Handys in der Klasse werden einkassiert

Von: Sonja Essers
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Im Unterricht gilt an allen Eschweiler Schulen Handy-Verbot: Wer sich nicht dran hält, muss sein Mobiltelefon abgeben. Foto: Stock/IPA Photo

Eschweiler. Wenn Kevin (Name von der Redaktion geändert) am Morgen seinen Klassenraum betritt, wandert sein Blick nicht zu seinen Mitschülern. Er starrt gebannt auf das Handy in seiner Hand. Da er dies bereits vor Unterrichtsbeginn durch etliche Telefonate und Textmitteilungen stark beansprucht hat, nutzt er die nächstbeste Steckdose im Klassenraum, um den Akku seines Handys aufzuladen. Der Unterricht wird so zur Nebensache.

Dass dieses Verhalten kein Enzelfall ist, bestätigt Thomas Gurdon, Schulleiter des Berufskollegs Eschweiler: „Obwohl während des Unterrichts striktes Handyverbot herrscht, wird dies von den meisten Schülern nicht akzeptiert.“ So werden in den Mathe-, Deutsch und Englischstunden fleißig Kurzmitteilungen geschrieben, und auch Telefonate während des Unterrichts sind keine Seltenheit. „Viele Schüler erkennen ihre Grenzen nicht und stören mit diesem Verhalten nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Klassenkameraden“, so Gurdon.

Dass dieses Problem nicht nur den Alltag am Berufskolleg bestimmt, sondern bereits in der Grundschule beginnt, weiß Markus Neuefeind, Schulleiter der Katholischen Grundschule Röhe: „Bereits Kinder, die in die dritte und vierte Klasse gehen, bringen ihr Handy mit in die Schule.“ Oft seien die teuren Geräte Kommunions-, Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke, erklärt Neuefeind, der an seiner Schule ein striktes Handyverbot durchgesetzt hat: „Zwar können die Schüler ihre Geräte mitbringen, diese dürfen jedoch den ganzen Tag über nicht benutzt werden. Schließlich sollen die Kinder ihre Pausen nutzen, um gemeinsam zu spielen und zu kommunizieren.“

Auch in der Realschule Patternhof bleibt das Handy in der Schultasche. „Viele Schüler nutzen die Zeit zwischen den Unterrichtsstunden, um sich mit ihren Mitschülern auszutauschen“, erzählen Rektorin Michaela Silbernagel und ihr Stellvertreter Günther Busch. Zwar habe man über eine Lockerung des Handyverbots nachgedacht, berichtet Silbernagel, doch dies sei von den Schülern selbst verworfen worden: „Wir wollten den Schülern ermöglichen, dass sie in der Pause mit ihren Handys Musik hören können, doch dieser Vorschlag ist von der Schülervertretung abgelehnt worden, da so keine Möglichkeit zur Kommunikation besteht.“

Ausnahmen möglich

Eine Lockerung des Handyverbots beschäftigt derzeit auch die Bischöfliche Liebfrauenschule. „Wir überlegen, ob wir bestimmte Bereiche für die Handynutzung freigeben“, erzählt Bert Schopen, stellvertretender Schulleiter. So könne man sich vorstellen, dass ältere Schüler ihre Handys künftig während der Freistunden in der Mensa oder auf dem Oberstufenschulhof nutzen dürfen, so Schopen weiter.

Am Berufskolleg wäre ein Handy-Verbot außerhalb des Klassenraums nicht umsetzbar. „An unserer Schule befinden sich überwiegend Erwachsene, darunter auch alleinerziehende Mütter und Väter, denen wir nicht verbieten können, im Notfall erreichbar zu sein“, gibt Gurdon zu bedenken. Auch Schopen ist der Meinung, dass es Situationen geben kann, in denen das Handy wichtig ist. „Bei Unterrichtsausfällen können vor allem jüngere Schüler ihre Eltern rechtzeitig informieren, damit diese sich keine Sorgen machen müssen“, berichtet er. An der Realschule hat man für diese Fälle eine andere Lösung gefunden. „Bei uns gibt es einen Münzapparat, und im Notfall können die Schüler auch über das Sekretariat ihre Eltern erreichen“, erklärt Silbernagel.

Auch die Vorgehensweise bei Regelverstößen wird an den verschiedenen Schulen unterschiedlich gehandhabt. Am Berufskolleg, das derzeit von über 2700 Schülern zwischen 15 und 40 Jahren besucht wird, gehört das Einsammeln der Geräte zum Schulalltag. Nach dem Unterricht haben die Schüler die Möglichkeit, sich ihre Smartphones im Sekretariat abzuholen. An der Liebfrauenschule geht man sogar noch einen Schritt weiter. „Wir geben die eingesammelten Handys erst am nächsten Tag zurück. Beim zweiten Mal behalte ich sie sogar eine Woche lang“, berichtet Schopen. Beschwerden über diese Methode gebe es nicht.

Am Berufskolleg hat man jedoch andere Erfahrungen gemacht. „Wenn sich die Vorfälle häufen, informieren wir die Eltern und bitten sie, das Handy ihrer Kinder abzuholen“, erzählt Gurdon. Die Meisten zeigen für diese Erziehungsmethode jedoch wenig Verständnis. „Oft beschweren sich Eltern darüber, dass sie sich wegen solch einer Kleinigkeit auf den Weg machen müssen, anstatt darüber nachzudenken, dass ihr Kind einen Fehler begangen hat“ , so Gurdon weiter.

In Röhe und an der Realschule stellt ist sogar das Einsammeln der Geräte vor Klassenarbeiten unproblematisch. Dass dies nicht selbstverständlich ist, weiß Thomas Gurdon: „Heutzutage haben Jugendliche mehrere Geräte und so können wir nicht gewährleisten, dass sie während der Prüfungen nicht doch versuchen zu schummeln.“

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