Eschweiler - Hatzfeld und Palant: Zwei Adelshäuser fast Tür an Tür

Hatzfeld und Palant: Zwei Adelshäuser fast Tür an Tür

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Haus Palant, damals noch Schloss Balland genannt, auf einer Zeichnung von Bergmeister Pennay aus dem Jahr 1753. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Zwei Adelshäuser in unmittelbarer Nachbarschaft – das war das einstige Weisweiler. Pfarrer Franz Josef Wynen hat sich mit der Geschichte der Hatzfelds und Palants befasst: Das jetzige Haus Palant war einmal nicht nur der Stammsitz der Grafen von Palant, sondern zuvor ein fränkischer Königshof, hervorgegangen aus einer römischen Villa rustika, das ist eine Ackerbau- und Wirtschafts-Villa.

1793 wurde in der Nähe von Haus Palant beim Pflügen ein römischer Sarkophag mit Knochen und Beigaben freigelegt. Der spätere Charakter eines Königshofes ergibt sich zunächst einmal aus dem Namen Palant = zum Palatin, zum Königspalast, zur Pfalz gehörig. Sodann gibt es die eigenartige, fast einmalige Tatsache, dass Jahrhunderte lang zwei Adelshäuser auf Herrensitzen nebeneinander in Selbstständigkeit leben konnten, die kaum fünf Wegminuten auseinander lagen.

Dies aber war nur möglich, weil ihre jeweiligen Rechte deutlich abgegrenzt waren: Palant war ein alter Königshof, gleichsam exterritorial, in alter Zeit mit der Kaiserstadt Aachen verbunden und vom Jülicher Grafen respektiert. Burg Weisweiler stellte dagegen die Unterherrschaft Weisweiler im Territorium der Grafschaft Jülich dar; diese war beim Zerfall der karolingischen Kaisermacht entstanden.

Palant wurde dann später vom Königsbesitz frei und Stammsitz der Herren von Palant. Es gelangte zunächst in den Besitz des Aachener königlichen Vogtes und Schultheißen Arnoldus Parvusa. Die neuen Herren gaben sich den Namen des Hofes und wurden die Stammväter derer von Palant.

Urkundlich wird als erster 1323 ein Reinart von Palant genannt. In der Palanter Teilungsurkunde von 1456 wird die Burg Palant erwähnt und ein großer Grundbesitz des Geschlechtes nachgewiesen. Floris 1 von Palant erwarb sich die Gunst des Kaisers Karl V. und wurde von diesem 1555 in den Grafenstand erhoben. Sein Sohn, Floris II. von Palant-Cuylenbreg, verstorben 1639, ließ das prächtige Schloss Palant in niederländischem Renaissance-Stil errichten. Nach dem Tod von Floris II. kam es zu Erbprozessen um den Palanter Besitz und auch zu Streitigkeiten mit den Grafen von Hatzfeld, welche seit 1509 die Herren der benachbarten Burg Weisweiler waren. Alle diese Probleme wurden gelöst, als im Jahre 1682 die Hatzfelder das Schloss Palant kauften. So waren nunmehr beide Weisweiler Herrensitze in einer Familie vereint.

Allerdings dauerte die Herrschaft derer von Hatzfeld über Palant und Burg Weisweiler keine hundert Jahre mehr. Schon 1769 wurde der ganze Besitz an den Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz verkauft.

Schloss Palant, wie es zu Anfang des 17. Jahrhunderts von Floris II. errichtet war, bot einen imposanten Anblick, war eine großartige Anlage auf drei Inseln, von der Inde umflossen. Es besaß zwei Vorburgen und das eigentliche Schloss, welches durch breite Wassergräben, dicke Mauern und hohe, schmalfenstrige Türme geschützt war.

1755 und 1756 wurden die Gebäude des Schlosses durch starke Erdbeben schwer beschädigt. Dies dürfte ein wesentlicher Mitanlass zum Verkauf 1769 gewesen sein. 1757 war Graf Edmund Florens, der bedeutendste Weisweiler Hatzfeld gestorben, und im Jahre 1762 starb seine Frau Isabella Johanna, die letzte in der Weisweiler Kirche bestattete Hatzfelderin. Ihr Sohn Karl Eugen verkaufte 1769 den gesamten Weisweiler Besitz und zog nach Mannheim. Von Haus Palant existiert heute nur noch eine der Vorburgen.

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