Hat die Gesellschaft noch Platz für Hunde?

Von: Stefan Schaum
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Das hält nicht nur Hündin „
Das hält nicht nur Hündin „Nala” fit: Auch Frauchen Aylina Ersoy muss beim „Agility”-Training immer in Bewegung bleiben und die Richtung weisen. Foto: Stefan Schaum

Eschweiler. Monika Saus ist schon früh auf den Hund gekommen. Da war sie kaum drei Jahre alt. „Ich musste damals ordentlich quengeln, bis meine Eltern mir endlich einen Collie gekauft haben.” Heute lebt die 50-Jährige von ihrer Leidenschaft für die Vierbeiner.

Dabei hätte es eine wie sie vor 20, 25 Jahren noch gar nicht gegeben. „Der Beruf des Hundetrainers kam erst in den 1980er Jahren so langsam auf”, sagt sie. Heute sei er gefragter denn je. „Das liegt ganz bestimmt nicht am Tier, sondern am Menschen!”

Die Zeiten, als der Hund wie selbstverständlich zum Leben gehörte, seien nämlich vorbei. Saus: „Früher waren Hunde gern gesehene Hüter von Haus und Hof, heute sind sie der lästige Familienanhang in der Nachbarwohnung, den niemand hören will.” Wer bellt, der nervt - auch ein Hund muss sich in die Gesellschaft einfügen. Und passt er nicht, soll ein Trainer ihn bitteschön passend machen. Das beschert Monika Saus entsprechenden Zulauf.

„Die meisten Anfragen haben mit Gehorsam zu tun”, sagt die Betreiberin des Euregio Hundezentrums. Oft sind es Welpen, mit denen die Halter vorstellig werden. Etwa ein halbes Jahr dauert für sie das so genannte „Grundgehorsams-Training”. Dabei lernt das Tier, sich auf Kommando zu setzen oder auf Zuruf zu seinem Halter zurückzukehren. Nicht unwichtig in Zeiten, in denen sich Hundehalter und Fahrradfahrer gern hitzige Wortgefechte liefern, wenn sie einander in die Quere kommen. „Es wird oft eng”, sagt Saus und meint damit nicht bloß den Platz auf den Wegen, sondern auch die mangelnde Toleranz.

Nicht immer sind es junge Hunde, die sie vor sich hat. „Mancher nimmt erst dann Hilfe in Anspruch, wenn er sich mit seinem Tier völlig überfordert sieht”, sagt Saus. Sie hat schon viele Hunde erlebt, die Familienmitglieder gebissen haben. „Der Leidensdruck ist oft richtig hoch.”

Aus Tier wird Freizeitkumpel

In der Regel könne sie selbst dann noch helfen. Indem sie mit beiden arbeitet: Hund und Halter. Nach dem Motto: Nicht der Hund ist gestört, sondern die Beziehung zwischen Mensch und Tier. „Wer sich heute einen Hund kauft, hat oft zu hohe Erwartungen an das Tier. Ein Hund soll immer häufiger auch Sozialpartner und Freizeitkumpel sein.” Dann müsse sie zunächst einmal die falschen Vorstellungen korrigieren. Ihr ist das wichtig, vor allem jetzt, zur Ferienzeit. „Hunde werden ja nicht nur deshalb ausgesetzt, weil der Halter keinen Platz oder keine Zeit mehr für sie hat, sondern weil sie ihm schlicht lästig geworden sind, weil er sie nicht versteht.”

Verständnis wecken, das will sie zunächst. Dann kann es weitergehen. Denn dass die Tiere zu „Freizeitkumpeln” geworden sind, spürt man auch im Hundezentrum. Beim „Agility”-Training etwa, bei dem der natürliche Bewegungsdrang der Tiere genutzt wird, um sie über Hindernisse springen und durch Röhren kriechen zu lassen. Die 15-jährige Aylina Ersoy nimmt mit ihrem zweieinhalbjährigen Border-Collie „Nala” an Turnieren teil. Auf dem Übungsgelände bereitet sie sich vor, dort hat ihre Hündin auch den Gehorsam gelernt. „Wir sind ein Team”, sagt sie und Monika Saus steht daneben und nickt: So soll es sein.
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