Hapkido: Indestädter kehren mit Weltmeistertiteln aus Südkorea zurück

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
5998235.jpg
Bürgermeister Rudi Bertram empfing die Eschweiler Weltmeister im Rathaus. Foto: Patrick Nowicki
5998234.jpg
Dass Hapkido auch etwas für die Jüngsten ist, erlebten am Mittwoch die Kinder der Ferienspiele der Barbaraschule und der EGS Stadtmitte im Trainingsraum des Vereins Chong Yong. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Einen solchen Empfang hat Josef Römers auf dem Eschweiler Hauptbahnhof nicht erwartet. Erst recht nicht um 23 Uhr. Aber Jubel, wem Jubel gebührt: Römers kehrte schließlich mit seiner Mannschaft als mehrfache Hapkido-Weltmeister nach Eschweiler zurück.

Ausgerechnet im Mutterland dieser Kampfkunst, in Südkorea, machte sich die drei Jahre dauernde Trainingsarbeit bezahlt. Vor Mexiko und den USA gab es Gold in Yongin, einer Millionenstadt etwa 80 Kilometer südlich von der Hauptstadt Seoul. Das vom 61-jährigen Josef Römers geleitete deutsche Team heimste elf Gold-, zwei Silber- und zwei Bronze-Medaillen ein und war damit zudem erfolgreichste Nation bei den Titelkämpfen.

Für Römers sind diese Titelgewinne so etwas wie die Erfüllung seines Lebenstraumes. Der Inde­städter verbrachte viele Monate in Südkorea, um den Kampfsport zu lernen. In vier Stilarten besitzt er den schwarzen Gürtel, der nochmals durch Prüfungen höher gestuft werden kann. Diesen Grad drückt der Dan aus. Den 7. Dan besitzt Römers im Taekwondo, den 6. Dan im Hapkido, den 9. Dan im Hanguldo und den 2. Dan in Hankumdo. Eine beeinduckende Sammlung für einen Deutschen. Doch seine Arbeit gilt vor allem dem Verein Chong Yong, den er im Jahr 1990 mit seiner Frau Gabriele aus der Taufe hob.

Vier Mal in der Woche Training

Seit einigen Jahren befindet sich der Trainingsraum in Dürwiß über einem Supermarkt. Dort werden verschiedene Spielarten des Hapkido und des Taekwondo trainiert. Dazu benötigen die Kampfsportler Platz, schließlich werden auch Stöcke und Schwerter eingesetzt. Vier Mal in der Woche ist dort Training angesagt. Vier Mal in der Woche jeweils zwischen zwei und drei Stunden trainierten auch die Mitglieder des Teams Germany, das nun die Goldmedaille nach Deutschland holte. Das gilt auch für die vier Eschweiler Sportler, die der Mannschaft angehörten. Der Student der Biotechnologie, Stephan Mentzel, die 16-jährige Schülerin Janina Emmerich und der 16-jährige Schüler Manuel Zakrzewski opferten viele Stunden ihrer Freizeit, um die ausgeklügelte Choreographie ihres Trainers einzustudieren.

Mit Kämpfern aus anderen Städten bildeten sie das 13 Menschen starke Team, dass sich mit dem Flieger nach Seoul aufmachte. Gabriele Römers begleitete die Mannschaft – als gute Seele und Managerin. Außerdem gehörte sie dem Kampfgericht in Korea an. Den Großteil der Flugkosten mussten die Athleten selbst bezahlen. Dort angekommen, mussten sie sich zunächst an das feuchtwarme Klima gewöhnen. Und an die völlig andere Kultur. Dass Mädchen eine Kampfkunst ausüben, ist in dem asiatischen Land ungewöhnlich.

Bei der zweitägigen Weltmeisterschaft liefen alle zur Höchstform auf. Vor allem der Team-Wettbewerb überzeugte die Jury. Die knapp fünf Minuten dauernde Übung fasste den Reiz der Sportart zusammen. Akrobatik, Konzentration, Kraft und Disziplin vereinten sich zu einer überzeugenden Kür. Selbst die sonst sehr zurückhaltenden Asiaten klatschten laut Beifall. Hinter diesen fünf Minuten steckten drei Jahre harter Arbeit: von der ersten Zusammenstellung der Mannschaft, über ungezählte Trainingseinheiten einzeln und gemeinsam bis hin zu den Titelkämpfen. 2007 und 2010 hat Römers noch den 3. Platz bei der WM belegt, in drei Jahren geht er nun als Titelverteidiger ins Rennen. Als dann 64-Jähriger? „Wenn es meine Gesundheit zulässt, natürlich“, sagt er voller Überzeugung.

Ausruhen auf den Lorbeeren wird er sich auf keinen Fall. Gestern waren Kinder der Ferienspiele an der Barbaraschule und der Evangelischen Grundschule Stadtmitte zu Gast im Dürwisser Trainingraum. Viele von den Kleinen waren begeistert. Auch die Betreuerinnen Jessica Schumacher, Stefanie Erckens und Danuta Rudzinski vom Kinderschutzbund. Spaß an der Bewegung und Respekt stehen im Mittelpunkt des Angebotes in diesem Jahr. Das passt perfekt zur Philosophie von Hapkido. Zwei Tage lang konnten die Kleinen mit Janina Emmerich und Gabriele Römers üben. Die nächste Generation Kampfsportler...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert