Handglockenchor: „Bells of Glory“ suchen nach Verstärkung

Von: Andreas Röchter
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Konzentration, Gefühl und Hingabe: Die Musikerinnen des Handglockenchors „Bells of Glory“ beeindrucken immer wieder ihre Zuhörer. Über Zuwachs für ihre Gemeinschaft, die derzeit aus neun Glockenspielerinnen besteht, würden sie sich sehr freuen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Der Name könnte kaum passender gewählt sein: „Bells of Glory“ – Glocken der Herrlichkeit. Denn es sind außergewöhnliche, erhebende, sanfte, beruhigende, schlichtweg herrliche Klänge, die die zehn Damen des Handglockenchors der Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler ihren alles andere als alltäglichen Instrumenten entlocken.

Dies tun Martina Hilges, Martina Hürtgen, Sandra Jansen, Stephanie Keupgen, Illona Keuter, Gisela Müller, Gila Schneider, Beate Schuster, Karin Schwartz und Erika Wiechowski unter anderem während des alljährlichen Weihnachtskonzerts in der heimischen Dreieinigkeitskirche, das von allen sieben Chören, Ensembles und Musikgruppen der Kantorei gestaltet wird.

Für die zahlreichen Konzertgäste ist es jedes mal ein besonderes Hörerlebnis, den Kontrapunkt, den „Bells of Glory“ mit seinen fließenden Klangteppichen setzt, im wahrsten Sinne des Wortes genießen zu können. Doch natürlich ist der Handglockenchor ganzjährig aktiv. „Schließlich ist unser Repertoire viel größer als von vielen Menschen angenommen.

Es reicht von Klassik über keltische Musik bis hin zum Phantom der Oper und Werken von Leonard Cohen“, betont Leiterin Monika Pfennigs, die im Januar 2015 die Nachfolge von Anneliese Malischewski antrat, die ihrerseits nahezu zwei Jahrzehnte an der Spitze des Chors stand. „Es existiert auch eine Partitur von ‚Fluch der Karibik‘ für Handglockenchöre, die ich mit dem Chor gerne einstudieren würde. Doch dafür sind wir momentan quantitativ etwas zu dünn besetzt“, weiß die studierte Instrumentalpädagogin.

Zuwachs und Verstärkung sind also erwünscht. „Natürlich sind auch Männer herzlich willkommen“, sagt Sandra Jansen, die im Jahr 1988 im Alter von zehn Jahren dem Chor beitrat. Vier Jahre zuvor war der Handglockenchor von der US-amerikanischen Organistin Nancy Poland, die als Küsterin für die Evangelische Kirchengemeinde tätig war und die 48 Bronzeglocken aus ihrer Heimat mit in die Indestadt gebracht hatte, ins Leben gerufen worden. Und seitdem durchfluten immer wieder sphärische Klänge die großartige Akustik des Gotteshauses.

Dennoch: „Eigentlich kennen uns im doch grundsätzlich musikaffinen Eschweiler viel zu wenige Menschen“, klagt Sandra Jansen ein wenig. „Nicht selten erhalten wir erstaunte Reaktionen von Personen, die uns erstmals gehört haben und uns danach mitteilen, dass sie im Vorfeld eine ganz andere Vorstellung hatten“, berichtet sie. Doch den Schritt in den Chor wagen nur ganz wenige. „Ich glaube, dass die Hemmschwelle, in einen schon seit langer Zeit bestehenden Chor einzutreten, sehr hoch ist und viele eigentlich Interessierte sich schlicht und einfach nicht trauen“, vermutet Sandra Jansen.

Dabei sind musikalische Vorkenntnisse zwar keinesfalls schädlich, doch nicht unbedingt notwendig. „Einen Handglockenchor kann man sich quasi als einzelnes Klavier vorstellen, auf dem jeder Spieler bestimmte Tasten bedient“, versucht Monika Pfennigs ihren „Klangkörper“ so vorzustellen, dass auch Laien eine Vorstellung bekommen. Ein solcher Laie war Monika Pfennigs vor etwas mehr als zwei Jahren auch noch. „Ich habe über meinen Bekanntenkreis erfahren, dass die Stelle als Leiterin des Chors ‚Bells of Glory‘ ausgeschrieben wird. Trotz meines Musikstudiums war ich aber zunächst recht ahnungslos. Ich habe mir Beispiele auf Youtube angehört, fand aber, dass diese recht scheppernd klangen.

Erst später habe ich erfahren, dass sich Konzerte mit Handglocken nur schwierig aufnehmen lassen. Deshalb habe ich hier vor Ort an drei Proben teilgenommen. Danach schwebte ich auf Wolke sieben“, blickt die Aachenerin auf ihr Aha-Erlebnis zurück, das ihren Weg zur Chorleiterin ebnete. Seitdem gibt sie „ihren“ Damen im Alter von 35 bis 76 Jahren den Takt vor und ist somit Teil eines zumindest hierzulande überschaubaren Kreises.

Denn im gesamten Bundesgebiet sind momentan lediglich 32 Handglockenchöre registriert, in der näheren Umgebung haben die „Bells of Glory“ mit Ausnahme des Handglockenchors der evangelischen Gemeinde in Aldenhoven sogar ein Alleinstellungsmerkmal. „Dies sieht in den Vereinigten Staaten, wo nahezu jede High-School und Kirchengemeinde über einen solchen Chor verfügt, oder auch in Japan vollkommen anders aus“, weiß Sandra Jansen.

Wartung in Chicago

Da ein „Handglockenmarkt“ in Deutschland also nicht vorhanden ist, gestaltet sich auch die Pflege der Glocken, die seit 1984 stark beansprucht wurden, nicht ganz unkompliziert. „Von Zeit zu Zeit schicken wir einige Glocken zur Wartung in eine Manufaktur in der Nähe von Chicago“, berichtet Monika Pfennigs, die mit ihren Musikerinnen dem 21. Mai entgegenfiebert. Im Rahmen eines Festaktes, der unter der Überschrift „125 Jahre Kirchenmusik in unserer Gemeinde“ steht und um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst startet, geben die „Bells of Glory“ ab 14 Uhr innerhalb eines Konzerts weitere Kostproben ihres Könnens.

Eine Stunde später haben die Gäste die Gelegenheit, während der Instrumentenschau in der Kirche und im Martin-Luther-Haus die Glocken einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Sollte bis dahin die Zahl der Chormitglieder angewachsen sein, wäre dies für Monika Pfennigs und ihre Mitstreiterinnen eine weitere Motivation in Richtung Zukunft. „Natürlich sind auch Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren gerne gesehen“, wendet sich die Chorleiterin nicht zuletzt an die junge Generation.

„Eine gewisse Disziplin gehört allerdings zu den Voraussetzungen. Um beim Beispiel einzelnes Klavier zu bleiben, stellen wir als Klangkörper eine Einheit dar und sind bei Auftritten auf Vollzähligkeit angewiesen. Schließlich dürfen bei einem Klavier keine Tasten fehlen“, ergänzt Sandra Jansen. Die Proben der „Bells of Glory“ finden jeweils freitags ab 18 Uhr im Martin-Luther-Haus statt. Weitere Informationen gibt es bei Monika Pfennigs: Telefon 0241/406498.

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