Eschweiler - Harry Hung aus Hongkong: Den Mond kennt er nur als Schemen

Harry Hung aus Hongkong: Den Mond kennt er nur als Schemen

Von: Rudolf Müller
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„We serve“(„wir dienen“) lautet der Leitsatz der Lions weltweit. Dr. Hans-Jürgen Sommer und seine Frau Doris interpretieren das Motto hier ein wenig anders und „serv“ieren ihrem begeisterten jungen Gast aus Hongkong im Garten kühle Getränke, Erdbeeren und Waffeln. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Am liebsten liegt er im Garten. Mitten im Grünen, dösend, nur vom Plätschern des Teichbrunnens halbwegs wachgehalten. Ein Garten! So etwas hat Harry Hung zu Hause nicht.

Der junge Mann lebt in Hongkong, bewohnt ein kleines Zimmer im Apartment seiner Eltern und Geschwister. Jetzt genießt er den Sommer im Dürwisser Garten von Doris und Dr. Hans-Jürgen Sommer. Mehr als 9200 Flugkilometer entfernt von der einstigen britischen Kronkolonie, die Hongkong auch heute noch zu etwas Besonderem macht.

Die Sommers sind Mitglied im Lions Club Eschweiler Ascvilare. Und Harry Hung, 23-jähriger Physiotherapeut an einem Hospital in Hongkong, ist Mitglied der Leos, der Jugendorganisation der weltweiten Lions-Familie. Letztere veranstaltet jährlich Jugendcamps: mehr als 100 in fast 40 Ländern der Erde. Gelegenheit für tausende junger Leute, andere Menschen und Kulturen kennenzulernen.

Harry Hung ist schon eine Menge rumgekommen: Japan, China, Taiwan, Indonesien, Singapur, Malaysia... Im fernen Westen war er noch nie. Bis jetzt. „Ich liebe es, zu reisen. Da kann man vieles sehen, was man nicht aus Büchern lernen kann“, sagt er. „Und ich liebe den westlichen Stil sehr. Das Leben hier ist ganz anders. Die Leute hier verstehen es, Pausen einzulegen und das Leben zu genießen. In Hongkong herrscht eine ständige Hetze, muss ich ständig Überstunden machen, um den Verwaltungsschriftkram zu schaffen.“

Letzteres ist so unterschiedlich nicht zum hiesigen System. Hans-Jürgen Sommer, von Beruf Augenarzt, kann da ein Lied von singen. Für Harry, der zwei Wochen lang sein Gast ist, hat er sich dennoch Zeit genommen, ihn in die westliche Kultur eintauchen zu lassen. Am 6. Juli lernten sich Harry und die Sommers in Hamburg kennen: Dort feierten Lions aus aller Welt ihre 96. International Convention.. Unter anderem mit einer riesigen Parade, in der auch auch die Jugendlichen aus aller Herren Ländern mitgingen, die anschließend auf Gastfamilien verteilt wurden, um dann an einem der deutschen Jugendcamps teilzunehmen.

Seither hat Harry einiges erlebt: Er war in Aachen und Maastricht, in Köln und Roermond, in Monschau, am Rursee und auf de Laufenburg (Burgen gibt‘s in Hongkong nämlich auch nicht). Er erlebte die „Autostadt“ Wolfsburg, sah die „Kölner Lichter“ live und erlebte ein Figurentheater in der Kölner Philharmonie, er bestaunte den Kölner Dom und das Kraftwerk Weisweiler, er probierte Kölsch im Brauhaus und schaute seinem Eschweiler Physiotherapeuten-Kollegen Frank Krüttgen bei der Arbeit über die Schulter. Und er hatte seine helle Freude an einem Besuch in der Skihalle von Landgraaf (Schnee gibt‘s in Hongkong nämlich ebenfalls nicht – den hatte Harry zuvor nie gesehen). Und noch von etwas anderem war Harry völlig begeistert: „von Sauerkraut mit Kasseler, Sauerbraten, Gulasch, von deutscher Wurst und deutschem Bier!“

Heute ist Schluss mit der sommerlichen Gartenromantik in Dürwiß. Am Nachmittag bringen Doris und Hans-Jürgen Sommer ihren Gast nach Hinsbeck. Dort trifft er auf 18 weitere Jugendliche – aus Italien, Russland, Brasilien, der Türkei, Mexiko, Israel, Spanien. Sogar ein weiterer junger Mann aus Hongkong wird da sein. Dann startet in der Hinsbecker Sportschule das eigentliche Jugendcamp mit Projekten, Erfahrungsaustausch und Workshops. In der zweiten Woche wird das Rheinland erkundet: Düsseldorf, das Haus der Geschichte in Bonn, Bochums Starlight Express stehen auf dem Programm, aber auch eine Tour nach Brüssel.

So begeistert Harry Hung auch von Deutschland, seinem Essen, seiner Kultur und seinem „way of life“ ist – der Gedanke, ganz von Hongkong hierher überzusiedeln, der ist ihm noch nicht gekommen. „Ich habe meine Familie in Hongkong“, sagt er. „Ich bin der einzige Junge und habe drei Schwestern – da muss ich da sein und mich kümmern.“

Dennoch wird er die Zeit hier vermissen. Die Zeit, in der er am Abend im Garten sitzt und in den Mond starrt: Den hat er nämlich zu Hause auch noch nie so klar gesehen. Der Smog über der Sieben-Millionen-Stadt Hongkong lässt soviel Durchblick einfach nicht zu.

Hans Jürgen und Doris Sommer wissen aus eigenem erleben, wie wertvoll Jugendaustausch ist – für beide Seiten. Zum Weltjugendtag in Köln beherbergten sie vier junge Französinnen; Tochter Katharina war mit 16 Jahren als Austauschschülerin in Peoria/Illinois, Sohn Markus im selben Alter in Petoskey/Michigan. Und Doris Sommer betreut ausländische Jugendliche bei Youth-for-Understanding-Austauschprogrammen.

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