Hastenrath hat Zukunft, aber auch keine Konkurrenz

Letzte Aktualisierung:
Mit selbst gemachten Plakaten
Mit selbst gemachten Plakaten fördern die Aktiven vom Arbeitskreis „Unser Dorf hat Zukunft” die Dorfgemeinschaft. Von links: Leni Willms, Hiltrud Brunke, Elvira Körfer, Wilfried Grimmer und Helga Grimmer.

Eschweiler. Die Zeit reicht nie! So vieles möchte man zeigen, erklären, bewundern lassen. Aber die Kommission drängt zur Eile: Auch andere Dörfer wollen bestaunt und begutachtet werden. Was ist das Wichtigste, das Hastenrath und Scherpenseel vorweisen können im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft”?

„Das Wichtigste ist unser Zusammenhalt. Es ist wirklich eine funktionierende Dorfgemeinschaft” sagt Helga Grimmer, und da nicken alle Umstehenden.

2008 hat Hastenrath dem Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft” gewonnen. 2009 wurde der Ort sogar Dritter beim Landeswettbewerb. In diesem Jahr macht man wieder mit - aber nach den Wettbewerbsregeln geht es diesmal nur mit einer Teilnahme außer Konkurrenz. Am Montag schaute sich die Kommission der Städteregion Aachen den Ort an. Sachkundige Führer waren dabei die Damen und Herren vom Hastenrather Arbeitskreis „Unser Dorf hat Zukunft” mit Helga Grimmer als Sprecherin.

Dieser Arbeitskreis wird nicht nur, wie es in anderen teilnehmenden Dörfern sein mag, aus Anlass des Wettbewerbs aktiv. Er kümmert sich rund ums Jahr um den Ort. Immer wieder gibt es neue Ideen, um die beiden Dörfer Scherpenseel und Hastenrath schöner und wohnlicher zu machen. Da wird auch nicht lange gefackelt, da wird einfach angepackt. Am Wanderweg hinter der Gressenicher Mühle fehlt eine Bank? Die wird natürlich schnell selber gebaut und aufgestellt. Pssst - das war etwas am Rand der Legalität, die Bank steht ein paar Meter weit auf dem Gebiet des Kreises Düren. Aber bevor man lange fragt...

So pragmatisch geht der Arbeitskreis gern vor, und man hat viel Spaß dabei, bestätigt Leni Willms, auf deren Hof sich die Gruppe nach der Bereisung noch einmal zusammen setzt. Kleine Manöverkritik: Wie ist es gelaufen? Ganz gut, finden alle. Um 9 Uhr hat man sich mit der Kommission getroffen und hat dann auf dem Hof Willms den Ort und die vielen Aktionen vorgestellt, hat den Zusammenhalt der Menschen und das Vereinsleben gerühmt. Nach einem Spaziergang zur Kirche der Höhepunkt: eine Tour im „Apfel-Express”, der sonst zur Ernte eingesetzt wird, durch die Wiesen und Obstgärten im Westen des Ortes. Vom Rand des Stadtwaldes bot sich den Mitfahrern ein idyllischer Blick auf dem Doppelort im Tal, während Obstbauer Josef Hillemacher über die abwechslungsreiche Arbeit in den Obstplantagen berichtete, die das Bild des Ortes seit vielen Jahren mit bestimmen.

Letzte Station der Rundfahrt war die Gressenicher Mühle. Silvia Münstermann-Scheepers, die mit ihrem Mann das historische Gebäude liebevoll restauriert hat und pflegt, hätte gern etwas zur Geschichte der wunderschön im Tal des Omerbachs gelegenen Mühle erzählt, aber die Zeit der Kommission reichte nicht einmal, das Mühlrad anzuschauen, das sich jetzt wieder dreht.

Auch an der Gressenicher Mühle wird deutlich, wie viel den Hastenrathern die Dorfgemeinschaft gilt. Im Winter werden die Wiesen oberhalb der Mühle den Kindern des Dorfes zum Rodeln zur Verfügung gestellt. Familie Münstermann-Scheepers beleuchtet sie sogar, während im Hof des urigen Mühlengebäudes ein Lagerfeuer zum Aufwärmen flackert.

Typisch für diesen Zusammenhalt, der auch Familien einbezieht, die sich neu ansiedeln, ist die Aktion „Wir sind das Dorf”. Auf handgefertigten Plakaten werden die Fotos alle Ortsansässigen, die mitmachen möchten, geklebt, die Plakate werden regelmäßig ausgestellt. „Am 16. und 17. Juli ist wieder Wendelinusfest, da kommen die Leute und werfen ihre Bilder in die Sammelbox”, berichtet Helga Grimmer. Inzwischen gibt es bereits mehrere dieser Plakate. Eine andere erfolgreiche Aktion des Arbeitskreises sind die Postkarten mit typischen Dorfansichten. 3000 wurden bereits verkauft. Oder der selbst gedruckte Wanderplan für den Ort, vom Korkus bis zum Killewittchen. Mit ausführlichen Erläuterungen der sehenswerten Gebäude ebenso wie zur Geschichte des Ortes.

Gern hätte der Arbeitskreis auch eine Broschüre „Unser Dorf stellt sich vor” gedruckt, berichten Mitglieder. Aber dafür reicht im Moment das Geld nicht. Bald verwirklicht werden soll aber die Umgestaltung des Pfadfindergartens zu einem Naturspielplatz. Auch eine weitere Idee wird gerade umgesetzt. Unter die Straßenschilder in Hastenrath und Scherpenseel werden weitere Schilder mit den früheren Straßennamen in heimischer Mundart befestigt. So heißt die Albertstraße zugleich „Ruude Hahn”, die Pfarrer-Funk-Straße ist die „Kereschstroß”. Das wollte der Arbeitskreis auch der „Unser Dorf hat Zukunft”-Kommission zeigen. Aber das erst am Wochenende montierte Schild mit der „Kereschstroß” war bereits in der Nacht zum Montag gewaltsam abgebrochen worden. Selbst ein Dorf mit einer derart intakten Gemeinschaft, bedauerte Elvira Körfer vom Arbeitskreis, ist vor Vandalismus nicht sicher.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert