Haus St. Josef unterstützt Eltern und Jugendliche beim Paten-Projekt

Von: se
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Vanessa Thomas (links) und Anna Gerhards sind Ansprechpartnerinnen des Projekts im Haus St. Josef. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Derzeit gibt es in der Indestadt kaum verfügbare Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Einige von ihnen sind sogar in der Erstunterkunft an der Jahnstraße untergebracht und werden dort betreut. Das soll sich jedoch bald schon ändern. Wie das geschehen soll? Mit der Hilfe von Pflegefamilie, die über einen bestimmten Zeitraum einen Jugendlichen aufnehmen.

Dass dies keine einfache Aufgabe ist, wissen Anna Gerhards und Vanessa Thomas vom Haus St. Josef. Sie sind die Ansprechpartnerinnen für das Projekt, das Anfang des Jahres startete und bereits Erfolge erzielte. Momentan sind vier unbegleitete Jugendliche in Pflegefamilien untergebracht. Zwölf Paare aus der Städteregion haben ihr Interesse angemeldet und nehmen derzeit an einem entsprechenden Vorbereitungskurs teil.

Kurs verpflichtend

Der Kurs ist für die Teilnehmer – unabhängig davon, ob diese Anfänger oder bereits erfahrene Pflegeeltern sind – verpflichtend. Schließlich gebe es, im Vergleich zu deutschen Pflegekindern, einige Unterschiede, die die neue Familie beachten muss.

„Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen liegt der Grund für die Aufnahme in einer Pflegefamilie nicht bei der Herkunftsfamilie“, sagt Gerhards. Oft hätten die Jugendlichen intensiven Kontakt zu anderen Familienmitgliedern. „Dafür müssen die Gastfamilien offen sein“, macht Gerhards deutlich.

Wie kam es zu der Idee, die Jugendlichen in Pflegefamilien unterzubringen? Anfang des Jahres kooperierte das Haus St. Josef mit dem Jugendamt der Stadt Eschweiler. Kooperationen mit dem Jugendamt der Städteregion sowie mit dem Jugendamt der Stadt Würselen folgten. Das Ziel: Jugendliche sollen Hilfe erhalten, um sich in der Indestadt, bzw. in der gesamten Region, einleben zu können.

Familien, die sich für das Projekt interessieren, erhalten einen Bewerberbogen. In diesem müssen Motivation und Vorstellungen angeben werden. Im anschließenden Grund- bzw. Aufbaukurs setzen die Teilnehmer sich mit verschiedenen Fragen auseinander.

„Was zeichnet uns als Familie aus? Wer sind wir? Was bringen wir mit und was bringt der Jugendliche mit? Das sind Fragen, die geklärt werden müssen“, sagt Thomas und fügt hinzu: „Viele wollen etwas Gutes tun. Das ist auch super, aber bedarf der Vorbereitung.“ Auch Themen wie Selbstreflexion, Trauma und Recht spielen eine wichtige Rolle.

Was viele nicht wissen: Solange der Aufenthaltsstatus der Jugendlichen nicht geklärt ist, dürfen sie die Bundesrepublik nicht verlassen. „Der Besuch beim Möbelhaus in den Niederlanden ist nicht drin“, sagt Gerhards. Und was passiert, wenn die Pflegefamilie in Urlaub fährt? „Dann finden wir eine andere Lösung. Manchmal erklären sich auch andere Pflegefamilien bereit, den Jugendlichen zu sich zu nehmen“, so Gerhards.

Treffen und Übernachtungen

Bevor ein Jugendlicher in eine Familie kommt, stehen mehrere Gespräche an. Erst wenn Gerhards und Thomas die perfekte Kombination gefunden haben, folgt ein Kennenlerntreffen. Auch Übernachtungsbesuche stehen auf dem Programm. Wenn sich beide Seiten sicher sind, zieht der Jugendliche bei seiner Pflegefamilie ein.

Besonders wichtig sei, dass alle Familienmitglieder dahinterstehen. Nicht zuletzt sollte genügend Platz für das neue Familienmitglied vorhanden sein. Das heißt konkret: Der Jugendliche sollte ein eigenes Zimmer haben, um sich zurückziehen zu können.

Nicht nur Familien können sich an Gerhards und Thomas wenden, sondern auch Alleinstehende. Das Alter spiele ebenfalls eine eher untergeordnete Rolle. „Bisher haben sich viele Paare gemeldet, die sich in einer neuen Lebensphase befinden. Ihre eigenen Kinder sind ausgezogen und nun haben sie Zeit, um sich einer neuen Aufgabe zu widmen“, sagt Thomas.

Die Familien sollen den jungen Erwachsenen helfen besser Deutsch zu lernen. Das Ausfüllen von Asylanträgen gehört nicht zu ihren Aufgaben. „Das ist Aufgabe des Vormunds“, sagt Thomas. Sie weiß: „Dadurch werden viele Pflegeeltern, die zum größten Teil auch berufstätig sind, entlastet.“

Sie betont: „Die Familien stehen nicht alleine da.“ Regelmäßige Hausbesuche und Gespräche mit Familien und Jugendlichen gehören zu ihrem Arbeitsalltag wie auch zu dem von Vanessa Thomas dazu.

Und wie sieht es mit finanzieller Unterstützung aus? Für die Familie gibt es ein monatliches Pflegegeld vom Jugendamt. Die Höhe sei von mehreren Faktoren abhängig. Dazu zähle, wie alt das Pflegekind ist und ob noch weitere Kinder im Haushalt leben. „Einen Pauschalbetrag gibt es nicht. Man kann erst Auskunft darüber geben, wenn ein Jugendlicher einer Familie zugeteilt wird“, sagt Anna Gerhards.

Ende Dezember enden die beiden derzeitigen Kurse. Bereits im Januar des kommenden Jahres soll ein weiterer Kurs in der Indestadt starten. Interessierte können sich an Anna Gerhards (Telefon 785820 Mail: anna.gerhards@hsj-eschweiler.de) oder an Vanessa Thomas (vanessa.thomas@hsj-eschweiler.de) wenden.

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