Belangloses. Seine Fans ließen ihn erst nach zwei Zugaben von der Bühne. Foto: I. Röhseler

Eschweiler. „Ihr könnt mir verzälle, was Ihr wollt. Früher war alles besser!“ Da hat der Saarländer aber noch Mal ordentlich vom Leder gezogen, als er in seinem neuen Programm „Vita. Chronik eines Stillstandes” mit messerscharfem Humor die Ansichten der Kunstfigur Heinz Becker mit der deutschen Geschichte verquickte.

Dabei hatte Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker jede Menge Tabuthemen auf Lager, als er vor ausverkauftem Haus in seiner einzigartigen Gestik und Mimik über den Tellerrand der Welt zu blicken. Als Nachkriegskind, 1949 geboren, hatte er viel zu verzälle. Obwohl: „Veel hame net metkrieje!“.

Schwätzend sezierte er die Episoden seines geregelten Alltags, wie seine erste heilige Kommunion, die Verlobung mit seiner Hilde an Führers Geburtstag, die Geburt seines Sohnes am Tag des Mauerfalls und zog in einem Atemzug die abstrusesten Vergleiche zum Weltgeschehen und begab sich mit gezielt gesetzt überspitzten Statements an die gefährlichen Abgründe seiner Spießerseele.

Nun gut, schwarzer Humor ist nicht jedermanns Sache und so blieb auch so manchem Zuschauer schon einmal das Lachen im Halse stecken, als Heinz Becker in typischem Outfit mit kariertem Hemd, Hosenträger und Schieberkappe seelenruhig „in seinem Wohnzimmer“ auf einem klapprigen Stuhl sitzend und mit einem unnachahmlichen Mienenspiel die Begebenheiten des kleinbürgerlichen Alltags darbot.

„Die Realität ist in der Wirklichkeit oft eine Illusion“, sinniert er. „Beim Hitler-Attentat hatten wir Glück. Ansonschte habe wir evver von nichts gewusst!

„Wir waren ein Emigrationsland mit Migrationshintergrund”, erinnert er sich daran, als die ersten italienischen Gastarbeiter nach Deutschland kamen. „Und jetzt haben wir sie am Hals!“ Danach seien die Türken gekommen und auch geblieben. „Da bekommen Sätze wie ‚Das ist mir schleierhaft‘ und ‚Das sprengt den Rahmen‘ eine völlig neue Bedeutung.“

Und heute herrsche nur überall Bombenterror. „Da ist mir ein scheinheilger Friede doch lieber als ein heiliger Krieg!“ meinte er.

Für die Pegida habe er trotzdem nichts übrig, meinte Becker. „Man soll Ausländerfeindlichkeit die Stirn bieten, aber es muss ja nicht meine sein!“

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