Eschweiler-Bergrath - Handicap-Mannschaft: Integriert, akzeptiert und selbstbewusst

Handicap-Mannschaft: Integriert, akzeptiert und selbstbewusst

Von: ran
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Miteinander auf Augenhöhe: Die Spielerinnen und Spieler der Handicap-Mannschaft und die E-Junioren des SV Falke Bergrath stellten unter Beweis, was das Fußballspiel bedeuten und bewirken kann. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler-Bergrath. Fußball ist mehr als ein 1:0. Und viel mehr als ein Milliarden-Fernsehvertrag! Denn das Fußballspiel hat die Kraft, Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen zusammenzubringen und Positives für das soziale Gefüge zu bewirken.

Eines von zweifellos vielen Beispielen ist seit gut einem Jahr beim SV Falke Bergrath zu beobachten. Dort haben Arni und Markus Muhr die Idee entwickelt, eine Mannschaft von Spielerinnen und Spielern mit geistigen und körperlichen Defiziten auf die Beine zu stellen. Und das Projekt schreitet voran: Inzwischen schnüren an jedem Freitagnachmittag zwischen 15 Uhr und 16.30 Uhr bis zu 13 Spieler der Handicap-Mannschaft im Alter von 7 bis 22 Jahren ihre Fußballschuhe, um sich im Passspiel, im Dribbling und natürlich nicht zuletzt im Torschuss zu üben.

Doch kaum ein Training kann ein Spiel ersetzen. Deshalb fieberten die Kicker von Arni und Markus Muhr auch einem Freitag besonders entgegen. Auf dem kleinen Kunstrasenplatz im Willi-Bertram-Stadion standen nämlich die E-Junioren der Falken bereit, um der Handicap-Mannschaft einen „heißen Kampf“ zu liefern. Diese nahm die Herausforderung an und zeigte den Zuschauern am Spielfeldrand, was in ihr steckt.

Arni und Markus Muhr sind echte Falken. Das Ehepaar trainiert die C-Juniorinnen, beide Töchter tragen das Falke-Trikot. Da wollte und will Sohn Maximilian natürlich nicht nachstehen. Doch der 14-Jährige ist behindert. „Für ihn ist es sehr schwierig bis unmöglich, in einer Mannschaft, in der nichtbehinderte Spieler aktiv sind, mitzuhalten“, berichtet seine Mutter und Trainerin. „Deshalb haben wir uns entschlossen, den Versuch zu unternehmen, eine Mannschaft, in der ausschließlich behinderte Spieler aktiv sind, aufzubauen. Denn wir wollen diesen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Angebot unterbreiten, das speziell ihnen gerecht wird“, ergänzt Markus Muhr.

Die Beiden suchten den Kontakt zur Regenbogenschule in Stolberg und stießen bei den Verantwortlichen auf offene Ohren. Mittlerweile bilden Spielerinnen und Spieler aus Eschweiler, Stolberg, Alsdorf und sogar aus dem belgischen Eynatten ein Team, zu dem auch und in besonderem Maße die Eltern der Aktiven gehören. „Die Mütter und Väter sind sehr präsent und mit viel Herzblut bei der Sache. Dies ist aber auch notwendig, denn eine Voraussetzung für unser Engagement ist, dass bei jedem Training ein Elternteil jedes Spielers vor Ort ist“, macht Arni Muhr deutlich.

Großartig sei, dass die Handicap-Mannschaft innerhalb des SV Falke Bergrath komplett integriert und akzeptiert sei. Wobei es innerhalb des Teams durchaus eine gewisse Zeit gedauert habe, bis Vertrauen gewachsen sei. „Schließlich hat der eine oder andere Spieler unserer Mannschaft mit Sicherheit auch schon unschöne Erfahrungen mit seiner Umwelt gemacht“, wissen Arni und Markus Muhr, dass die Welt für ihre Schützlinge keinesfalls immer rosarot aussieht. Umso wichtiger sei es, dass Mannschaft und Umfeld in den zurückliegenden Monaten zu einer „Familie“ zusammengewachsen seien. Inzwischen erhält das Trainerpaar von Josef Rubay, dem Vater eines Spielers, tatkräftige Unterstützung. Die Spieler bekamen Trikots von „Sportsfreund“ Thomas Virnich und tragen stolz die Vereins-T-Shirts mit der Aufschrift „Wir Falken“.

Ganz wichtig: „Man merkt deutlich, wie sehr das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl unserer Spieler gewachsen ist und weiterhin wächst“, hat Arni Muhr beobachtet. „Das Koordinationsvermögen ist deutlich besser geworden. Insgesamt nehmen die Aktiven einiges mit für ihren Alltag. Schließlich muss auch das Entwickeln von Selbstvertrauen trainiert werden“, so Markus Muhr.

Doch der Nutzen sei eindeutig beidseitig: „Es ist einfach schön zu sehen, wie die Augen unserer Kicker leuchten, wenn sie ein Lob erhalten. Und wenn uns darüber hinaus die Eltern berichten, dass ihre Kinder es kaum bis zum nächsten Training oder der nächsten Aktivität abwarten können, ist dies für uns natürlich Bestätigung“, freut sich Arni Muhr, die hofft, dass sich in Zukunft noch mehr Gelegenheiten ergeben, gegen und mit anderen Mannschaften Fußball zu spielen.

Die Partie gegen die E-Junioren der Falken machte jedenfalls allen Beteiligten Spaß. Das Ergebnis? Sieg auf der ganzen Linie!

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