Haus St. Josef: Vom Buch bis zum Internet

Von: ran
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Christian Helbig
Analysierte während des Neujahrsempfangs des Hauses St. Josef – Kinder-, Jugend- und Familienhilfe – das „Aufwachsen in mediatisierten Gesellschaften“: Referent Christian Helbig, Medienpädagoge an der TH Köln. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Gerade einmal zehn Jahre ist es her, dass Steve Jobs das erste Smartphone der iPhone-Reihe vorstellte. Inzwischen haben die Nachfolgegeräte nicht weniger vollbracht als die Gesellschaft zu verändern. Grund genug für die Verantwortlichen des Hauses St. Josef mit Einrichtungsleiter Wolfgang Gerhards an der Spitze, die Reflektion über moderne Medien in den Mittelpunkt des Neujahrsempfangs zu stellen.

So referierte am Dienstagmorgen mit Christian Helbig ein Medienpädagoge der Technischen Hochschule Köln vor zahlreichen Zuhörern unter der Überschrift „Aufwachsen in mediatisierten Gesellschaften – Chancen und Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe“ und machte dabei deutlich, dass die Prozesse der Mediatisierung auf Dauer angelegt seien und keinesfalls ausschließlich die Gegenwart und Zukunft beträfen.

„Die Mediatisierung begann mit dem Buchdruck und setzte sich mit dem Radio, dem Fernsehen und nun mit dem Internet fort. Eindeutig ist aber natürlich, dass die Zeitspannen zwischen den Schüben der Mediatisierung dramatisch abnehmen“, so Christian Helbig. Dennoch sei das Buch nicht verschwunden und auch Youtube funktioniere nicht ohne das Lesen oder die Schrift.

„Ein wesentlicher Unterschied zur Vergangenheit ist aber, dass Kommunikation heute immer möglich ist. Medien agieren konvergent, Informationen wachsen zusammen und werden zum Beispiel im Smartphone gebündelt. Die analoge Kommunikation ist eigentlich nicht mehr vorhanden. Die Speicherung quasi aller Daten stellt aber ein großes Problem der Digitalisierung dar“, machte der Referent deutlich.

Mediale Vollausstattung

Die fortschreitende Mediatisierung bringe eine tiefgreifende Veränderung der gesamten Gesellschaft mit sich. „Digitale Medien verändern unser individuelles Verhalten, aber auch Organisationen und Institutionen, Politik und Wirtschaft. Dementsprechend verändert sich das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Gesellschaft und Kultur sind im Wandel.“ Dies lasse sich durch Zahlen belegen. So seien in Deutschland nahezu alle Jugendlichen ab zwölf Jahre im Besitz eines Smartphones mit Internetzugang, fast jeder Haushalt verfüge inzwischen über eine mediale Vollausstattung.

„Dieser Prozess benötigte etwa fünf Jahre. Das Fernsehen hat dafür vier Jahrzehnte gebraucht, das Buch Hunderte von Jahren. Dies beweist, dass wir uns immer schneller auf neue Entwicklungen einstellen müssen. Dabei lautet die Frage: Was kommt als nächstes?“

Schon heute werde Jugendlichen suggeriert, in einer vollkommen individualisierten Welt zu leben. Diese „posttraditionelle Gesellschaft“ führe auch zu Verunsicherung, da die Erwartungen an Jugendliche und von Jugendlichen ambivalent seien.

„Zum Beispiel in Sachen Berufswahl. Welche Berufe werden in zehn Jahren noch existieren“, stellte Christian Helbig eine Frage in den Raum. Ebenfalls festzustellen sei, dass die wenigen Jugendlichen, die von der Digitalisierung unberührt blieben, von Ausgrenzung betroffen seien. „Auch deshalb ist ein Diskurs auf gesellschaftlicher Ebene dringend notwendig!“, so die Forderung des Sozialpädagogen.

Handbuch wäre hilfreich

Natürlich sei auch für Einrichtungen der Jugendhilfe die Förderung der Medienkompetenz von großer Bedeutung. Allerdings werde die Nutzung sozialer Medien von großer Unsicherheit in Sachen Datensicherung begleitet. „Hier würde seitens der Gesetzgebung ein kleines Handbuch sehr hilfreich sein.“

Um die Handlungsfähigkeit der Jugendhilfe zu gewährleisten, benötige diese rechtliche Sicherheit durch klar formulierte Gesetze, Rückendeckung von den Trägern, Kompetenz in Sachen Medienpädagogik und vor allem Medienbildung. „Die Fachkräfte müssen in Sachen Mediendidaktik professionalisiert werden und sich in den Lebenswelten der Jugendlichen zu Hause fühlen“, schloss Christian Helbig.

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