Eschweiler - Heimspiel für den Prinzen: Tolle Stimmung bei einem emotionalen Abend

Heimspiel für den Prinzen: Tolle Stimmung bei einem emotionalen Abend

Von: Andreas Röchter
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Genossen ihr Heimspiel in vollen Zügen: Prinz Thomas I. und Zeremonienmeister Harald ließen es am Samstag krachen. Foto: Andreas Röchter
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Heinz Hesseler, soeben mit dem BDK-Verdienstorden in Gold mit Brillanten ausgezeichnet, stimmte ein Pagenlied aus der Session 1959/1960 an. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Außergewöhnliche Sessionen verlangen außergewöhnliche Maßnahmen! Da Thomas Weiland, seines Zeichens Präsident der KG Lustige Reserve Eschweiler, am Samstagabend während der ersten gut vier Stunden der Sitzung „seiner“ Gesellschaft verhindert war, mussten die Reservisten auf die Reserve zurückgreifen.

Gut, dass die Grün-Weiße Schar in Person von Vizepräsident Norbert Weiland ein As in der Hinterhand hat, das nach einer ausdrücklichen Mahnung seines Filius auch stach und in gewohnt souveräner Manier durch ein Programm führte, das Höhepunkt an Höhepunkt reihte. In kurzen Stichworten: Ein Prinz, der bei seinem Heimspiel im Haus Flatten eine Welle der Begeisterung unter den Fastelovendsjecken im Saal auslöste und von diesen im Wortsinn auf Händen getragen und unter Luftschlangen begraben wurde.

Ein Jubilar, der für eine beinahe unfassbare Anzahl an Mitgliedsjahren voller Engagement eine besondere Auszeichnung entgegennahm, sich dafür mit einem „Leedche“ bedankte und dem einen oder anderen Jecken im vollbesetzten Saal des Hauses Flatten damit wohl ein Tränchen ins Auge spülte. Ein Tanzpaar, das eine glanzvolle Sitzungsheimspielpremiere feierte. Und ein Vorgängertanzduo, das nach elf Jahren voller Spitzenleistungen einen zuvor nicht vergebenen Lohn erhielt.

Ein Blumenregen

Doch der Reihe nach: Um Punkt 19.11 Uhr ergoss sich während des Einmarsches der Lustigen Reserve ein wahrer Blumenregen über die in der Delio-Arena versammelten erwartungsvollen und fantasiereich kostümierten Narren. Wenig später durfte Detlev Schifter lauthals verkünden: „KG Lustige Reserve unvollständig angetreten. Zahlreiche Reservisten sind mit seiner Tollität auf Achse, einige befinden sich im Lazarett und so mancher weilt nach wie vor auf einer Fortbildung“, hatte der Kommandant die Lacher auf seiner Seite. „Heute habt ihr mich den ganzen Abend an der Backe“, drohte kurz darauf Sitzungsleiter Norbert Weiland. „Doch ich muss gestehen, ich schlage diese Schlacht von Herzen gerne und auf Reservisten-Art“, machte der Vizepräsident der Gesellschaft deutlich, um unmittelbar darauf die Bedeutung der laufenden Session für die Lustige Reserve hervorzuheben.

„Nach 34 Jahren regieren wieder zwei Grün-Weiße unsere Heimatstadt. Damit beweisen wir, dass auch eine kleine Gesellschaft den Prinzen der Indestadt stellen kann“, unterstrich der Komitee-Präsident, bevor er die Bühne zum Spiel des Trommler- und Spielvereins 1913 Baesweiler unter der Leitung von Jürgen Opitz freigab. Und die Musikanten gingen gleich in die Vollen, ließen das „Steigerlied“ erklingen, schwangen sich „Hoch auf den gelben Wagen“, betonten „Echte Früngde“ zu sein, forderten mit „When the saints go marching in“ keine Geringeren als die Heiligen zum Marsch auf und brachten somit das „jecke Volk“ unaufgefordert zum lautstarken mitsingen.

Dann richteten sich alle Augen der Jecken im Saal auf Nadine Hüpgen und Kevin Schleip! Die Marketenderin und der Tanzoffizier bilden das neue Tanzpaar der KG Lustige Reserve und ließen bei ihrem bravourös vorgetragenen rheinischen Traditionstanz in Sachen Eleganz, Akrobatik und Klasse nicht den geringsten Wunsch offen. Eine bestens gelungene Premiere des von Pia und Achim Kolvenbach trainierten Duos. Freudestrahlend nahmen die beiden die Ovationen des Publikums und die Gratulation von Norbert Weiland entgegen. Trotzdem ergriff zahlreiche Reservisten Wehmut, als es galt, das Vorgänger-Tanzpaar Cindy Sünderhauf und Andreas Oleff nach elf glanzvollen Jahren zu verabschieden. „Euch gilt der Dank der gesamten Gesellschaft. Um eure Verdienste zu würdigen, reichen ein Blumenstrauß und Orden keinesfalls aus. Deshalb erhaltet ihr die innerhalb unseres Vereins erstmals vergebene Goldene Tanzehrennadel“, verkündete der Sitzungsleiter unter dem Jubel des Publikums.

„Die haben Blumen geworfen“

Bahnbrechende Neuigkeiten hatte die „Breijmuhl van Bersch“ Stephanie Bücher zu verkünden: „Einer meiner Onkel ist beruflich nun als Brennholzverleiher tätig. Da macht der richtig Asche mit“, berichtete die Büttenrednerin, die nach eigenen Angaben vor gar nicht langer Zeit selbst in einer Stadt namens Stolberg sehr gut angekommen sein soll. „Die haben Blumen nach mir geworfen. Allerdings hingen die Töpfe noch daran!“ Als aber kürzlich ein Nachbar um drei Uhr in der Nacht bei ihr klingelte, verschlug es sogar der „Breijmuhl“ die Sprache: „Da ist mir doch glatt der Bohrer aus der Hand gefallen“, ist sie nach wie vor fassungslos. Gleich „met alle Mann und Totenkopffahne vorbei“ kamen die wilden Freibeuter des Männerballetts der KG Narrenzunft Pumpe-Stich, die sowohl das Narrenvolk als auch Trainerin Monika Schmitz mit einem grazilen Piratentanz begeisterten.

War die Stimmung eben noch ausgelassen fröhlich, wurde es nun mucksmäuschenstill: Denn Norbert Weiland bat mit Heinz Hesseler einen „alten Fahrensmann“ auf die Bühne, der für sein jahrzehntelanges Engagement für die Lustige Reserve, deren Mitglied er seit 6x11 (!) Jahren ist, und die Eischwiele Fastelovend mit dem Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval (BDK) in Gold mit Brillanten ausgezeichnet wurde. Der Jubilar, der in der Session 1959/1960 als Zeremonienmeister von Hans II. Hamm, des ersten Prinzen der KG Lustige Reserve Eschweiler, fungierte, nahm sichtlich ergriffen das Mikrofon und sang zur Melodie des „Treuen Husaren“ zwei Strophen eines Pagenliedes der inzwischen 55 Jahre zurückliegenden Session. Ein „Gänsehaut“-Moment!

„Bütz mich“

Nicht mehr aufzuhalten war anschließend die Husarentanzgruppe „De Burgmüsjere“ der KG Lustigen Reserve, die zu den „Kröetsch“-Songs „Hallo Leo“ und „Ich wor noch nie op Mallorca“ in atemberaubendem Tempo über die Bühne wirbelte und während der Zugabe gleich einen „Helikopter-Rundflug“ buchte. Angeführt von Kommandant Simon Hendriks nahm dann die „gute alte Mutter Scharwache“ die Bühne der Delio-Arena in Beschlag. „Als Patengesellschaft der Lustigen Reserve fühlen wir uns mehr denn je als Teil der Eischwiele Fastelovend-Famillich“, nahm der Kommandant Bezug auf das Sessionslied des Prinzengespanns, um anschließend Feldwebel Michael Bielefeld die Uniformierten zum „Stippeföttche“ antreten zu lassen. Das Tanzpaar Eva Gruppe/Sebastian Plönnes, der Regimentsspielmannszug Grün-Weiß Lohn unter der Leitung von Thomas Graff sowie die Garde rundeten das fantastische Bild ab, das die älteste Karnevalsgesellschaft der Indestadt, die sich in ihrer 133. Session befindet, lieferte. Bunt, bunter und noch bunter lautete das Motto des folgenden Programmpunktes, während dessen die Komitee-Mariechen und die Komitee-Tanzpaare unter anderem am Drachenfels zur tänzerischen Kegeltour einluden, die Forderung „Bütz mich“ aussprachen und damit zum zweiten Mal nach dem Auftritt während der Prinzenproklamation für Furore sorgten.

Dann warfen große Ereignisse ihren Schatten voraus: Während einer viertelstündigen Pause wurde der Saal in ein grün-weißes Farbenmeer verwandelt. Schließlich hatte sich karnevalistischer Hochadel angesagt. Doch bevor seine Tollität die Arena endgültig in ein Tollhaus umkrempeln konnte, sorgte bereits Jürgen B. Hausmann für ein selbiges. Dabei war sein Gemütszustand alles andere als gut: „Meine Frau liebt mich nicht mehr richtig. Früher schauten wir im Fernsehen die ‚Verbotene Liebe‘, dann sogar den ‚Sturm der Liebe‘, heute aber nur noch ‚Tiere suchen ein Zuhause‘“, musste er berichten. Auf der Suche nach einem gemeinsamen Hobby habe er seiner Frau bereits die Idee „Trink doch ein Bier mit“ erfolglos vorgeschlagen. Und darüber hinaus sei in der Schule das Schreiben von „Diktäten“ kaum noch möglich. „Langsam Alter, wie schreibt man Komma?“, lautete häufig eine Frage der Schüler, schüttelte der Lehrer, der für seinen Vortrag Beifallsstürme und eine Rakete erhielt, den Kopf.

Dann war der Moment gekommen, auf den alle Reservisten gewartet hatten: Prinz Thomas I. zog mit Zeremonienmeister Harald (Hucky) und seinem gesamten Hofstaat in sein Wohnzimmer ein, benötigte bis zur Bühne gefühlte Stunden, wurde mit Umarmungen, Bützchen und nicht zuletzt Luftschlangen überhäuft und rockte den Saal in grandioser Art und Weise. Am Ziel angelangt, empfing ihn ein sichtlich berührter und stolzer Vater: „Seit der Proklamation bereitet ihr den Fastelovendsjecken in Eschweiler nichts als Frohsinn und Freude“, schrieb er dem Prinzengespann ins Stammbuch.

Grandiose Stimmung

Dieses ließ sich natürlich nicht lumpen, stimmte die Hits „Mir sin en Famillich“ und „Janz ejal“ an und schraubte das Stimmungsbaro- und -thermometer in ungeahnte Höhen. Anschließend nahmen Prinz und Zerm unter den Elferräten der Reserve Platz und genossen den Auftritt der „Kröetsch“, die auch ohne Hucky Weiland überzeugten, „In mingem Verein“, „Lisbeth“ und „Wir gehen noch lange nicht in die Heia“ anstimmten und den frühen Sonntagmorgen großartig begrüßten, bevor das Trompeterkorps Eefelkank einen abschließenden Parforceritt durch Fastelovends-, Party- und Rockhits ablieferte.

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