Hauptschule ist unbeliebt: Nur noch eine Klasse möglich

Von: Daniel Gerhards
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Sanierungsbedürftige Hauptsch
Sanierungsbedürftige Hauptschule: Das Schulzentrum Stadtmitte soll für viel Geld umgebaut werden. Gleichzeitig bleiben die Anmeldungen für die dort ansässige Hauptschule aus. Eine Alternative könnte die Einführung einer Sekundarschule darstellen. Foto: D. Gerhards

Eschweiler. Gerade wird das Schulzentrum Stadtmitte saniert. Doch trotz aufwendiger und kostspieliger Modernisierung rutschen die Schülerzahlen der dort ansässigen Hauptschule in den Keller.

Die CDU regt nun an, über die Schulform zu diskutieren. Man wolle „wertfrei und nüchtern über die Zahlen sprechen”, sagt CDU-Fraktionschef Bernd Schmitz.

Im aktuellen Schuljahr meldeten sich gerade noch gut 20 Schüler für die Hauptschule an. Im vergangenen Jahr waren es 57 Schüler, im Schuljahr 2010/11 sogar noch 67. „Wir waren überrascht, dass die Entwicklung so schnell geht. Aber die Hauptschule hat in der Öffentlichkeit den Ruf einer Restschule”, sagt Schmitz.

Eigentlich wollte man die Hauptschule langfristig mit drei Klassenzügen weiterführen. Dazu hatte man die Hauptschule in Dürwiß mit der am Standort Stadtmitte zusammengelegt. Seit dem Schuljahr 2011/12 gibt es in Dürwiß keine fünfte Klasse mehr, im Sommer 2013 wird die Hauptschule komplett geschlossen.

Wegen des starken Rückgangs der Schülerzahlen gibt es derzeit auch keine belastbaren Prognosen für die kommenden Jahre. Der aktuellste Schulentwicklungsplan stammt aus dem Jahr 2010. Damals ging man noch von einer starken, mehrzügigen Hauptschule aus. Doch die Eltern meldeten ihre Kinder schlicht nicht an dieser Schule an, sagt Petra Seeger Leiterin des Amts für Schulen, Sport und Kultur der Stadt Eschweiler. Deshalb hält sie es genauso wie Schmitz für sinnvoll eine neue Prognose zu erstellen. Allerdings gehe das nicht mal eben so „aus der Hüfte”.

Mit der Entwicklung liegt Eschweiler voll im Landestrend. 1990 gab es in NRW noch 309 000 Hauptschüler, im Jahr 2000 waren es noch 278 000 und 2011 besuchten gerade noch 175 000 Jungen und Mädchen eine Hauptschule. Die Zahl der Hauptschulen ging seit 1990 um rund ein Drittel auf 608 Standorte in NRW zurück.

Um eine Hauptschule zu führen, braucht man rechtlich mindestens 18 Schüler pro Jahrgang. Doch für die CDU ist eine solch kleine Hauptschule nicht erfolgversprechend. „Wenn sich der Trend fortsetzt, dass die Hauptschule einzügig bleibt, hat sie keine Zukunft”, sagt Schmitz.

Bei den Beratungen zum Thema Hauptschule hofft Schmitz auf ein „einstimmiges Ergebnis”. Denn Schule dürfe „nicht zum Zankapfel” werden. Dass Beratungsbedarf besteht, findet auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Leo Gehlen. Derzeit biete man alle Schulformen in Eschweiler an - mit Ausnahme einer Sekundarschule. Diese neue Schulform ist für die Genossen ebenfalls sehr interessant, da sie möglicherweise dafür sorgen könnte, dass weniger Eschweiler Kinder in Stolberg, Langerwehe, Würselen oder Aldenhoven zur Schule gehen. „Wir wollen ein Schulkonzept, das alles abbildet”, sagt Gehlen. Allerdings könne eine Sekundarschule die Hauptschule in Eschweiler „langfristig schwächen”, sagt Gehlen.

Wird die Schule zu groß?

Das demnächst modernisierte Gebäude, in dem die Hauptschule untergebracht ist - die Sanierung des Schulzentrums soll neun Millionen Euro kosten -, könnte auch anderweitig sinnvoll genutzt werden. Etwa für eine Gemeinschaftsschule oder für eine Zweigstelle der Gesamtschule. „Möglich ist alles”, sagt Gehlen. Existiert die Hauptschule konstant einzügig, wäre das Gebäude jedoch zu groß. Die Planer gingen von einer dreizügigen Schule aus. Allerdings habe man mit den Arbeiten an den Hauptschulräumen noch nicht begonnen, sagt Seeger. Daher sei noch eine „bedarfsgerechte Anpassung” möglich.

Klar ist für Schmitz: „Wenn es so weiter geht, wird die Hauptschule auf der Strecke bleiben.” Spätestens im Februar oder März, wenn die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr vorliegen, müsse man darüber reden, was aus der Hauptschule wird.
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