Handlungskonzept bis 2021: Zukunftspaket für nördliche Innenstadt

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
eschweiler luftbild
Die Eschweiler Innenstadt soll sich bis 2021 weiterentwickeln.

Eschweiler. Flanieren die Menschen in fünf Jahren über den „Inde-Boulevard“? Dort zieht sich derzeit noch die Indestraße vierspurig am Rathaus vorbei. Diese Möglichkeit zeichnet die Stadtverwaltung für die Umgestaltung der nördlichen Innenstadt.

In den Plänen spielt der Rückbau der Indestraße eine zentrale Rolle. Der Planungs-, Bau- und Umweltausschuss berät in neun Tagen über ein konkretes Maßnahmenpaket bis einschließlich 2021. In der Gesamtsumme sollen etwa 9,7 Millionen Euro investiert werden, ein Großteil soll das Land Nordrhein-Westfalen stemmen. Die Stadtverwaltung hofft auf eine Förderung aus Düsseldorf in Höhe von etwa 7,8 Millionen Euro. Die Stadtkasse soll in den fünf Jahren um etwa 1,5 Millionen Euro belastet werden. Etwa eine halbe Million Euro werden an Einnahmen erwartet, darunter fällt auch der Anteil des Investors am Abriss der ehemaligen Hertie-Immobilie, der in wenigen Wochen beginnen soll. Die Abbrucharbeiten sollen alleine 4,7 Millionen Euro in diesem Jahr verschlingen.

Grundlage der Maßnahmen ist das „Integrierte Handlungskonzept Innenstadt-Nord“, das im Jahr 2012 aufgelegt wurde und jetzt in der 2. Fortschreibung vorgestellt wird. Bisher bekamen der Marktplatz sowie Teile der Park- und Peter-Paul-Straße einen neuen Anstrich. Kosten: 2,271 Millionen Euro. In den kommenden Jahren soll der östliche Bereich der nördlichen Innenstadt von der Wollenweberstraße bis zur Peilsgasse modernisiert werden. Die Indestraße wird ein zentrales Thema. In einer Machbarkeitsstudie soll geklärt werden, ob die Verkehrsachse entlang der Inde, die die Stadtplaner der MWM-Gruppe als „Barriere“ bezeichnen, zurückgebaut werden kann. Bisher war eine Reduzierung der Fahrspuren immer mit dem Argument abgelehnt worden, dass zunächst die Umgehungsstraßen nördlich an Eschweiler vorbei und der Autobahnanschluss Eschweiler-Ost fertiggestellt werden müssen. Dies ist vor Jahren passiert.

Vorrangiges Ziel sei, so schreiben die Stadtplaner, die südliche und nördliche Innenstadt zu verknüpfen. „Hierzu ist ein schlüssiges Gesamtkonzept zu entwickeln“, heißt es im Handlungskonzept. Ein Gutachten soll im Jahr 2018 in Auftrag gegeben werden. Das Ergebnis will die Verwaltung in mehreren Schritten erzielen. Es soll ab 2019 umgesetzt werden. Die einzelnen Abschnitte sind eng miteinander verzahnt: Die Umgestaltung der Indestraße geht am Rathaus einher mit der Umgestaltung des dortigen Vorplatzes.

Stadt und der Investor für das City-Center und die Hertie-Immobilie haben sich auf ein gemeinsames Büro geeinigt, das ein „Freiraum- und Gestaltungskonzept“ für das Rathaus-Quartier entwickelt. Im kommenden Jahr soll der Auftrag erteilt werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Arbeiten auf dem Areal des City-Centers und der Hertie-Immobilie bereits in vollem Gange. „Unser Ziel ist es, die Bürger frühzeitig einzubinden“, sagt der Technische Beigeordnete Hermann Gödde. Entsprechende Workshops sollen ebenfalls im kommenden Jahr beginnen, an denen verschiedene Büros beteiligt werden.

Das Handlungskonzept ist Grundlage für die Landesförderung. Bis zu 80 Prozent der Baukosten soll Düsseldorf übernehmen. Schon beim Umbau des Marktplatzes hat das Land etwas mehr als eine Millionen Euro an den Gesamtkosten in Höhe von 1,329 Millionen Euro übernommen. Sämtliche Straßen am Rathaus sollen in den nächsten Jahren folgen. Insgesamt 4,196 Millionen Euro werden für die Aufwertung der Peilsgasse (178.361 Euro), der Dürener Straße (226.116 Euro), der Wollenweberstraße (368.132 Euro), des Rathausvorplatzes (799.049 Euro), des Rathausumfelds (549.822 Euro), für die Umgestaltung der Indestraße (1,576 Millionen Euro) und die Gestaltung eines Indebalkons (498.000 Euro) veranschlagt. Hermann Gödde räumt ein, dass sich die Zahlen noch verändern können: „Letztlich hängt es auch davon ab, was zum Beispiel bei einer Umgestaltung der Inde berücksichtigt werden muss.“ Dennoch seien die Zahlen durchaus realistisch.

Die Stadtverwaltung will auch private Investoren mobilisieren, ihre Immobilien anzupacken und zu erneuern. Was bei der südlichen Innenstadt erfolgreich war, wird deswegen bei der Sanierung der nördlichen Innenstadt fortgeführt: das Fassaden- und Hofprogramm. 50.000 Euro stehen Jahr für Jahr bis 2021 zur Verfügung. Gödde bestätigt, dass schon einige Anfragen vorliegen. Bei der Umsetzung der zahlreichen Maßnahmen holt sich die Stadtverwaltung Unterstützung externer Experten. Ohnehin sollen die Meinungen von Fachleuten verstärkt einfließen. So spielt auch das Mobilitätskonzept, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, eine Rolle für die Gestaltung der Innenstadt.

Flaniermeile

Zahlreiche Gutachten und Expertenmeinungen sollen also den Prozess begleiten, die nördliche Innenstadt modern zu gestalten. „Wir wissen in manchen Bereichen nicht, wie sich die Gesellschaft in kommenden Jahren entwickelt“, sagt Gödde. Die Frage, wie das Internet das Kaufverhalten verändert, sei noch nicht abschließend beantwortet. Der Technische Beigeordnete will die Menschen in die Innenstadt locken, indem „Freiräume mit Aufenthaltsqualität“ geschaffen werden. Dazu kann eine Flaniermeile entlang der Inde zählen, der „Inde-Boulevard“. Kann, nicht wird. Bis zum Spatenstich werden noch zahlreiche Debatten im Rathaus und Veranstaltungen, bei denen Bürger ihre Meinung kundtun, auf dem Programm stehen. „Es wird sicherlich noch eine dritte Fortschreibung des Handlungskonzeptes geben“, betont Gödde.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert